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Priwitzer, Martin:

Ernst Kretschmer und das Wahnproblem

Ernst Kretschmer and the paranoia problem

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http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:21-opus-14795
URL: http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/volltexte/2004/1479/
Hauptberichter: Hirschmüller, Albrecht
Fakultät: 05/06 Medizinische Fakultät
Fachgebiet/Einrichtung: Bereich 05/06 Medizinische Fakultät
Dokumentart: Dissertation
Sprache: Deutsch
Erstellungsjahr: 2004
Publikationsdatum: 03.12.2004
Tag der mündlichen Prüfung: 12.05.2004
Kurze Inhaltszusammenfassung auf Deutsch Ernst Kretschmer, am 8. Oktober 1888 in Wüstenrot bei Heilbronn geboren, war einer der bekann-testen deutschen Psychiater in der Mitte des 20. Jahrhunderts. Die vorliegende Arbeit gibt einen Überblick über Kretschmers Leben bis etwa 1920 sowie über einen Teil seines Frühwerks, seine Arbeiten zur Paranoiafrage. Sie stützt sich neben dem Schrifttum auf zahlreiche unpublizierte Quellen, darunter den umfänglichen Nachlaß Ernst Kretschmers.
Entgegen seiner ursprünglichen Absicht entschloß sich Kretschmer nach seinem Studium in Tübin-gen und München zu einer universitären Laufbahn, die er 1913 als Medizinalpraktikant in der Tü-binger Nervenklinik bei Robert Gaupp begann. Hier schloß er seine Dissertation über „Wahnbil-dung und manisch-depressiven Symptomkomplex“ ab. In dieser Arbeit entwickelte Kretschmer, inspiriert durch die experimentell orientierte Psychologie Wundts, an Hand von Kasuistiken eine Theorie der Wahnentwicklung bei Krankheitsbildern aus dem manisch-depressiven Formenkreis.
Während seiner Zeit als Arzt in einem Reservelazarett für Nervenkranke vollendete Kretschmer seine Habilitationsschrift über den „Sensitiven Beziehungswahn“. Am Beispiel der Paranoia ver-suchte er hier, an Hand von zahlreichen Kasuistiken Charakter- und Erlebniswirkungen in ihrer Be-deutung für die Krankheitsgenese gleichermaßen darzustellen. Basis hierfür ist eine von ihm ent-worfene psychiatrische Charakterlehre. Das im „Sensitiven Beziehungswahn“ bereits angelegte Konzept der mehrdimensionalen Betrachtungsweise ergänzte Kretschmer mit weiteren Veröffentli-chungen um den biologischen und konstitutionellen Faktor. Dabei distanzierte er sich zum Teil deutlich vom damals allgemein anerkannten Kraepelinschen System, indem er prozeß- und ent-wicklungshafte Faktoren in der Genese psychischer Erkrankungen als gleichwertig nebeneinan-derstellte. Dadurch sah sich Kretschmer zum Teil scharfer Kritik ausgesetzt, bei der auch eine ge-wisse, von Kretschmer jedoch geleugnete Nähe zu psychoanalytischen Theorien eine Rolle spielte. In der Folge wandte sich Kretschmer mehr charakterologischen und konstitutionellen Themen zu, die heute nur noch von historischem Interesse sind.
Bereits in Kretschmers frühen Werken sind einige charakteristische Stärken und Schwächen seiner Arbeitsweise erkennbar. Vor dem Hintergrund biographischer und historischer Ereignisse wird in der vorliegenden Arbeit versucht, Anhaltspunkte für Ziele und Motivationen des jungen Kretschmer im Hinblick auf seinen beruflichen und wissenschaftlichen Werdegang zu gewinnen.
Kurze Inhaltszusammenfassung auf Englisch Ernst Kretschmer, born in Wüstenrot near Heilbronn (Germany) on October 8, 1888, was one of the most eminent German psychiatrists of the 20th century. This publication details Ernst Kretschmer´s biography until about 1920, and offers a critical survey of some of his early scientific works, in particular his publications about the paranoia problem. The present study uses, in addition to the published papers, many so far unpublished sources, especially from Kretschmer’s extensive estate.
After his studies in Tübingen and München, Kretschmer decided, in contrast to his earlier intenti-ons, to pursue a university career. In 1913, he began to work as an intern at Robert Gaupp‘s univer-sity hospital for psychiatry in Tübingen. There he finished his doctoral thesis about paranoia and the complex of manic-depressive symptoms („Wahnbildung und manisch-depressiver Symptomkom-plex“). In that study, Kretschmer developed a theory about the genesis of paranoia in patients with manic-depressive disorders, inspired by Wundt’s theories in experimental psychology and by some clinical cases.
During World War I, Kretschmer worked in a military hospital for neurological disorders where he finished his postdoctoral thesis on the sensitive delusion of reference („Der sensitive Beziehungs-wahn“). For this study he analyzed a large number of clinical cases in order to demonstrate how both character and specific experiences can contribute to the development of a specific complex of symptoms. He developed a system of psychiatric characters and a concept of multidimensional ap-proach to psychiatric patients; that concept he later enlarged to also include biological und constitu-tional factors. He criticized the then prevalent diagnostical system of Emil Kraepelin, and instead gave equal weight to psychological and organic factors in the genesis of psychiatric diseases. This approach had an affinity – which Kretschmer always disputed – to psychoanalytical theories; that perceived affinity was one of the reasons for the severe criticism levelled at Kretschmer´s new ap-proach by leading German psychiatrists of the time. During the following years he finished his stu-dies of the paranoia problem, and then concentrated in his research on topics concerning constituti-on and character - topics which nowadays are of interest only to the historians of medicine.
Kretschmer’s early publications already display some characteristics (both strengths and weaknes-ses) of his method. The present study aims to use the biographical and historical settings of Kretschmer´s early career to uncover some information about the goals and motivating factors in his professional and scientific development.
Kontrollierte Schlagwörter (Deutsch): Kretschmer, Ernst <Psychiater> , Paranoia , Nervenheilkunde , Tübingen , Charakterkunde
Freie Schlagwörter (Englisch): Kretschmer, Ernst , paranoia , psychiatry , Tübingen , characterology
DDC-Sachgruppe: Medizin, Gesundheit
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