TBI 26.2004, H. 2


Jg. 26(2004) H. 2



Inhalt

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    Impressum

    Tübinger Bibliotheksinformationen

    Mitteilungsblatt für das Bibliothekssystem der Universität Tübingen, Wilhelmstr. 32, Postfach 26 20, 72016 Tübingen; ISSN 0933-0623

    Herausgeber: Universitätsbibliothek Tübingen

    Redaktion:
    Bettina Fiand (UB) (Tel.: 29-77849)
    Winfried Gebhard (UB/Institut) (Tel.: 29-72847)
    Alexandra Grünberg (UB) (Tel.: 29-72846)
    Jürgen Plieninger (Institut) (Tel.: 29-76141)
    Kerstin Rehm (Institut) (Tel.: 29-74971)
    Armin Rempfer (UB) (Tel.: 29-72578)
    Iris Seel (UB) (Tel.: 29-76064)
    Andrea Staiger (Institut) (in der Familienphase)
    Gabriele Zeller (UB) (Tel.: 29-74030)

    ISSN 0933-0623
    Januar 2005
    Jg. 26 (2004) H. 2

    Herstellung: Universitätsbibliothek Tübingen

    Erscheinungsweise: halbjährlich

    TBI im Internet: Jürgen Plieninger
    http://www.uni-tuebingen.de/ub/elib/tbi/tbi.htm



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    Editorial

    Liebe Leserinnen und Leser von TBI,

    nur was sich ändert bleibt. Dieser paradoxe Satz könnte als Motto über diesem Heft stehen, dessen Beiträge vielfach die Änderungen in der UB und im Bibliothekssystem widerspiegeln. Neben dem Begrüßungstext des neuen Stellvertretenden Direktors und den Bildern zur Einsetzung der Brücke zwischen Ammerbau und Waschhalle sind es insbesondere die Texte zur Hebung der Informationskompetenz, welche von nachhaltigen Bemühungen zeugen, immer auf neuen Wegen das Gleiche zu tun: Die Dienste der Universitätsbibliothek sowie der Fakultäts- und Institutsbibliotheken den Benutzern möglichst so nahe zu bringen, dass sie selbständig mit den Erschließungsmitteln des Bestandes der Bibliotheken umgehen können.
    Auch TBI ist vom Motto nicht ausgenommen: Nachdem 2004 wieder nur zwei Hefte pro Jahr erscheinen und zudem das zweite Heft zum zweiten Mal am Anfang des neuen Jahres "nachgeliefert" wird, haben wir uns zum Schnitt entschlossen und oben unter Erscheinungsweise halbjährlich vermerkt.

    Ihre TBI-Redaktion



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    Aus der Rekon-Werkstatt: Rekon Tibeter

    Dieter Back, UB, Projekte

    Zuerst sah es für mich so aus, als könnte ich in der Institutsstelle den nächsten Kasten mit neuen "Indern" holen, um bis zum Ende des Jahres wieder die eine oder andere "Sprache" abhaken zu können. Doch es kam alles etwas anders. Merkwürdigerweise häuften sich im Frühjahr Anfragen bezüglich der beiden großen tibetischen Textsammlungen, dem Kanjur und dem Tanjur. Zudem war gerade wieder eine große Menge "neuer Tibeter" eingetroffen, die katalogisiert werden mussten, so dass ich mich entschloss, in diesem Zuge die verschiedenen Ausgaben der o.g. Textsammlungen zu konvertieren. Jeder hier im Hause kennt diese hundertbändigen Ausgaben, deren Bände wegen ihres Formates liebevoll als "Fliegenklatschen" bezeichnet werden - "liebevoll" deswegen, weil man damit keiner Fliege etwas zuleide tun kann (sie fliegt todsicher vorher weg).
    Doch Spaß beiseite: Bei dieser sogenannten kanonischen Literatur handelt es sich um zwei große Textsammlungen, dem Kanjur mit 100 bis 108 Bänden (je nach Ausgabe) und dem Tanjur mit 213 Bänden. Der Kanjur beinhaltet das "Buddhawort", also das, was der Buddha gelehrt hat, zusammen mit den Ordensregeln und der frühen Kommentarliteratur, also das, was im Buddhismus der Tripitaka, der "Dreikorb" ist. Der Tanjur beinhaltet die buddhistischen philosophischen Texte, eine ganze Reihe religiöser Texte und sonstige Texte der einzelnen traditionellen Wissenschaften, wie z.B. Grammatik, Medizin usw. Mit aller gebotenen Vorsicht könnte man Kanjur und Tanjur vergleichen mit dem, was in der christlichen Welt die "Heilige Schrift" ist und die Fülle der Väterliteratur, der Patrologia Graeca und Latina.
    Für die Forschung ist diese Literatur deswegen von so großer Bedeutung, weil ihr Sanskrittexte zugrunde liegen, die im 7. Jahrhundert bei der Einführung des Buddhismus in Tibet übersetzt wurden. Die allermeisten Sanskrit-Vorlagen sind verlorengegangen und eben nur in tibetischer Übersetzung erhalten. Aus diesem Grunde habe ich mich nach Absprache mit Frau Zeller entschlossen, diese Bände nach Autopsie zu konvertieren. Zu fast jeder Ausgabe gibt es einen Katalog - diese stehen im Lesesaal -, mit Hilfe dessen ein einzelner Text identifiziert und in dem jeweiligen Band aufgefunden werden kann. Das bedeutet aber, dass die Bände auch einzeln aufgeführt werden, d.h. mit Bandspezifikation und Seitenzahl, was bei früheren Aufnahmen aus verständlichen Gründen - man musste die Karten ja noch einzeln schreiben - nur summarisch geschah. Somit kann der Benutzer nun gezielt Bände bestellen und muss nicht Angst haben, u.U. 100 Bände in den Lesesaal bestellen zu müssen (was er ja auch gar nicht bekäme), um fündig zu werden.
    Die einzelnen Ausgaben, die in Tibet seit dem 14. Jh. gedruckt erschienen sind, werden meist nach ihrem Erscheinungsort unterschieden. Folgende Ausgaben wurden auf diese Weise rekonvertiert:
    1. Derge Kanjur mit 103 Bänden. Signatur: 20 D 13
    2. Tog Palace Kanjur mit 109 Bänden. Signatur: 21 C 49
    3. Nyingma Edition von Kanjur und Tanjur mit 125 Bänden im modernen Buchformat. Signatur: 22 D 5
    4. Derge Tanjur mit 213 Bänden. Signatur: 25 D 19. Zu dieser Ausgabe gab es allerdings damals schon 29 Titelkarten, und die meisten Bände wurden von uns in zwei bis drei Bänden gebunden.
    5. Tanjur of Phyin ba stag rtse mit 100 Bänden in modernem Buchformat. Signatur: 29 D 24. Diese Ausgabe war zwar schon seit 1989 im SWB, aber nur mit einem Band aufgeführt und für die Spezifikation an die damalige ABE adressiert. Ich war 1990 in der ABE tätig, war aber wegen der Befristung meines Vertrages nicht mehr dazu gekommen, diese Aufnahme zu vervollständigen.
    So schließt sich nun der Kreis, allerdings blieb noch die altehrwürdige Peking-Ausgabe des Kanjur und Tanjur unter der Signatur Ci, die nicht zu meinen Rekonvertierungsaufgaben gehört, zur Bearbeitung übrig. Doch da wurde der Entschluss gefasst, auch diese Sammlung zu erfassen, damit nun alle in der Bibliothek vorhandenen Kanjur- und Tanjur-Sammlungen im elektronischen Katalog erfasst und somit auch recherchierbar sind.
    Daher:
    6. The Tibetan Tripitaka (Peking ed.) mit 168 Bänden in modernem Buchformat. (Signatur: Ci XV 11. 4) Nun kann ich mich getrost wieder ein paar tausend Kilometer nach Süden begeben und versuchen, bis zum Jahresende die Telugu-Literatur fertig zu rekonvertieren.

    Kontakt: D. Back, Tel. 29 - 72587, walther.back@ub.uni-tuebingen.de

    Der Beitrag erschien bereits in ub-info 2004/11



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    Langjährige Zusammenarbeit mit dem mibeg-Institut Medizin in Tübingen

    Hennecke Noell, UB, Fachreferat

    Zu den regelmäßigen Angeboten für unsere "Kunden" gehört die uns allen bekannte und beliebte Kurzeinführung in die Benutzung. Diese richtet sich in erster Linie an den Studienanfänger und ist eher allgemeiner Natur. Daneben betreut die UB aber auch eine Vielzahl von recht speziellen Gruppen und Institutionen und bietet hierfür individuell gestaltete Schulungen und Informationsveranstaltungen an. In diesem Zusammenhang wird auch das mibeg-Institut Medizin seit über 10 Jahren bei seinen Fortbildungsmaßnahmen in Tübingen unterstützt. Grund genug, ein paar Zeilen zu dieser nicht ganz alltäglichen Kooperation und ihren Hintergründen zu verlieren:
    Das mibeg-Institut Medizin ist seit Anfang der 90er Jahre auf die nachuniversitäre Qualifizierung von Fach- und Führungskräften im Gesundheitswesen, insbesondere Ärztinnen und Ärzten, aber auch Ökonomen und Juristen spezialisiert. Entsprechend dieser Ausrichtung wird am Standort Tübingen unter anderem ein Seminar "Qualifizierung für Klinik und Praxis" angeboten. Vorrangig wendet sich diese Fortbildung an Ärztinnen und Ärzte, die nicht in der Bundesrepublik studiert haben, vor allem aus Osteuropa, und nach den aktuellen Rechtsvorschriften eine Anpassungszeit in unterschiedlicher Länge und Struktur zu absolvieren sowie eine Fachprüfung vor dem Landesprüfungsamt des jeweiligen Bundeslandes zu bestehen haben, um damit die Gleichwertigkeit ihres medizinischen Ausbildungsstandes nachzuweisen. Diese gilt dann als Voraussetzung für die Erlangung der deutschen Approbation bzw. für die Verlängerung einer zeitlich begrenzten Berufserlaubnis, solange die deutsche Staatsangehörigkeit noch nicht vorliegt. Die Weiterbildungsseminare werden durch die zuständigen Landesärztekammern fachlich beraten, begleitet und zertifiziert.
    Regelmäßig bietet die UB für diese Fortbildungsgruppen Einführungen in die Benutzung an. Hierbei natürlich mit Hauptschwerpunkt auf der Medizin. Besonders die Ärztebibliothek mit ihrem großen Bestand an praktisch-anwendungsorientiertem Schrifttum stellt für diesen Personenkreis eine unverzichtbare und besonders wertvolle Informationsquelle dar. Mit Hilfe der Fachliteratur sollen die folgenden klinischen Praktika der Kursteilnehmer unterstützt und erleichtert werden, um letztendlich eine möglichst effiziente und weitreichende Integration in den deutschen Medizinarbeitsmarkt zu ermöglichen.
    Doch die gegenwärtige Haushaltssituation der öffentlichen Hand zeigt auch hier Auswirkungen in Form verminderter Unterstützung für solche Fortbildungsmaßnahmen. So hat das mibeg-Institut in den letzten Kursen zunehmend sinkende Teilnehmerzahlen zu beklagen. Es bleibt also zu hoffen, dass diese schöne Tradition auch noch in den nächsten Jahren weiter fortgeführt werden kann - ist sie doch ein kleines aber gelungenes Beispiel dafür, dass sich die UB in ihren Aktivitäten nicht nur auf die reine Uniwelt beschränkt, sondern durchaus auch interessante Kooperationen und Kontakte in die Wirtschaft und andere außeruniversitäre Bereiche pflegt. Gerade auch Engagement dieser Art könnte in Zukunft für das Außenbild der UB und die Positionierung als Serviceeinrichtung immer wichtiger werden.

    Kontakt: H. Noell, Tel. 29 - 72836, hennecke.noell@ub.uni-tuebingen.de

    Der Beitrag erschien bereits in ub-info 2004/5-6



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    Neuer stellvertretender UB-Direktor

    Klaus-Rainer Brintzinger, UB, stellvertretende Leitung

    Liebe Kolleginnen und Kollegen,
    seit dem 1. Juli bin ich der neue stellvertretende Direktor der UB. Viele von Ihnen werden mich schon vorher gekannt haben - sei es als den Kollegen "von der anderen Seite der Wilhelmstraße" oder auch als Benutzer der UB. Beides werde ich zunächst noch bleiben - das erste, bis eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger für meine bisherige Stelle gefunden ist, das zweite, der Benutzer, hoffentlich lebenslänglich.
    Dennoch ein paar Worte zu meiner Person:
    Geboren wurde ich vor gut 43 Jahren im schwäbischen Esslingen. Aufgewachsen in einer Kleinstadt namens Mühlacker an der schwäbisch-badischen Grenze, zog es mich zum Studium der Volkswirtschaftslehre zuerst nach Augsburg und dann nach Freiburg. Im sonnigen Südbaden blieb ich auch nach meinem Diplom-Examen noch einige Zeit und arbeitete an der Universität als Hilfskraft wie als Dozent für Betriebswirtschaft an der Berufsakademie in Lörrach. Zugleich arbeitete ich an meiner Dissertation, einer Geschichte der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten in Freiburg, Heidelberg und Tübingen. Die dafür erforderlichen Archivrecherchen brachten mich auch zum ersten Male in die Räume der Tübinger UB, die sich damals - dicht gedrängt - auf die Alte Waschhalle beschränkten. Der berufliche Weg in die Bibliothek war damit schon fast vorgezeichnet - führte aber zunächst über die Referendars-Auswahlkommisson beim Stuttgarter Wissenschaftsministerium. Dort hatte man beschlossen, dass ich mein Referendariat in der Bibliothek der Universität Konstanz zu leisten hätte. Ich zog also für ein Jahr an den Bodensee, lernte dort nicht nur den dichten Nebel im Winter und die Badefreuden im Sommer, sondern in erster Linie eine neugegründete, einschichtige Bibliothek kennen. Zur theoretischen Ausbildung zog ich vom Bodensee an den Main und drückte in Frankfurt für eine Jahr die Schulbank. Kurz vor dem Abschluss erreichte mich die Anfrage aus Tübingen, ob ich denn nicht - obwohl kein Jurist - die Bibliothek der Juristischen Fakultät leiten wolle. Ich sagte zu, und seit dem 1. Oktober 1994 - und damit seit genau 10 Jahren - leite ich die Bibliothek des Juristischen Seminars.
    Geprägt durch meine Konstanzer Referendarszeit hatte ich in der Umstellung unseres Geschäftsganges auf einen integrierten, vollständig DV-gestützten Geschäftsgang einen ersten Schwerpunkt meiner Arbeit gesetzt, und so konnte unsere Bibliothek bereits am 1. Januar 1996 als erste und (bis zur Einführung von Libero in der UB) noch einzige Bibliothek des Tübinger Bibliothekssystems mit der Erwerbungskatalogisierung im Verbund beginnen. Zwischenzeitlich verfügt die Bibliothek des Juristischen Seminars über ein vollständiges Bibliotheksverwaltungssystem auf der Basis von allegro mit OPAC, Ausleihverwaltung, Monographien- und Zeitschriftenerwerbung und noch einigen weiteren Funktionen. Diese rasche Automatisierung des Geschäftsganges habe ich in erster Linie meinen Mitarbeitern zu verdanken, die schon vor meinem Dienstbeginn in Tübingen mit allegro experimentiert hatten und immer wieder mit viel Elan neue Entwicklungen vorangetrieben haben. Dies gilt auch für ein weiteres Spezifikum der juristischen Seminarbibliothek, der Erschließung von unselbständigen Werken und Inhaltsinformationen wie Klappentexten oder Inhaltsverzeichnissen.
    Den Kontakt zur UB hatte ich in diesen 10 Jahren durch die regelmäßige Teilnahme an den allwöchentlichen Referenten-Dienstbesprechungen gehalten und natürlich auch durch vielfachen kollegialen Austausch. Seit Ende 2000 vertrete ich die UB Tübingen im landesweiten Arbeitskreis Kosten- und Leistungsrechung der Universitäts- und Landesbibliotheken, dem ich überdies seit letztem Sommer vorsitze. Mit meinen neuen Schwerpunkten als stellvertretender Bibliotheksdirektor, dem Tübinger Bibliothekssystem und der Bibliotheksorganisation werde ich also an meine bisherige Arbeit anknüpfen können.
    Auf die Zusammenarbeit mit Ihnen, den Kolleginnen und Kollegen in der Universitätsbibliothek, wie auch mit den Kollegen in den dezentralen Bibliotheken freue ich mich sehr. Vorerst führe ich noch ein Dasein als "Wanderbibliothekar", da mein künftiges Zimmer in der UB (das bisherige Zimmer von Herrn Schapka) derzeit noch von Gerüchen befreit werden muss, für die das Bauamt und natürlich nicht mein - in dieser Hinsicht schon leidgeprüfter - Zimmervorgänger die Verantwortung trägt.
    Um etwas Nachsicht muss ich zum Abschluss noch bitten: Es wird noch etwas Zeit in Anspruch nehmen, bis ich mir alle neuen Gesichter eingeprägt habe und auch mit allen Details meines neuen Amtes ganz vertraut bin.

    Kontakt: K.-R. Brintzinger, Tel. 29-72584, klaus-rainer.brintzinger@ub.uni-tuebingen.de

    Der Beitrag erschien bereits in ub-info 2004/8-9



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    Bilder von der Einsetzung der Brücke vom Ammerbau zur Waschhalle

    Armin Rempfer, UB, EDV-Abteilung



    Kontakt: A. Rempfer, Tel. 29 - 72578, armin.rempfer@ub.uni-tuebingen.de



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    Treffen der Medizinbibliothekare in Mannheim

    Henneke Noell, UB, Fachreferat

    Die Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft für Medizinisches Bibliothekswesen (AGMB) fand dieses Jahr vom 27. bis 29. September in Mannheim statt. Gastgeber war die Bibliothek der dortigen Fakultät für Klinische Medizin der Universität Heidelberg. Unter dem Motto "Information - Wir leben sie!" trafen sich fast 200 Teilnehmer zum Meinungs- und Gedankenaustausch, um über die neuesten Trends und Entwicklungen der "Szene" zu diskutieren.
    Traditionell war der erste Tag den Arbeitskreisen für Krankenhaus-, Pharma- und Medizinbibliotheken an Hochschulen gewidmet. Besonders interessant war hierbei der Vortrag von Bruno Bauer aus Wien über die Neuorganisation des österreichischen Universitätswesens und dessen Auswirkung auf die Bibliothekslandschaft. Die dortigen Hochschulen stünden wegen geänderter gesetzlicher Rahmenbedingungen derzeit in einer Umbruchsphase. Die strukturellen Veränderungen bei den bereits existierenden Universitäten sowie die komplette Neugründung von Hochschulen habe auch große Bedeutung für das wissenschaftliche Bibliothekswesen des Landes. So wurde im Vortrag vor allem die Literaturversorgung an staatlichen wie auch privaten medizinischen Universitäten in Österreich thematisiert.
    Der Dienstag startete mit den üblichen Gruß- und Einführungsworten der AGMB-Vorsitzenden, des Dekans und der Leiterin der gastgebenden Bibliothek. Richtig spannend versprach es jedoch erst nach der Pause zu werden. Vorträge zu Subito und der aktuellen Urheberrechtproblematik waren angekündigt. Zunächst referierte Frau Dr. Braun-Gorgon über die Dienstleistung Subito, ohne allerdings näher auf die derzeitige Rechtslage einzugehen. Dies erfolgte anschließend durch Dr. Harald Müller vom Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht in Heidelberg. Sein Vortrag trug den provokanten Titel: "Musterprozesse um Kopienversand - Anfang vom Ende der freien Informationsversorgung?". Jahrzehntelang hätten Bibliotheken Kopien für ihre Nutzer hergestellt und versandt, entweder im Rahmen des Leihverkehrs oder neuerdings auch im Wege des Kopiendirektversands. Damit könne bald Schluss sein, so Dr. Müller, denn der Börsenverein des Deutschen Buchhandels und einige Verlage hätten vor Gericht mehrere Klagen erhoben. Ziel sei es, Bibliotheken den Versand von (elektronischen) Kopien zu untersagen. Der Vortrag stellte die verschiedenen Klagen und deren juristische Begründungen vor. Es wurde auch versucht, eine Antwort auf die Frage zu geben, welche Auswirkungen diese Prozesse auf die freie Informationsversorgung durch Bibliotheken haben könnten. Als besonders perfiden und taktisch geschickten Schachzug bezeichnete Dr. Müller die Beschwerde der STM-Verlage bei der EU-Kommission gegen die Bundesrepublik Deutschland wegen angeblicher Fehler bei der Umsetzung von EU-Recht in deutsches Recht. Hierbei sei die Bundesregierung ein gebranntes Kind und fürchte ein Vertragsverletzungsverfahren der EU wie der Teufel das Weihwasser. Als weiteres pikantes Detail erwähnte Dr. Müller den Besuch des Elsevier-Chefs bei der Bundesjustizministerin kurz vor der Veröffentlichung des Referentenentwurfs zur Novellierung des Urheberrechtsgesetzes - Einflussnahme läge auf der Hand. Er prophezeite, dass aufgrund dieser Neuregelungen "die Verlage die elektronische Informationsversorgung als Monopolisten in die eigenen Hände nehmen werden", gab allerdings zu bedenken, dass dieses profitorientierte Denken (33 € pro Onlineartikel!) letztendlich genau das Gegenteil bewirken könne. Ein schnelles Ende der freien Informationsversorgung sei aber nicht wahrscheinlich, da erfahrungsgemäß die von Verlagsseite angestrengten Klagen Prozesse in einer Dauer von bis zu 5 Jahren nach sich ziehen würden.
    Ebenfalls eher unerfreuliche Nachrichten hatte Herr Kämper aus Stuttgart zu verkünden. In seinem Vortrag: "Das GASCO Nature & Science Konsortium - Erfahrungsbericht und Bilanz nach 3 Jahren" beschrieb er die jüngsten Bestrebungen der Nature Publishing Group (NPG), bei ihrem Preismodell zukünftig auf sogenannte FTE-basierte Lizenzen umzustellen. Dies führe zu Preisaufschlägen für die 2005er Abos von - je nach Institution 40 - 80%. Die durch GASCO in zähen Verhandlungen erzielten Rabatte von 28 - 33% würden so zunichte gemacht und damit auch der Wert des Konsortiums in Frage gestellt. Konsortien wären zweischneidige Schwerter, einmal etabliert, könnten Verlage wie die NPG dann "den Sack zumachen". Zusätzlich lasse die Expansionspolitik der NPG die Preise weiterhin überproportional ansteigen. Angesichts flacher Bibliotheksetats würden die Verlage anscheinend zunehmend aggressiver um das (noch) im System vorhandene Geld konkurrieren.
    Bedient durch soviel harte Bibliothekswirklichkeit, wurde es am dritten und letzten Tag wieder etwas freundlicher. Insbesondere die eher zukunftsorientierten Vorträge von Mary Peterson (Adelaide) und Dr. Oliver Obst (Münster), zu den Themen "Library information resources on PDA" bzw. "Optionen für Gegenwart und Zukunft" ließen doch wieder etwas Raum für Träume von einer heilen Bibliothekswelt aufkommen. So folgte schließlich als versöhnlicher Ausklang des Treffens die Vorstellung der neuerrichteten Bibliothek der Medizinischen Universität Graz, welche auch die nächste Jahrestagung 2005 austragen wird.
    Was konnte man also mitnehmen aus Mannheim? Mein Gesamtfazit fällt eher zwiespältig aus: Auf der einen Seite präsentierte sich ein dynamischer und durchaus innovationsfreudiger Bereich mit vielen neuen Ideen für die Bibliothek der Zukunft. Auf der anderen Seite wurde leider allzu deutlich, dass Bibliotheken gerade im Kerngeschäft zunehmend Handlungsfreiräume verlieren. Wir laufen unweigerlich Gefahr, in ein paar Jahren nur noch als Spielball der Verlage und unserer Geldgeber am Wissensgeschäft teilzunehmen. Da helfen weder technische Spielereien noch bibliothekarischer Idealismus.

    Kontakt: H. Noell, Tel. 29 - 72836, hennecke.noell@ub.uni-tuebingen.de

    Der Beitrag erschien bereits in ub-info 2004/11



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    Abschied von einem guten Freund : Ein Abgesang auf Mikromarc

    Jürgen Plieninger, Institut für Politikwissenschaft, Bibliothek

    Weimar 2001, bei einer mehrtägigen Fortbildung saßen wir abends in trauter Runde und die Sprache kam auf das Thema Bibliothekssystem, genauer: Migration von Daten von einem System ins andere. Jede Kollegin hatte viel zu erzählen über die Unbill, die dabei entsteht, manche hatten das sogar mehrfach mitgemacht. (Ob die Migration von Daten irgendwann einmal zur Standard-Tätigkeit von Bibliothekaren gehören wird? Oder bereits gehört?) Irgendwann fiel einer Kollegin auf, dass ich nichts zum Gespräch beitrug und fragte: "Und welche Erfahrungen haben Sie gemacht, Herr Plieninger?" Worauf ich leider passen musste und der staunenden Runde erzählte, dass ich seit zwölf Jahren mit so einem DOS-Programm arbeite und im Grunde alle nötigen Befehle in den Fingerspitzen habe. Neben erstauntem Schweigen war eine Reaktion aus dem interessierten Zuhörerinnenkreis: "Ja, das kann sicher auch sehr nett sein!"

    Jetzt, drei Jahre später, ist es soweit, ich wechsle in den Verbund und möchte das zum Anlass nehmen, einen Rückblick auf fast fünfzehn Jahre Mikromarc zu geben. Wir erinnern uns: Damals hatte die UB ein Projekt an Land gezogen, welches die Untersuchung von zwei Bibliothekssoftwareprogammen für kleine Bibliotheken zum Thema hatte. Den Namen der beiden Programme kennen wir zur Genüge: LARS und Mikromarc. Aber es war nicht nur die Einführung der beiden Programme, für die Institutsbibliotheken war es zugleich die Einführung von Computern in der Bibliotheksverwaltung. Das war damals keine Selbstverständlichkeit, die Meinung der Institutsdirektoren tendierte damals in die Richtung, dass für die Bibliothek eine Schreibmaschine durchaus genüge, so dass man hier nicht die teuren Geräte anschaffen müsse, welche in der Wissenschaft doch sicher mit sehr viel mehr Nutzen eingesetzt werden könnten. Die Vernetzung lag noch in weiter Ferne, auch Online-Kataloge in der Bibliothek kamen erst später, so dass die Frage eine gewisse Berechtigung hatte, worin nun der Mehrwert der EDV-Katalogisierung bestehen solle, wenn sich der Gebrauchswert einstweilen auf das Ausdrucken von Titelkärtchen für den Zettelkatalog und von Neuerwerbungslisten reduzierte. Hier war zunächst harte Überzeugungsarbeit angesagt, der damalige Direktor der UB telefonierte dessenthalben mit dem Institutsdirektor und setzte sich massiv dafür ein, dass die Bibliothek bei der Computerisierung des Institutes beteiligt wurde.

    Im Frühsommer 1989 wurde das Gerät geliefert und stand dann da. Ich erinnere mich noch gut an den blinkenden Cursor hinter dem C:\ und die bange Frage, wie man denn dieses Nichts mit Leben füllen könne. Die Antwort kam in Gestalt von Frau Krauch von der Institutsstelle, welche mit Hilfe von ein paar Disketten das Programm installierte und mit der Einweisung begann. Sie wird mir ewig ein Vorbild sein in der Art, wie man am Computer eine Sache einrichtet und zugleich dem Nutzer, der noch gar nichts weiß, vermittelt, was man gerade macht und warum. Das Nichts füllte sich mit Rahmen, Balken und nicht zuletzt mit Buchstaben, die Tastatur wurde strukturiert mit Tastenkombinationen ("Strg-F1"), ja, es war auch noch nicht die Zeit der Arbeit mit Hilfe der Maus, die kam Jahre später, weswegen man auf die Tastenkombinationen angewiesen war, und dann konnte man anfangen. Über diese Anfänge habe ich zusammen mit meiner Kollegin Petra Ziegler in TBI 12(1990), 2/3, S. 48f. berichtet, das muss ich nicht noch einmal aufrollen.

    Die Aufregungen der Anfangszeit, die Aufregungen der Anpassung von Mikromarc an Benutzerwünsche, die wieder mit Hilfe der Institutsstelle umgesetzt wurde und sich allmählich in einer zweiseitigen Liste von Sonderbefehlen niederschlug, wandelte sich irgendwann in Routine. Der Wechsel vom Hauptmenü in die Sondermenüs zum Statuseintrag oder zur Eintragung der Signatur und der Inventarnummer, geschenkt, das musste man nicht mehr wissen, das wussten die Finger selbst, die entweder Strg+F2 oder Strg+F3 anschlugen und Wupps! war man drüben. Ebenso die verschiedenen Schritte der Anfertigung von Listen, Routine geworden, kein Problem bei der zeilenorientierten Eingabe in DOS. Titelaufnahme, einst ein Kerngeschäft in der Arbeit, erledigte sich dank der gut strukturierten Menüs nebenher.

    Spannend wurde es zwischendurch nur noch, wenn man auf ein neues Betriebssystem (was haben wir nicht alles gesehen! MS-DOS, DR-DOS, OS2, WinNT und Win 2000) migrierte mit der klammen Frage, ob es denn dann noch läuft. Und der zweite Fall war schlichtweg, wenn der Drucker spann, Zeilenschaltungen nicht ordentlich umsetzte oder verstopft war. Aber das ist wieder nicht Mikromarc anzulasten.

    Nun ist's vorbei! Immerhin nicht ganz: Muss man doch bei der Angleichung der nicht automatisch in den Verbund übernommenen Titelaufnahmen oft in Mikromarc nachsehen, welche Signatur jetzt mit welcher Inventarnummer verknüpft ist. So ist der Abschied kein endgültiger, wenn auch die Selbstverständlichkeit, mit der man Titelaufnahmen in das Menü eintippte und Listen erstellte, passé ist. Doch von der Migration in den Verbund berichte ich Ihnen im nächsten Heft. Einstweilen bin ich dankbar, dass ich so lange mit Mikromarc arbeiten konnte.

    Kontakt: J. Plieninger, Tel. 29 - 761 41, juergen.plieninger@uni-tuebingen.de



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    Virtuelle Semesterapparate - Neue Software

    Thomas Hilberer, Neuphilologische Fakultätsbibliothek

    Seit dem Wintersemester des letzten Jahres bietet die Fakultätsbibliothek Neuphilologie die Einrichtung von Virtuellen Semesterapparaten als eine neue Dienstleistung an. Diese elektronischen Apparate dienen als Ersatz für die bislang im Lesesaal aufgestellten Seminarordner. Sie haben den Vorteil, dass gleichzeitig mehrere Zugriffe möglich sind, sie sparen Platz in den Regalen und sind immer wohlgeordnet und verfügbar. Allerdings war bislang die Anlage und Pflege etwas umständlich, denn für jeden Apparat musste die Fakultätsbibliothek eine eigene Webseite schreiben, und sie musste alle Dateien einzeln auf einem speziellen, passwortgeschützten Server der Universitätsbibliothek ablegen. Da diese Dienstleistung sehr gut angenommen wurde, lag es nahe, nach einem einfacheren Verfahren zu suchen. Dieses wurde bei der Universitätsbibliothek Konstanz gefunden; es heißt "ESEM - Elektronische Semesterapparate". Klaus-Dieter Rosenkranz M.A., Mitarbeiter der Fakultätsbibliothek Neuphilologie, hat die Software an Tübinger Verhältnisse anpassen können. Dankenswerterweise hat Herr Peter Rempis M.A. von der Universitätsbibliothek die Server-Unterstützung angeboten, so dass nun eine Testversion zur Verfügung steht. Erreichbar ist diese über die Hauptseite der FB, http://www.uni-tuebingen.de/fb-neuphil/, oder direkt über http://vitruv.ub.uni-tuebingen.de:8080/tuub/. Hier findet sich eine Liste aller Fakultäten, Inhalte können allerdings derzeit nur bei der Neuphilologischen Fakultät abgerufen werden. Um die derzeit vorhandenen Textdateien lesen zu können, muss in der linken Spalte auf "Login" geklickt und die Benutzernummer sowie das dazugehörige Passwort des UB-Ausweises eingeben werden (voreingestellt: Geburtstag und -monat, 4 Stellen). Beispiele für bereits angelegte Apparate: Deutsches Seminar: Reich, Würth; Romanisches Seminar: Waltereit, Hilberer; Slavisches Seminar: Jakisa.
    Der Vorteil dieses Systems liegt darin, dass die Dozentinnen und Dozenten jederzeit schnell und einfach selber Apparate anlegen und pflegen können. Ohne zusätzliche Software lassen sich Dateien (Word, PDF, HTML etc.) vom eigenen Rechner aus hochladen und, je nach Wunsch, öffentlich oder mit Einschränkungen zugänglich machen. Es ist geplant, die Anwendung für alle Fakultäten anzubieten. Weitere Auskünfte: Klaus-Dieter Rosenkranz (Tel.: 29-74326) und Peter Rempis (Tel.: 29-73450). Weitere E-Learning-Angebote der Universitätsbibliothek siehe http://www.ub.uni-tuebingen.de/pro/elib/tobias-edu.php.

    Kontakt: T. Hilberer, Tel. 29 - 74325, thomas.hilberer@uni-tuebingen.de

    Der Beitrag erschien bereits in ub-info 2004/12



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    Neues Konzept für die Einführung der Studienanfänger im Juristischen Seminar

    Klaus-Rainer Brintzinger/Ursula Ebinger, Juristisches Seminar

    Wie in den meisten Bibliotheken hat sich auch in der Bibliothek des Juristischen Seminars die Einführung der Studienanfänger in die Literaturrecherche und den Umgang mit Fachinformationen lange Zeit auf eine Führung durch die Bibliothek beschränkt, zu der sich meist nur die Studierenden einfanden, die sich ohnehin schon ganz gut in der Bibliothek auskannten. Das Gros der Studierenden vertraute auf autodidaktische Fähigkeiten und einige mehr oder weniger hilfreiche Tipps von älteren Semestern. Spezielle Veranstaltungen der Bibliothek zur Einführung in die OPAC-Recherche oder in die Benutzung juristischer Datenbanken wurden ebenfalls von meist nur wenigen Teilnehmern frequentiert.
    Um eine größere Gruppe an Studienanfängern zu erreichen, hatte sich die Bibliothek bereits vor einigen Jahren entschlossen, wenigstens eine kurze, etwa 15 Minuten umfassende OPAC-Einführung im Anschluss an die vom Computer-Zentrum der Juristischen Fakultät durchgeführten JURIS-Schulung anzubieten. Der Vorteil dieser JURIS-Schulung: Ohne den dabei erworbenen Schein gibt es keine Zugangsberechtigung zu der JURIS-Datenbank, daher sind Teilnahmezahlen stets hoch. Der Nachteil jedoch: Die Zeit für die OPAC-Einführung im Anschluss an die JURIS-Schulung war regelmäßig zu kurz und die Konzentration der Studierenden, die sich zunächst intensiv mit der JURIS-Datenbank zu beschäftigen hatten, entsprechend gering.
    So war die Neugestaltung der Erstsemestereinführung durch die Juristische Fakultät im letzten Jahr eine gute Gelegenheit, das Angebot der Bibliothek ebenfalls neu zu gestalten: Seit letztem Herbst werden die Studienanfänger mit der Bibliothek und mit den Anforderungen an die Literaturrecherche in zwei Stufen vertraut gemacht:
    Zunächst einmal im Rahmen der Erstsemesterbegrüßung am allerersten Studientag: Traditionell werden die Studienanfänger vom Dekan, dem Bibliotheksleiter, dem Studienfachberater und den studentischen Gruppen im Audimax begrüßt. Seit dem letzten Jahr schließt sich an diese Begrüßung eine Campusrallye an: In kleinen Gruppen, jeweils geführt von einem Assistenten und einem Fachschaftsvertreter, werden die Erstsemester über den Campus sowie durch Computerzentrum und Bibliothek geführt. Die Führung durch das Juristische Seminar wird dabei von einem Bibliotheksmitarbeiter übernommen. Freilich kann eine Führung an diesem ersten Studientag nicht mehr bieten als eine kurze Orientierung durch das verwinkelte Gebäude und soll den Studienanfängern vor allem die Schwellenangst nehmen sowie ihnen einen bibliothekarischen Ansprechpartner vorstellen.
    Die eigentliche Einführung in die Literatursuche und Recherchestrategien erfolgt daher in einem zweiten Schritt. Bei der Suche nach einer Lösungsmöglichkeit, möglichst alle Studierenden anzusprechen, wurde wiederum auf die Zusammenarbeit mit einem Kooperationspartner gesetzt. Dazu bot sich die "Fallbesprechung im Zivilrecht I" an, die jeder Studierende im ersten Semester als Pflichtveranstaltung besuchen muss und die zugleich auf die nach dem ersten Semester zu schreibenden Hausarbeiten vorbereiten soll. Die Idee, die Fallbesprechungen mit einer Einführung in die Literaturrecherche zu verbinden, wurde zunächst mit den Assistentensprechern und einigen Fallbesprechungsleitern besprochen. Die Fallbesprechungsleiter waren dabei für die Initiative der Bibliothek sehr aufgeschlossen. Vereinbart wurde eine Kooperation, die im Sommer zu ersten Male erprobt und nun in den nächsten Tagen für das neue Semester wiederholt wird:
    Jeweils ein Fallbesprechungstermin wird von der Bibliothek übernommen und für die Einführung in die Literaturrecherche genutzt. Praktische Übungen im OPAC und in Datenbanken stehen dabei im Vordergrund, daher finden die Schulungen grundsätzlich im Computerzentrum der Juristischen Fakultät statt. Die Einführungen wurden auf das letzte Drittel des Semesters angesetzt, da sich die Studierenden zu diesem Termin schon fachliche Grundkenntnisse angeeignet haben und kurz vor ihrer ersten Hausarbeit stehen. Im letzten Semester wurden Einführungen für insgesamt 11 Gruppen unterschiedlicher Größe im Umfang von 60 - 90 Minuten abgehalten.
    Zwei Diplom-Bibliothekarinnen des Juristischen Seminars haben die mit einer Power-Point-Vorführung ("Wie suche und finde ich juristische Literatur?") illustrierten Schulungen übernommen. Dabei wurde zunächst in einer kurz gehaltenen theoretischen Einführung ein Überblick über die Literaturarten in der Rechtswissenschaft vermittelt. Dem schloss sich eine Grundlage in der Katalogrecherche an. (Suche über basic index oder einzelne Suchfelder; Trunkierung; Suchergebnis auf Vollständigkeit und Relevanz bewerten).
    Der Schwerpunkt dieser Einführung bestand - gemäß der Konzeption der Veranstaltung als Einführung für die Hausarbeiten - aus praktischen Beispielen, wobei den Studierenden Literaturzitate und Fußnoten aus Zeitschriften und Kommentaren vorgegeben wurden, nach denen zu recherchieren war. Zunächst wurden die Zitate zusammen mit den Studierenden analysiert (aus welchen Elementen bestehen Literaturzitate, welcher Teil steht für welche Angabe; wie sieht das Zitat aus, wenn dieselbe Quelle mehrmals zitiert wird etc.) und dann nach diesen Beispielzitaten im OPAC des Juristischen Seminars gesucht. Der Weg vom Katalogergebnis zum Dokument (Wie finde ich anhand der Signatur die Print-Ausgabe im Regal, und wo kann auf online-Ausgaben, z.B. Beck-online zugegriffen werden?) bildete den Abschluss der Veranstaltung.
    Bei allen Übungen zeigte sich, dass bei den Studierenden ein hoher Informationsbedarf vorhanden ist, der durch diese Veranstaltung zumindest teilweise gedeckt werden konnte. Positiv war auch die Sympathiewerbung für die Bibliothek: Die Studierenden lernen Bibliotheksmitarbeiter kennen und wissen, dass sie jederzeit um Hilfe bitten können. Schwierig war dagegen der zum Teil sehr unterschiedliche Wissensstand innerhalb der Gruppen (einige Studierende hatten sich schon mit Bibliothek und Bibliothekskatalog auseinandergesetzt, anderen mussten erst die Grundbegriffe vermittelt werden). Und bei Gruppen von mehr als 15 Teilnehmern konnten nicht alle einzelnen Teilnehmer so betreut werden, wie es wünschenswert gewesen wäre. Insgesamt war diese Einführung sehr erfolgreich, so dass sie nun im nächsten Semester fortgeführt und dann schon fast zum regelmäßigen Curriculum gehören wird.

    Kontakt: K.-R. Brintzinger, Tel. 29-72584, klaus-rainer.brintzinger@ub.uni-tuebingen.de ; U. Ebinger, Tel. 29-76473, ursula.ebinger@uni-tuebingen.de

    Der Beitrag erschien bereits in ub-info 2004/12



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    Schlüsselqualifikation Informationskompetenz - Tübinger Fakultätsbibliothek Neuphilologie mit erweitertem Kursangebot

    Matthias Holl und Thomas Hilberer, Fakultätsbibliothek Neuphilologie

    Im vergangenen Sommersemester 2004 bot die Fakultätsbibliothek Neuphilologie zum ersten Mal einen kompletten Semesterkurs an, mit der Möglichkeit, Kreditpunkte im für die Bachelor-Studiengänge vorgeschriebenen Bereich der Schlüsselqualifikationen zu erwerben. Die Übung war unter dem Titel "Voraussetzungen der Computerphilologie" als Lehrauftrag des Deutschen Seminars organisiert und setzte sich aus drei Modulen zusammen:
    In Lehreinheit 1 (4 Sitzungen; Eugen Seiterich und Matthias Holl) ging es um Strategien der fachbezogenen Literatur- und Informationsrecherche in elektronischen Bibliothekskatalogen, Fachdatenbanken (bes. MLA-Bibliography) und im Internet. In Lehreinheit 2 (5 Sitzungen; Klaus-Dieter Rosenkranz) wurden Kenntnisse in MS-Word für Fortgeschrittene, MS-Access sowie MS-Powerpoint vermittelt. Die abschließende Lehreinheit 3 (2 Sitzungen; Thomas Hilberer) zeigte den Studierenden mittels einer Einführung in HTML Möglichkeiten des Publizierens im Internet. Ein virtueller Semesterapparat mit Unterlagen zu allen Modulen wurde bereitgestellt.
    Wer einen benoteten Schein erwerben wollte, musste eine praktische Prüfung (Recherche) ablegen sowie zwei Hausaufgaben (MS-Office, HTML) bearbeiten. Seit dem gegenwärtigen Wintersemester 2004/05 ist es darüber hinaus möglich, auch durch Teilnahme an einzelnen Schulungsangeboten aus dem umfangreichen Programm der Fakultätsbibliothek bei Absolvierung entsprechender Leistungsnachweise Punkte (credits) für die B.A.-Studiengänge zu erwerben.
    Die Übung versteht sich als eine Art Propädeutikum für mögliche Anwendungen des Computers in den philologischen Wissenschaften. Vor allem soll damit das Angebot an sogenannten Basisqualifikationen für kommende Absolventen der neuen Bachelor-Studiengänge verbessert werden. Dass beides geglückt ist, zeigen sowohl die rege Teilnahme als auch die insgesamt ausgesprochen positiven Bewertungen am Ende des Kurses (via Evaluations-Fragebogen). Deshalb wird die Übung zukünftig wiederholt angeboten werden. Nähere Informationen siehe http://www.uni-tuebingen.de/fb-neuphil/bib/schulung.html

    Kontakt: M. Holl, Tel. 29 - 74335, matthias.holl@uni-tuebingen.de, T. Hilberer, Tel. 29 - 74325, thomas.hilberer@uni-tuebingen.de



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    Ehrenamt in Bibliotheken : Eine Glosse und Überlegungen

    Jürgen Plieninger, Institut für Politikwissenschaft, Bibliothek

    2050 Tübingen. Die ehrenamtlichen Lehrkräfte der Universität erwägen, in Streik zu treten. Wie die GdE, die Gewerkschaft der Ehrenamtlichen, mitteilte, sei mit den Plänen der Landesregierung, auch den ordentlichen Honorarprofessoren nun noch die Aufwandsentschädigungen zu streichen, das Ende der Fahnenstange erreicht. Die Gewerkschaft wies darauf hin, dass man bei den Sparplänen auch die einzige Gruppe von bezahlten Beschäftigten der Universität, die Dekanatsassistenten, Prüfungsamtsleiter und Geschäftsführer der Institute mit einbeziehen müsse. Darauf erwiderte ein Sprecher dieser Gruppe, er könne nur davor warnen, dem Sozialneid noch mehr Nahrung zu geben. Die Arbeit an diesen Stellen müsse professionell erledigt werden, während alle anderen Arbeiten seit Jahrzehnten ehrenamtlich erledigt würden.
    Währenddessen weist das Institut für Ethnologie darauf hin, dass es in früheren Zeiten keineswegs üblich war, unentgeltlich zu arbeiten. Das Institut wies sich als Trendsetter in dieser Beziehung aus, beispielsweise habe man bereits zu Anfang des Jahrhunderts die Institutsbibliothek mit Ehrenamtlichen verwaltet, was damals kaum üblich war. Man habe damals mit Hilfe von unentgeltlich arbeitenden Studierenden die Öffnungszeiten der Bibliothek aufrecht erhalten können. Nach und nach sei dieses Modell in der ganzen Universität zuerst von anderen Bibliotheken und dann von anderen Bereichen der Universität übernommen worden. Ebenso wies auch der Universitätsrat der Universität darauf hin, dass er als Gremium schon von Anfang an ehrenamtlich gearbeitet habe und somit ebenfalls als Trendsetter bezeichnet werden könne.

    Ist diese Glosse eine ernst zu nehmende futurologische Perspektive oder eine Satire auf die Gegenwart? Jedenfalls deutet der letzte Absatz darauf hin, dass - über das Paradebeispiel der UB hinaus - die Frage der Abgrenzung professioneller von ehrenamtlicher Beschäftigung nicht einfach ist. Wenn man die Frage aus gewerkschaftlicher Perspektive sieht, so ist die Antwort einfach: Notwendige Arbeit muss bezahlt werden, wofür Dauerstellen eingerichtet werden müssen. Aus Arbeitgebersicht - und das ist eben zunehmend auch die Sicht der Institute - ist es unter den Rahmenbedingungen knapper werdender Haushaltsmittel und sinkender Stellenzahl attraktiv, gewohnte Standards nicht aufgeben zu müssen, sondern mit Hilfe von außen aufrecht erhalten zu können. Auf der Ebene des Geldes ist es ja bereits längst verbreitet, dass man nicht nur von den Etatmitteln lebt, sondern auf Mittel von außen, eben "Drittmittel" rekurriert. Warum soll man dann nicht auf eine Währung anderer Art, eben den Import freiwilliger Arbeit zurückgreifen können? Die Widerstände zeigen, dass hier doch eine andere Qualität gegeben ist als beim reinen Transfer von Investitionsmitteln von außen.

    Es handelt sich also um die Frage der Grenze zwischen professioneller und ehrenamtlicher Arbeit. Was sind die Vor- und Rahmenbedingungen, um ehrenamtliche Kräfte einzusetzen? Wo sind in der bisherigen Situation blinde Flecken, die es zu bedenken gilt?

    1. Ehrenamt als Jobkiller
    Ganze Bibliotheken werden ehrenamtlich betrieben, wie z.B. manche Krankenhaus- oder kommunale Bibliothek. Wird diese Tendenz nicht nach und nach auch auf den Sektor der wissenschaftlichen Bibliotheken übergreifen? Nun, wir haben an manchen Bibliotheken bereits ehrenamtliche Arbeit, wenn beispielsweise Studierende die Aufsicht ehrenamtlich übernehmen, um überhaupt erträgliche Öffnungszeiten zu garantieren.

    Allerdings: Wo dies stattfindet, auch in den betroffenen kommunalen und anderen Bibliotheken, wird niemand dies als den Königsweg der Bibliotheksverwaltung bezeichnen wollen, sondern es stets als Notlösung sehen. Es sind zudem keine Heerscharen von Freiwilligen, die bereit stehen, die Arbeit von Festangestellten zu übernehmen, im Gegenteil, es ist ein mühsames Geschäft, sie zu werben, einzulernen, zu organisieren und bei der Stange zu halten. Insofern sollte man die Kirche im Dorf lassen und nicht befürchten, dass der Untergang des Abendlandes bevorsteht.

    2. Ehrenamt als Ersatz professioneller Arbeit
    Die Leistungsfähigkeit von Wirtschaft und Verwaltung hängt von professioneller Arbeit ab. Professionelle Kräfte lassen sich nicht leicht ersetzen, weder in der Wissenschaft noch sonst wo. Wenn wieder einmal davon die Rede ist, dass man berufsunfähige Lehrer/innen doch in Bibliotheken einsetzen könne, dann ist das nicht ein Zeugnis der Tatsache, dass die Arbeit von Bibliothekarinnen und Bibliothekaren leichter zu ersetzen wäre als in anderen Berufsfeldern, sondern vielmehr der Geringschätzung der Arbeit und der Leistung von Bibliothekaren. Wer schon einmal als Eltern erlebt hat, wie schwer es in einem Kindergarten oder einer Schule ist, wenn die Putzkräfte durch ehrenamtliche Elternputzdienste ersetzt werden sollen (und man später dann wieder auf professionelle Lösungen umschwenkt), der kann abschätzen, wie wenig es bei höher qualifizierten Berufen möglich ist, professionell erbrachte Leistung zu ersetzen. Wo also bestimmte Dienste zuverlässig über eine längere Zeit hinweg in höherer Qualität erbracht werden müssen, ist kein Platz für Lösungen, welche auf ehrenamtliche Arbeit setzen.

    3. Ehrenamt in der Praxis
    Es wurde oben bereits angesprochen: Wer auch immer in der Konzeption auf einen breiteren Einsatz ehrenamtlicher Kräfte setzt, der muss sich eingehend Gedanken über Werbung, Schulung und Motivation machen. Ehrenamtliche Kräfte sind eben nicht leicht für alle Tätigkeiten zu bekommen. Ein Beispiel aus einer Krankenhausbibliothek: Es ist immer leicht, Kräfte zu werben, die mit dem Bücherwagen über die Stationen gehen und ausleihen. Dagegen ist es schwierig, dauerhaft jemand zu bekommen, welche/r die Verwaltungstätigkeiten erledigt. Scheinbar ist das Bild der Tätigkeit eng mit dem Kontakt mit den Kranken, dem Gespräch und der Vermittlung von adäquater Literatur verbunden. Bücherkärtchen ordnen, wieder in die Bücher zurückstecken, fehlenden Büchern hinterher telefonieren, - all das hat anscheinend wenig mit der Motivation, in einer Krankenhausbibliothek zu arbeiten, zu tun.

    Wenn wir das bisher Gesagte auf die Fakultäts- und Institutsbibliotheken übertragen wollen, dann lässt sich vielleicht folgendes sagen:

    • die Motivation von Menschen, ehrenamtlich tätig zu werden, hängt eng mit ihrer Nähe zur Bedarfssituation zusammen. So hat man beispielsweise eher Chancen, Studierende als freiwillige Bibliotheksaufsichten zu gewinnen, wenn die Notlage, z.B. bei Öffnungszeiten, evident ist. Ein weiteres Beispiel wären Menschen mit einer besonderen Qualifikation, welche für Extraaktionen gewonnen werden könnten. Bei den Öffentlichen Bibliotheken wären das beispielsweise Sponsoring-Aktivitäten, besondere Förderungsmaßnahmen (Vorlesen) oder Veranstaltungen. Und was wären denkbare und attraktive Betätigungsfelder in wissenschaftlichen Bibliotheken?


    • Denjenigen, welche öffentlich und vielleicht auch in den Einrichtungen den Einsatz von Ehrenamtlichen leichter Hand propagieren, ist nicht so klar, dass damit auch nicht gering zu schätzender Aufwand verbunden ist, den Einsatz von Ehrenamtlichen richtig zu organisieren. Neben der richtigen Werbung (z.B. beim Förderverein des Instituts) ist eine gute Einführung, transparente Organisation, fortgesetzte Motivation vonnöten. Und nicht zuletzt: Man muss den Ehrenamtlichen auch Raum geben, wozu nicht eine Ecke von einem Arbeitsplatz gehört, sondern unter Umständen ein ganzer, vollwertiger Arbeitsplatz. Wo sich Bibliothekarin und Hiwis bisher schon mehr schlecht als recht einen Raum teilen, wird es schwierig, auch noch Ehrenamtliche zu integrieren. Wer längerfristig und verantwortlich mit dem Ehrenamt in der Arbeitsorganisation als Ressource umgehen möchte, der/die darf diese Gesichtspunkte nicht außer Acht lassen.


    • Wichtig ist auch der Punkt der Unter- oder Überforderung. So ist es durchaus denkbar, in kleineren Instituten beispielsweise die Bibliotheksaufsicht (teilweise) ehrenamtlich zu besetzen, um die Öffnungszeiten weiter zu gewährleisten oder zu erweitern, in größeren Instituten mit viel Betrieb im Semester ist das weniger denkbar. Hier könnte man eher danach schauen, wo es Tätigkeitsfelder gibt, in denen Ehrenamtliche entweder selbst eingesetzt werden können (z.B. Bücher aufräumen oder leichte Buchreparaturen durchführen) oder Festangestellte in Zeiten geringer Belastung ersetzen können, so dass diese höher qualifizierte Tätigkeiten ausüben können.


    • Wer länger mit Ehrenamtlichen arbeitet, sollte auch die Geldseite nicht außer Acht lassen: Es ist möglich, ihnen eine Aufwandsentschädigung zu geben, was für manche durchaus relevant ist. Wen diese Fragen interessieren: Sie sind in einem Beitrag des Buches "Ehrensache?! : Zivilgesellschaftliches Engagement in öffentlichen Bibliotheken" behandelt, welches in der UB unter der Signatur 43 A 15730 zu finden ist.

    Die Diskussion um den Einsatz von Ehrenamtlichen sollte sich von zwei Seiten etwas entideologisieren. Zum einen sollte es gewerkschaftlich Orientierten klar sein, dass nicht alle Tätigkeitsbereiche, welche innerhalb der Universität wünschenswert sind, hauptamtlich und professionell erledigt werden müssen. Weiter sollte klar sein, dass das Ehrenamt aber auch kein Jobkiller ist, wie oft unterschwellig unterstellt wird. Auf der anderen Seite sollten jene, welche schnell mit Beispielen zur Hand sind, in welchen Bereichen noch Ehrenamtliche eingesetzt werden könnten, den Aufwand mit in ihre Rechnung aufnehmen, welchen der sinnvolle Einsatz von Ehrenamtlichen mit sich bringt. - Übrigens werden wir wahrscheinlich ganz schnell an der Universität und in den Bibliotheken demnächst die Diskussion bekommen, ob wir 1-Euro-Kräfte einsetzen wollen. Da liegt die Problematik des Einsatzes übrigens ganz ähnlich, vielleicht ist der Punkt der Motivation hier noch schwieriger zu berücksichtigen als beim Einsatz von Ehrenamtlichen.

    Kontakt: J. Plieninger, Tel. 29 - 761 41, juergen.plieninger@uni-tuebingen.de



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    Drehkreuz Sperre - Arbeiten in der Einflugschneise

    Franka Rössner, UB, Ausleihzentrum

    "Achtung, Achtung, letzter Aufruf für Ihre Reise ins Bücherparadies! Bitte begeben Sie sich umgehend zum Check-In!" Diese Lautsprecherdurchsage ist zwar frei erfunden, ab 9 Uhr am Morgen geht es im Ausleih-Terminal allerdings tatsächlich zu wie an einem internationalen Airport. Mit großem Gepäck überwinden Bildungshungrige aller Herren Länder die erste Hürde: Eine Drehtür, die auch mit Einsatz aller Leibeskräfte nicht bereit ist, an Tempo zuzulegen. Der erste Schwung stolpert, eben noch eilig, nun etwas unsicher in die Halle. "Alles neu hier, wo muss ich" signalisieren aufgeregte Sprechblasen und kreisende Blicke durch die Weiten der Lehrbuchsammlung. Aber dann: Die Augen fokussieren das Fluglotsenpodest und steuern zielstrebig auf die Sperre zu. Wir tragen zwar weder eine adrette Uniform noch prangt ein großes oranges I auf der Stirn, die Sperre liegt jedoch direkt in der Anflugschneise für orientierungslose Gäste. Leider fehlt uns noch das nötige Equipment für die Lotsenarbeit: Blinkende Kellen, mit denen wir den Weg weisen könnten. Hände und Füße müssen in Zeiten knapper Staatskassen herhalten. Wenn es sein muss, auch mit vollem Köpereinsatz, werfen wir uns ins Zeug, damit ein jeder seine Destination erreicht. "Also Sie gehen an mir vorbei, dann rechts durch das Drehkreuz, hinter mir vorbei und biegen dann gleich nach rechts ab", lautet eine der oft wiederholten, richtungsweisenden Auskünfte. Ein bisschen erinnert unser Fitnessprogramm an das Sicherheitsballett von Flugbegleitern. Ebenso unermüdlich und freundlich lächelnd wie unsere Kolleginnen an den Buchungsschaltern gleichen wir auch gerne Begriffe wie rechts und links oder vorne und hinten ab, damit keiner an einer Metallabsperrung scheitern muss. Wenn es doch mal rummst und scheppert, kann es also unmöglich die Schuld der Sperre sein. Auch wollen wir nicht verantwortlich gemacht werden, wenn es demnächst in Tübingen weniger Geburten gibt. Denn die Klapptür, die nur nach innen öffnet, befindet sich nicht, wie die örtliche Zeitung schreibt, in Kniehöhe, sondern AUTSCH!

    Snacks im Handgepäck
    Sind alle Fragen auf dem Vorfeld geklärt und explodierende Kunden gelöscht, steht die Gangway in den Ammerbau bereit. Doch halt, Stopp! Nur weil Frau Iguchi und Team an der längsten Theke der Welt statt Häppchen oder kühlen Cocktails Beratung der Premium-Klasse anbieten, steht es den Reisenden nicht frei, ihren Proviant am Körper mitzuführen. Obwohl die Sperre nicht wie das Sicherheitspersonal am Flughafen über ein Röntgengerät verfügt und wir wenig bis kein Interesse am Abtasten unserer Benutzer haben, entgehen uns weder zerbröselte Schoko-Osterhasen in Handtaschen, Möhrchen im Karteikartenkasten oder der belegte Wecken zwischen Busen und Ordnern. So manch schmierige Köstlichkeit muss in die Gepäckaufbewahrung zurück, ebenso Flaschen undefinierbaren Inhalts. "Wollen Sie mal riechen, ist nur Wasser, kein Wodka!", mit diesen Worten wurde mir eine schimmelige Thermoskanne bereitwillig unter die Nase gehalten. Eine andere Nutzerin begoss unsere liebevoll gepflegten Pflänzchen mit dem Inhalt ihres Tetrapacks. Die Blume lebt noch, es war wohl tatsächlich Wasser!

    Striptease auf dem Laufsteg
    Neben Lebensmitteln werden in den Stauräumen links und rechts der Drehtür Jacken, Mäntel, Schirme und Taschen in allen Farben und Formen gebunkert. Aus dieser Ecke kommt dann auch unsere musikalische Unterhaltung. Die Kreativität und der Musikgeschmack unserer Nutzer spiegelt sich in deren Handy-Melodien wieder. Der zarte Hinweis, dass wir auf Wertsachen nicht aufpassen, scheint Mobiltelefon- wie Portemonnaiebesitzer nicht zu beunruhigen. Fehlt der Ausweis zur Verbuchung, springen Sportliche gerne mal über die Abschrankung. Zurückpfeifen geht nicht, also nutzen wir unsere kräftigen Stimmbänder. Auch um zu verhindern, dass die blau-roten Körbchen husch, husch ins Städtchen wandern. Aufklärungsbedarf bleibt in der Jackenfrage, und da reden wir uns schon mal den Mund fusselig. Dass die Survival-Goretex-Jacke kein Blazer ist, hat schon für so manchen Diskussionsstoff gesorgt. Die Emotionen können da schon mal hoch kochen, so dass der Hinweis, "aber ich friere doch so im Ammerbau" nicht mehr zählt. Modische Errungenschaften der anderen Art, bot uns im vergangenen Sommer einer, der die Urlaubsreise wohl zu wörtlich nahm. Zunächst sah es so aus, als würde nur ein T-Shirt seine Unschuld bedecken. Doch, welch Glück, es war noch eine Badehose darunter! Von unserem Platz hat man einfach die beste Aussicht. Wir müssen nicht nach Mailand oder Paris fliegen, die weite Welt kommt zu uns.

    Der Beitrag erschien bereits in ub-info 2004/12



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    Bibliotheks-Bingo

    Cornelia Freiwald, Petra Ott, UB Bielefeld

    Schlafen Sie manchmal während einer Besprechung, eines Meetings oder einer Versammlung ein? Oder wie ist es mit diesen nicht enden wollenden Konferenzen und den zahllosen Informationsblättern? Wir bieten ihnen die Möglichkeit, auch bei den ödesten Vorträgen, wieder Interesse und Aufmerksamkeit vorzutäuschen: Somit erwecken Sie den Eindruck eines engagierten Mitarbeiters, ihre Vorgesetzten sind begeistert und Sie haben ihren Spaß.

    Regeln:

      Sobald Sie das entsprechende Wort in einer Besprechung hören oder in einer Informationsbroschüre lesen, kreuzen Sie es auf dem vorliegenden Blatt an. Wenn Sie horizontal, vertikal oder diagonal 5 Blöcke in einer Reihe haben, stehen Sie auf und rufen laut : Bingo, Blödsinn oder Bullshit.
      Falls Sie sich das, aufgrund ihrer Stellung nicht leisten können, geben Sie statt dessen Laute der Begeisterung von sich: Bravo, bemerkenswert, brillant o.ä.

    Informations-
    kompetenz
    Service-
    leistung
    zukunfts-
    orientiert
    Globalhaushalt Herausforderung
    innovativ engagiert effizient effektiv ergebnis-
    orientiert
    Arbeitszeit-
    verlängerung
    Stellen-
    streichung
    Verzicht Einsparungen Nullrunde
    Kunde,
    Kunde,
    Kunde
    Vision Arbeits-
    gruppe
    Präsentation Leitbild
    Testphase elektronische
    Medien
    Dienst-
    leistung
    Umstruktu-
    rierung
    Leistung

    Beamte und Angestellte des mittleren Dienstes beschränken sich bitte auf den mittleren waagerechten Block.

    Preise

    1. Sofortige Versetzung in die Zentrale Leihstelle unter Verzicht eines 1/3 des Einkommens.
      (dieser Preis kann nur von Beamten und Angestellten des gehobenen Dienstes entgegengenommen werden).
    2. Sofortige Kündigung mit der Option der Weiterbeschäftigung im beliebten Spät- und Wochenenddienst, natürlich ohne Wochenendzulagen.
    3. Fristlose Kündigung bei vollem Pensionsanspruch.

    Der Text wurde freundlicherweise zur Verfügung gestellt von den beiden Autorinnen Cornelia Freiwald und Petra Ott aus der UB Bielefeld. Schönen Dank!!



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    Verschiedenes




    Neu im Ausleihsystem: Benachrichtigungen über E-Mail

    Seit 06.09.2004 können folgende Benachrichtigungen der UB, die teilweise als Postkarte kostenpflichtig sind, als E-Mail portofrei zugestellt werden: Eingetroffene und bereitgestellte Vormerkungen, eingetroffene und bereitgestellte Fernleihen, Rückrufe, Erinnerungen bei Leihfristende (neu!), 1. und 2. Mahnungen.
    Ihre E-Mail-Adresse tragen Sie bitte selbst ein. Rufen Sie dazu das Ausleihsystem der UB Tübingen auf, klicken den Button "E-Mail-Benachrichtigungen" an und geben Sie den gewünschten Benachrichtigungsweg ein. Bitte lesen Sie dort unbedingt auch die näheren Informationen.
    Ihre Vorteile: Sie bezahlen keinen Portoersatz bei Abholbenachrichtigungen, Sie werden umgehend über eingetroffene Vormerkungen unterrichtet, Sie erhalten für jeden entliehenen Band eine Erinnerung beim Ablauf der Zusatzleihfrist, Rückrufe und Mahnungen erreichen Sie noch am gleichen Tag, Sie können (zu Ihrer Kontrolle) in einer Übersicht alle an Sie abgeschickten E-Mail-Benachrichtigungen der letzten 90 Tage einsehen, Sie können jederzeit Ihre E-Mail-Adresse oder den Benachrichtigungsweg online ändern.


     


    PCs jetzt nur als Katalog nutzbar

    Seitdem der Online-Katalog per Browser komfortabel und diffenziert zu nutzen war, war der alte OPAC-Client obsolet geworden. Wer es in seiner Bibliothek als Nachteil empfindet, dass damit auch alle WWW-Anwendungen per Browser erreichbar sind, hat nun die Möglichkeit, dies abzustellen. Ab Windows 2000 läßt sich mit Hilfe des ZDV (Herr Schmid) der PC so einstellen, dass nur noch der Online-Katalog und einige erwünschte Dienstleistungen der UB den Benutzern offen stehen.


     


    Neue Checklisten verfügbar

    Seit dem letzten Jahr sind etliche Checklisten der Kommission für One-Person Librarians des Berufsverband Information Bibliothek (BIB) erschienen. Unter anderem wurden die Themen Aufbau einer Bibliothek, Aussonderung, Personalmanagement und Umsystematisierung behandelt. Aber sehen Sie selbst!


     


    Suchportal für die Sozialwissenschaften

    Jürgen Plieninger hat seine Angebote zur Hebung der Informationskompetenz ausgeweitet: Bot er bisher mit der PolitologieFAQ ein nach dem "How-to ..."-Prinzip strukturiertes Tutorial für die politikwissenschaftliche Online-Recherche an, so sind jetzt die SozialwissenschaftenFAQ online, ein knappes Tutorial zu Suchstrategien und -techniken und ein Webindex für die verschiedenen Wissenschaften, welcher sich auf das Wesentliche beschränkt. Es wird auch auf Englisch angeboten.



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    © UBT 2005