TY - THES T1 - Binswangers Asyl Bellevue 1876 - 1880 A1 - Meile,Daniela Antonia Y1 - 2012/09/28 N2 - Das Sanatorium Bellevue in Kreuzlingen, eine zunächst kleine psychiatrische Privatklinik mit einem sozial- und familientherapeutischen Konzept für "heilfähige Kranke und Pfleglinge aus den besseren Ständen der Schweiz und des Auslandes", wurde im Jahr 1857 von Ludwig Binswanger dem Älteren (1820-1880) gegründet; nach seinem Tod übernahm sein Sohn Robert Binswanger (1850-1910) die Leitung der Anstalt. Die vorliegende Arbeit ist Teil einer Dissertationsserie und behandelt schwerpunktmäßig Quellenmaterial aus den Jahren 1876-1880, in denen Ludwig und Robert Binswanger die Anstalt gemeinsam leiteten. Für die hier vorliegende Arbeit wurden 116 Krankenakten bearbeitet und 37 davon vollständig transkribiert. Die demographischen und medizinischen Daten der Patienten wurden erfasst und quantifizierenden Analysen unterzogen. Weiter wurden Aufnahmebücher, ein Kopiebuch, Briefe von Robert Binswanger, Tagebücher und weitere Stücke aus dem Binswanger Archiv herangezogen. Das Quellenmaterial ermöglicht die Rekonstruktion medizinhistorischer, soziokultureller und institutioneller Zusammenhänge. In einem Überblick über die Biographie Robert Binswangers erhalten die sein Psychiatrieverständnis prägenden Einflüsse besonderes Gewicht. Auf seine universitären Lehrer Carl Liebermeister, Ernst Victor von Leyden und Ludwig Meyer wird näher eingegangen. Das in der Anstalt Bellevue propagierte therapeutische Konzept wird anhand des Quellenmaterials herausgearbeitet; hierbei wird insbesondere die Gestaltung des therapeutischen Milieus erörtert. Auf Anamneseerhebung und Befunddokumentation wird ebenfalls näher eingegangen. Das Hysteriekonzept Robert Binswangers wird dargestellt und zu zeitgenössischer medizinischer Literatur in Beziehung gesetzt; dabei lassen sich weitreichende Übereinstimmungen feststellen. Bei der abschließenden Betrachtung einiger Krankengeschichten junger männlicher Patienten, die zwischen 1876 und 1880 im Bellevue hospitalisiert waren und aufgrund vorübergehender paranoid halluzinatorischer Symptome in einer Rückschau aus dem Jahr 1908 Diagnosen wie Hypochondrie und Dementia praecox erhielten, lässt sich retrospektiv aus der Distanz von mehr als hundert Jahren über die tatsächlichen Auslöser ihrer Erkrankung nur spekulieren. Die Krankengeschichten dieser jungen Männer legen jedoch nahe, dass die Betroffenen mit den an sie gestellten Leistungsanforderungen nicht zu Recht kamen. Inwieweit solche von zeitgenössischen medizinischen Autoren als Überbürdung bezeichneten Verhältnisse tatsächlich Auslöser oder bereits Folge der beginnenden Erkrankung waren, bleibt offen. KW - Kreuzlingen / Dr. Binswangers Kuranstalt Bellevue KW - Binswanger, Robert (Psychiater) KW - Überbürdung CY - Tübingen PB - Universitätsbibliothek Tübingen AD - Wilhelmstr. 32, 72074 Tübingen UR - http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/volltexte/2012/6440 ER -