TY - THES T1 - Assoziationen zwischen bildgebenden, kognitiven und motorischen Testverfahren zur Früherkennung des Morbus Parkinson A1 - Baumann,Dorothea Y1 - 2012/09/27 N2 - Jährlich wird bei ca. 13.000 Personen in der Bundesrepublik Deutschland die Diagnose „M. Parkinson“ gestellt. Nach anfänglich vergleichsweise milder Symptomatik ist diese Erkrankung jedoch im weiteren Verlauf durch einen zunehmenden Abbau nicht nur motorischer sondern auch kognitiver, emotionaler und vegetativer Funktionen gekennzeichnet, die die Lebensqualität stark beeinträchtigen und in Spätstadien ein hohes Maß an Pflegebedürftigkeit mit sich bringen. Im Jahr 1995 wurde bei Parkinson-Patienten erstmals eine typische Ultra-schallsignalveränderung der Substantia nigra (SN) beschrieben, die im Vergleich zur Norm in ihrer zweidimensionalen Ausbreitung vergrößert sowie signalreicher (hyperechogen; SN+) imponierte. Trotz der Notwendigkeit einer gewissen Erfahrung zur Erhebung und Interpretation des Ultraschallbefundes besticht diese Methode aufgrund ihrer hohen Sensitivität als nicht-invasives und kostengünstiges Verfahren in der Diagnostik des M. Parkinson. Epidemiologische Studien ergaben, dass 10-16% der Allgemeinbevölkerung ebenfalls dieses Ultraschallmerkmal aufweisen. Die Assoziation von SN+ mit vier von fünf prodromalen Markern als auch mit funktionellen Veränderungen des nigro-striatalen Transmittersystems führte zu der These, dass Personen mit SN+ ein erhöhtes Risiko tragen, an M. Parkinson zu erkranken. Dieses beläuft sich aktuellen Studien zufolge auf das 17-fache gegenüber Personen mit SN-. Da bei internationaler Arbeit an der Verfügbarkeit neuroprotektiver Substanzen die Detektion möglicher Risikopersonen unerlässlich ist, war ein Ziel dieser Studie herauszufinden, inwiefern das Leistungsprofil von Personen mit SN+ dem von Parkinson-Patienten entsprach. Diese Subgruppe SN-Hyperechogener hätte wahrscheinlich ein höheres Risiko, an M. Parkinson zu erkranken und könnte von zukünftigen prophylaktischen Maßnahmen profitieren. Für diese Fragestellung verwendeten wir klinisch leicht anwendbare Testverfahren, für die in der Literatur häufig Auffälligkeiten bei Parkinson-Patienten beschrieben wurden sowie die 1.5T-Magnetresonanztomographie als vielerorts verfügbare, nicht-radioaktive bildgebende Methode. Unsere Ergebnisse sprechen dafür, dass die Detektion einer Risikopopulation mit SN+ nicht anhand eines einzigen Testmerkmals der in dieser Studie verwendeten Methoden möglich ist, sondern dass vielmehr eine Kumulation von Einzelmerkmalen vonnöten ist, um eine valide Einschätzung geben zu können. Insbesondere das Vorhandensein von zwei oder mehr prodromalen Markern in Assoziation mit SN-Hyperechogenität mag ein erhöhtes Risiko für eine Parkinsonerkrankung im weiteren Lebensverlauf darstellen. Die in unserer SN+ Gruppe ermittelten Auffälligkeiten betrafen insbesondere eine verminderte sowie häufiger als pathologisch eingestufte Riechfunktion, ein sowohl klinisch als auch kinematisch detektierbares, marginal vermindertes Armschwungausmaß sowie vereinzelte Einschränkungen neuropsychologischer Funktionen insbesondere exekutiver und psychomotorischer Aufmerksamkeits- und Geschwindigkeitsleistungen. Interessanterweise fanden wir in unserer SN+ Gruppe über das Niveau der SN- Gruppe hinausreichende Leistungen in der Diadochokinese-Testung. Es ist möglich, dass eine passagere Leistungssteigerung durch kortikale sowie subkortikale Kompensationsmechanismen bedingt wird. Zudem fanden wir bei unseren Patienten im Frühstadium der Erkrankung bereits Hinweise auf atrophe Prozesse in Form kleinerer SN-Volumina, die mittels konventioneller 1,5T-MR-Tomographie detektierbar waren. Tendenziell geringere gesamt SN-Volumenwerte wurden auch in der SN+ Gruppe gemessen, was möglicherweise ebenfalls auf beginnende atrophierende Prozesse bei einer Subgruppe mit SN+ hinweisen könnte. Methodische Assoziationen fanden sich besonders zwischen den klinischen Testverfahren. Die Ergebnisse der bildgebenden Verfahren zeigten keinerlei Zusammenhänge, so dass mittels TCS und MRT unterschiedliche Aspekte des gleichen Prozesses dargestellt werden und diese Verfahren nicht gegeneinander austauschbar sind. Für keine der bildgebenden Untersuchungsmethoden fanden wir ausreichend stabile Korrelationen mit klinischen und neuropsychologischen Parametern, so dass die Leistungsveränderungen durch jenseits der morphologischen Veränderung der SN parallel verlaufende Prozesse bedingt werden müssen. KW - Parkinson-Krankheit KW - Doppler-Sonographie KW - Frühdiagnostik KW - Kognition KW - Bilderzeugung CY - Tübingen PB - Universitätsbibliothek Tübingen AD - Wilhelmstr. 32, 72074 Tübingen UR - http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/volltexte/2012/6443 ER -