TBI 27.2005, H. 1


Jg. 27(2005) H. 1



Inhalt

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    Impressum

    Tübinger Bibliotheksinformationen

    Mitteilungsblatt für das Bibliothekssystem der Universität Tübingen, Wilhelmstr. 32, Postfach 26 20, 72016 Tübingen; ISSN 0933-0623

    Herausgeber: Universitätsbibliothek Tübingen

    Redaktion:
    Bettina Fiand (UB) (Tel.: 29-77849)
    Winfried Gebhard (UB/Institut) (Tel.: 29-72847)
    Alexandra Grünberg (UB) (Tel.: 29-72846)
    Jürgen Plieninger (Institut) (Tel.: 29-76141)
    Kerstin Rehm (Institut) (Tel.: 29-74971)
    Armin Rempfer (UB) (Tel.: 29-72578)
    Iris Seel (UB) (Tel.: 29-76064)
    Andrea Staiger (Institut) (in der Familienphase)
    Gabriele Zeller (UB) (Tel.: 29-74030)

    ISSN 0933-0623
    September 2005
    Jg. 27 (2005) H. 1

    Herstellung: Universitätsbibliothek Tübingen

    Erscheinungsweise: halbjährlich

    TBI im Internet: Jürgen Plieninger
    http://www.uni-tuebingen.de/ub/elib/tbi/tbi.htm



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    Editorial

    Liebe Leserinnen und Leser von TBI,

    mit einem Blick zurück nach vorn fängt dieses Heft an: Mit dem Abschied vom Sondersammelgebiet Südasien an der UB Tübingen und dem Neubeginn in Heidelberg. Gabriele Zeller beschreibt die Vergangenheit, in den Beiträgen, welche uns die Heidelberger Kollegen so liebenswürdig haben zukommen lassen, wird die Zukunft des SSG geschildert, eine Zukunft, die im Rahmen des Aufbaus einer Virtuellen Fachbibliothek auch in digitale Bestände reichen wird. Danach folgt ein Blick nach außen, nach Finnland: Herr Xalter bietet uns Bilder von finnischen Bibliotheken und Anstrengung in Sachen Informationskompetenz, ein Thema, das die UB und folglich auch TBI noch länger beschäftigen wird. Als einen kleinen Vorgeschmack bringen wir deshalb gleich im Anschluss die Geschichte der Entstehung der CD "Rettungsring", einem Projekt zweier Praktikantinnen aus der HdM Stuttgart. Danach folgt wieder ein Blick zurück, auf eine Ausstellung zur Geschichte der Buchrestaurierung,Buchrestaurierung, welche Januar bis März und nochmal im September aus Anlaß des bundesweiten Aktionstages am 2. September 2005 (Jahrestag des Brandes Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar) der "Aktion Lesezeichen" im Bonatzbau zu besichtigen war. Es folgt ein erneuter Blick nach außen, nach Bayern, welche die Ausbildung von Bibliotheksreferendaren behandelt. Drei weitere Beiträge behandeln Innensichten Tübinger Bibliotheken: Revision in der UB, eine neue Bereichsbibliothek in der Biologie und - für viele kalter Kaffee - eine Schilderung von Erfahrungen beim Einstieg in die Verbundkatalogisierung. Und zum Schluss unter Verschiedenes wieder ein paar "Schmankerl", von denen die von Studierenden der HdM erstellten bunten Informationen und Vorschläge zum Sparen unserer Meinung nach das Schönste sind.
    Eine Neuerung wollen wir Ihnen nicht vorenthalten: Der Volltextserver der UB, Tobias-lib, bietet seit einiger Zeit die Möglichkeit, sich bestimmte Dokumente auch als Heft oder Buch kostenpflichtig liefern zu lassen. Das letzte Heft ist schon dabei mit dem entsprechenden "Print on demand"-Knopf ausgestattet. Wenn Sie also wieder echte TBI-Hefte in der Hand halten möchten, haben Sie ab jetzt die Option, sich das Heft zusenden zu lassen!
    Wir hoffen, die richtige Mischung für die spätsommerliche, präsemesterielle Lektüre getroffen zu haben und wünschen ungetrübtes Lesevergnügen,

    Ihre TBI-Redaktion



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    Abschied vom Sondersammelgebiet Südasien

    Gabriele Zeller, UB, Fachreferat und Öffentlichkeitsarbeit

    Auf Wunsch der Universität Tübingen hat die UB zum Ende des Jahres 2004 das von ihr über 50 Jahre lang betreute 'Sondersammelgebiet Südasien' (SSG Südasien) an die Deutsche Forschungsgemeinschaft zurückgegeben. In einer öffentlichen Ausschreibung waren daraufhin in Frage kommende Bibliotheken aufgefordert worden, die Weiterführung zu gewährleisten und mit dem Aufbau einer Virtuellen Fachbibliothek zu beginnen.

    Diesem Aufruf folgte nach einigem Hin und Her die Universitätsbibliothek Heidelberg, unter deren Obhut sich seit 2003 auch die große und gut bestückte Bibliothek des Südasieninstituts befindet. Dieses Institut bietet mit 8 Professuren ein Vollstudium (also Haupt- und Nebenfach, bzw. zwei Hauptfächer) zu Südasien an. Dort sind neben den Lehrstühlen 'Klassische Indologie' und 'Moderne Indologie' auch die Historiker, Geographen, Ethnologen und andere vertreten, die Kurse mit dem Schwerpunkt auf Südasien anbieten. So ist - bei aller Wehmut und Unverständnis über den Tübinger Ausstieg - die Entscheidung, das SSG Südasien nach Heidelberg zu verlagern, von der Sache her als die beste Lösung anzusehen.

    Was die Heidelberger nun alles machen, was sie neu angefangen haben - darüber berichten sie in diesem Heft gesondert. Ich aber möchte hier noch einmal den Blick zurück auf über 50 Jahre SSG Südasien an der UB Tübingen werfen.

    Anfänge
    Im Juni 1950 hatte die neugegründete 'Deutsche Forschungsgemeinschaft' (DFG) nach längerem Tauziehen zwischen der Bayerischen Staatsbibliothek, der Westdeutschen Bibliothek in Marburg und der Universitätsbibliothek Tübingen, das ursprünglich avisierte Sondersammelgebiet 'Orientalistik', unter dem so verschiedene Fächer wie die 'Arabistik', die 'Indologie', Sprachen Südostasiens und Ozeaniens' bis hin zur 'Sinologie' und 'Japanologie' zusammengefasst sein sollten, zumindest teilweise in die einzelnen Fachgebiete zerlegt und als Sondersammelgebiete auf verschiedene Bibliotheken verteilt. Dadurch kam, neben dem von vorneherein unangefochtenen SSG Theologie, auch die Sondersammelgebiete 'Vorderer Orient' (SSG 6,23) und 'Indologie' (6,24) sowie 'Assyrologie und Keilschriftwissenschaften' (SSG 6,22) an die UB Tübingen.
    Die Argumente aus Tübingen hatten sich durchgesetzt, mehrere Standortvorteile sprachen für eine Betreuung dieser Fächer durch die Tübinger Bibliothek: So war diese bereits vor dem Krieg von der Vorgängerinstitution der DFG, der 'Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft', in einen vergleichbaren Sammelplan eingebunden gewesen, ebenfalls mit den Fächern Theologie und Orientalistik (inklusive Indologie). Zum zweiten war die UB Tübingen von Kriegsschäden weitgehendst verschont geblieben und hatte bereits im zweiten Nachkriegsjahr den Leihverkehr wieder aufnehmen können. Und zudem konnte sie auf einen guten Altbestand zurückblicken, der - begonnen vom Göttinger Alttestamentler und Orientalisten Heinrich Ewald - im Wesentlichen dem langjährigen Direktorat des Oberbibliothekars und Professors für Indologie Rudolf von Roth zu verdanken ist, der den Bestandsaufbau der Bibliothek zwischen 1856 und 1895 entscheidend geprägt hatte.

    Das Sondersammelgebietsprogramm der DFG
    Das Bibliotheksförderprogramm der DFG und insbesondere die Idee der Sondersammelgebiete wäre eine eigene Abhandlung wert. Hier möchte ich nur einige Grundzüge nennen, die trotz zeitbedingter Anpassung als roter Faden erkennbar bleiben.
    Zum einen geht es grundsätzlich um ausländische und um hoch spezielle Literatur - also um solche Zeitschriften, Bücher und andere Medien, die nicht an jeder Universität zu erwarten sind, selbst dann nicht, wenn das betreffende Fach an der Universität gelehrt wird. Diese sollen jedoch, um eine international erfolgreiche Forschung zu ermöglichen, verlässlich mindestens einmal in Deutschland für die Wissenschaft zur Verfügung stehen. Da Deutschland keine zentrale Nationalbibliothek analog der 'British Library' oder der 'Bibliothèque Nationale' besitzt, war schon früh die Idee entstanden, sogenannte 'Sondersammelgebiete' an verschiedenen großen Bibliotheken einzurichten, die entsprechend ihrer Stärken die ihnen übertragenen Fachgebiete mit Hilfe der DFG zu größtmöglicher Vollständigkeit ausbauen sollten.
    Das zweite Stichwort ist die überregionale Verfügbarkeit, die sich unmittelbar aus dem ersten Punkt ergibt. Die Sondersammelgebietsbibliotheken verpflichten sich, die mit Hilfe der erheblichen Finanzmittel der DFG erworbenen Bestände im überregionalen Leihverkehr zur Verfügung zu stellen.

    Die DFG hat den Sondersammelgebietsplan in sogenannten 'Denkschriften' und 'Richtlinien zur Abgrenzung der Sondersammelgebiete' immer wieder überarbeitet und geschärft, zum ersten mal bereits 1960. Wie sich die Bibliotheksförderung, eingebettet in die Förderung 'Wissenschaftliche Literatur- und Informationsversorgungssysteme', inzwischen darstellt, erfährt man auf der Homepage der DFG unter http://www.dfg.de/forschungsfoerderung/wissenschaftliche_infrastruktur/lis/index.html Wir kehren nun zurück zur UB Tübingen und dem Sondersammelgebiet Indologie.

    SSG Indologie von 1950 bis 1970
    Der Bestandsaufbau der Tübinger Sondersammelgebiete in der ersten Zeit war zunächst geprägt vom Versuch, die Lücken bei den vorhandenen ausländischen Zeitschriften nachträglich zu schließen und wichtige ausländische Monografien zu erwerben. Zunächst geschah dies noch über Anforderungslisten, die man bei der DFG einreichen konnte. Von diesem umständlichen Verfahren kam man jedoch rasch ab und die Bibliothek konnte bereits 1954 Monografien und ab 1957 die sogenannten A-Zeitschriften mit Hilfe eines Verfügungsbetrages direkt erwerben, natürlich unter Beachtung der von der DFG aufgestellten Richtlinien.
    Aus einem Schreiben vom 21.10.1949 erfährt man, dass die orientalistischen Fächer von dem Altphilologen und Bibliotheksrat Dr. Willibald Staudacher (1914 - 1950) mit betreut wurden [ 1 ]. Seit 1952 arbeitete Dr. Emil Kümmerer als wissenschaftliche Hilfskraft in der Bibliothek und wurde 1954 als erster Fachreferent für Orientalistik übernommen. Kümmerer betreute als Arabist alle orientalistischen Sondersammelgebiete - also sowohl 'Sprachen und Kulturen des Vorderen Orient' (SSG 6,23), 'Indologie' (SSG 6,24) und 'Assyrologie und Keilschriftwissenschaften' (SSG 6,22). Ihm zur Seite stand für die Indologie der Vater des oben erwähnten, im Alter von 36 Jahren verstorbenen Altphilologen Staudacher, der Bibliotheks-Oberinspektor i.R. Dr. h.c. Willibald Staudacher (1881 - 1973). Dieser war ein indologischer Autodidakt und half bei der Erschließung der indologischen Bestände bis zu seinem 75. Geburtstag im Jahre 1956 tatkräftig mit. Daneben musste man sich aber häufig an das indologische Seminar wenden, wenn Buchtitel in indischen Originalsprachen und -schriften katalogisiert werden mussten. Die personelle Situation auf allen Ebenen wurde gegen Ende der Fünfziger Jahre immer prekärer, nachdem man durch die von der DFG großzügig bereitgestellten Mittel immer umfassender in allen orientalistischen Fächern Bücher und Zeitschriften erwerben konnte. Eine von der DFG in Auftrag gegebene 'Denkschrift zur Lage der Orientalistik'[ 2 ] zeigte jedoch rasch Wirkung. Es wurden - wie empfohlen -in den beiden großen Staatsbibliotheken in München und West-Berlin Orientabteilungen eingerichtet und auch für die anderen Bibliotheken mit orientalistischen Beständen, darunter Tübingen, kommt man den Empfehlungen von Seiten der Unterhaltsträger insofern nach, als weitere einschlägig ausgebildete Fachreferentenstellen eingerichtet werden und darüber hinaus zusätzliches Personal in den Bearbeitungsabteilungen bewilligt wird.
    Tübingen erhält 1960 neben einer ganztägigen Schreibkraft eine Diplom-Bibliothekarin speziell zur Bearbeitung der Orientalia in der Titelaufnahme. Im Jahresbericht 1958/59 kündigt der neue Direktor der Bibliothek, Walter Gebhardt an, dass wohl bald eine zweite Referentenstelle mit einem Indologen besetzt werden kann. 1961 wird dann aber eine Bibliotheksassessorin eingestellt, die nicht Indologin, sondern Iranistin ist und den Bereich Iranistik und Islamkunde innerhalb des Sondersammelgebiets 'Vorderer Orient' übernimmt. Für das Sondersammelgebiet Indologie behilft man sich weiterhin und immer stärker mit Hilfskräften.

    SSG Südasien von 1970 bis 1990
    In den Siebziger Jahren hat sich der Bedarf an Literatur aus und über Südasien stark verändert, immer mehr gerieten die modernen Sprachen Indiens in den Blickpunkt, die Wissenschaft beschäftigte sich zunehmend auch mit den kleineren Ländern Südasiens und interdisziplinären Fragestellungen. Die DFG reagierte darauf indem sie in einer neuen Denkschrift die orientalistischen Sondersammelgebiete als sogenannte 'Regionale Sondersammelgebiete' definierte, in denen in breitem Umfang nicht mehr nur Texte und Grammatiken der Sprachen und Literaturen, sondern länderkundliches Material aus fast allen Wissenschaftsgebieten, sofern es speziell die betreffende Region betraf, gesammelt werden sollte. Das Sondersammelgebiet 'Indologie' wurde folgerichtig bald auch in 'Sondersammelgebiet Südasien' umgetauft, um auch nach außen hin die veränderte Stoßrichtung deutlich zu machen. Personell ging dieser inhaltliche Aufbruch einher mit der erstmaligen Besetzung einer wissenschaftlichen Bibliothekarstelle durch einen Indologen.
    Dr. George Baumann, ein Absolvent des 1962 gegründeten Südasieninstituts in Heidelberg, war Mitte 1973 als wissenschaftlicher Angestellter für die Betreuung des SSG Indologie angestellt worden. Nach Absolvierung seines Bibliotheksreferendariats wurde er 1975 der dritte Fachreferent im "Orient", wie die eher virtuell denn faktisch vorhandene Orientabteilung unter Leitung von Dr. Kümmerer genannt wurde. Doch schon bald zeigte sich, dass auch dies nicht ausreichte, wollte man der zahlenmäßigen Fülle der indischen und indologischen Veröffentlichungen und der Vielfalt der Sprachen des indischen Subkontinents Rechnung tragen. Schon 1978 stieß Dr. Karl-Heinz Grüßner hinzu, ein Linguist und Spezialist für südindische Sprachen sowie Kenner einiger indischer Stammessprachen.
    Während der Siebziger Jahre wuchsen die Erwerbungen im Sondersammelgebiet Südasien stark an. Bald wurde ein 'blanket order'-Abkommen für die englischsprachige wissenschaftliche Literatur Indiens mit einem indischen Lieferanten abgeschlossen. Die Referenten kümmerten sich nun vor allem auch um die Erwerbung von Literatur in den indischen Regionalsprachen, denn erstmals konnte diese Literatur im Haus auch ohne fremde Hilfe weiter verarbeitet werden. Auf Einkaufsreisen konnten die beiden Referenten auch solche Literatur erreichen, die nicht über den Buchhandel zu bekommen war. Gleichzeitig wurden Kontakte zu Buchhändlern und Institutionen in der Region geknüpft, die letztendlich ausschlaggebend für ein immer besseres Funktionieren der Belieferung waren. Eine weitere wichtige Aufgabe der Referenten war für lange Zeit die Lückenergänzung wissenschaftlicher ausländischer Literatur aus den Vorkriegs-, Kriegs- und ersten Nachkriegsjahren.
    In der Bibliothek waren alle Abteilungen vom Aufschwung der orientalistischen Sondersammelgebiete betroffen (auch im SSG Vorderer Orient hatte es weitere personelle Verstärkung gegeben), angefangen von der Poststelle über die Buch- und Zeitschriftenakzession hin zur Titelaufnahme und Fernleihe. Teilweise hatte es auch dort personelle Aufstockungen gegeben, um den Mengen des zu verarbeitenden Materials gerecht zu werden. Die Idee einer Orientabteilung mit eigenem Geschäftsgang und eigenem Personal war eine Weile verfolgt worden und es gab außer den fünf Fachreferenten zwei Personen zur Vorakzession und zum Ausschreiben der Bestellungen. Zur Unterstützung der Fachreferenten in der Transliterierung von Titeln in den indischen Regionalsprachen gab es auch immer wieder Hilfskräfte, grundsätzlich blieb die Katalogisierung der SSG Bestände jedoch in der Abteilung Titelaufnahme angesiedelt.

    SSG Südasien von 1990 bis Ende 2004
    Bis Ende der Achtziger Jahre konnten die Erwerbungen für das SSG auf hohem Niveau gehalten werden, die Bearbeitung hinkte zwar teilweise hinterher, es konnten aber immer wieder Projektmittel für die Bearbeitung einzelner Bestände eingeworben werden. Auch wurde im Oktober 1989 mit der Autorin dieses Rückblicks eine weitere indologisch ausgebildete Person auf eine frei gewordene Fachreferentenstelle eingestellt.
    Gleichzeitig nahm aber das Unbehagen über die starke Konzentration der Bibliothek auf die arbeitsintensiven orientalistischen Sondersammelgebiete seitens der Bibliotheksleitung zu. Der Zwiespalt einer Universitätsbibliothek, die einerseits ihr universitäres Klientel versorgen muss und andererseits mit den Sondersammelgebieten weitreichende überregionale Funktionen wahrnimmt wurde immer schmerzhafter empfunden, vor allem im Bereich des Personals, für das es - abgesehen von punktuellen und zeitlich befristeten Projekten - keinerlei Kompensation seitens der DFG gab. Zunächst reagierte man darauf, indem die Fachreferenten der orientalistischen SSGe jeweils noch eines oder mehrere Fächer außerhalb des SSG sowie ssg-unabhängige Verwaltungsaufgaben übernahmen. Eine kurzfristige Entlastung in den Bearbeitungsabteilungen brachte die aus politischen Gründen erzwungene Abgabe des SSG Vorderer Orient / Nordafrika, das ab 1997 von der Universitätsbibliothek Halle weiter geführt wurde.
    Ferner verzichtete man nach und nach bei den Anträgen an die DFG auf eine eigentlich notwendige prozentuale Erhöhung der Erwerbungsmittel für das Folgejahr, um einerseits den eigenen Etat zu schonen - pro angeforderter DM (Euro) mußten 0,25 Pfennig (Cent) aus Landesmitteln dazu gegeben werden - und andererseits um die Belastungen beim Personal in den Abteilungen nicht weiter steigen zu lassen.
    Dank Straffungen beim Erwerbungsprofil bei der englischsprachigen länderkundlichen Sekundärliteratur sowie dem Einsatz von digitalen Fremdleistungen konnte bis zuletzt ein hohes Niveau beim Bestandsaufbau und -bearbeitung aufrecht erhalten werden, wie die weiterhin sehr positiven Erfüllungsquoten der Fernleihbestellungen bestätigen - auch nach ersatzlosem Wegfall einer Fachreferentenstelle nach der Pensionierung von Dr. Baumann Mitte 2001. Allein, die seit Ende der Neunziger Jahre immer dringender anstehenden Neuerungen in Bezug auf eine aktivere fachliche Informationsvermittlung (Stichwort: Virtuelle Fachbibliothek) konnten in einem solchen Klima der Personalknappheit und allgemeiner 'Orient-Müdigkeit' seitens der Bibliotheks- und Universitätsleitung nicht in Angriff genommen werden.
    Mit einer von allen Seiten - vor allem aber der Universitätsleitung als Unterhaltsträgerin - positiveren Einstellung zu dieser auf dem europäischen Festland einmaligen, über 150 Jahre hinweg gewachsenen Sammlung an indologischer Primär- und Sekundärliteratur, hätte man diese durchaus auch als 'Pluspunkt' der Universität, anstatt als 'Klotz am Bein' verbuchen können und sich aller Ressourcenknappheit zum Trotz den neuen Aufgaben stellen können. So war es aber nur folgerichtig, dass man sich angesichts einer erneuten "Sparrunde" 2003 dazu entschloss, das SSG Südasien zum Ende 2004 an die DFG zurück zu geben.
    Die Fortsetzung folgt nun in Heidelberg und ich wünsche den Kolleginnen und Kollegen des Südasien-Instituts und der UB Heidelberg, dass sie ihre neuen Vorhaben ebenso, wie die alltägliche Arbeit des Bestandsaufbaus und der -erschließung in einem positiven Klima umsetzen können und dass das Sondersammelgebiet mit seinen neuen und alten Angeboten mehr als bisher im Bewusstsein der Fachwissenschaftler präsent sein möge.

    Kontakt: G. Zeller, Tel. 29 - 74030, gabriele.zeller@ub.uni-tuebingen.de

    Fußnoten:
    [ 1 ]
    UAT 167/217 Schreiben vom Bibliotheksdirektor Hoffmann an das Kultusministerium
    [ 2 ]
    Denkschrift zur Lage der Orientalistik / im Auftr. d. Deutschen Forschungsgemeinschaft u. in Zsarb. m. zahlr. Fachgelehrten hrsg. von Adam Falkenstein. - Wiesbaden, 1960. - (Denkschrift zur Lage der Deutschen Wissenschaft;6)



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    Neues Sondersammelgebiet am Südasien-Institut [ 1 ]

    Eleonore Schmitt, Bibliothek des Südasien-Instituts, Heidelberg

    Seit dem 1. Januar wird das von der DFG geförderte Sondersammelgebiet (SSG) 6.24 "Südasien" von der Bibliothek des Südasien-Instituts betreut. Das neue Sondersammelgebiet wird gemeinsam von der Universitätsbibliothek und dem Südasien-Institut getragen. Für die Universitätsbibliothek ist das, neben den fachlichen SSG Ägyptologie, Klassische Archäologie, Mittlere sowie Neuere Kunstgeschichte und Kunstwissenschaft/Allgemeines, das vierte SSG. Mit der Übernahme des SSG beginnt auch der Aufbau einer zugehörigen Virtuellen Fachbibliothek.

    Was gehört zu diesem SSG?
    Die DFG fördert unter dem Dach der überregionalen Literaturversorgung verschiedene Sondersammelgebietsbibliotheken. "Neben fachlichen Sammelschwerpunkten gibt es auch regionale Sammelschwerpunkte, die Veröffentlichungen zu einem Land bzw. einer Region sammeln (z. B. Niederlande oder Südasien). Dabei gilt für das Verhältnis zwischen fachlichen und regionalen Sammelschwerpunkten, dass die inhaltlichen Grenzen eines regionalen Sammelschwerpunktes um so weiter gezogen sind, je weiter die betreffende Region räumlich bzw. kulturell von Mitteleuropa entfernt liegt" (http://webis.sub.uni-hamburg.de/ssg/regionen/main.html). Bangladesch, Bhutan, Indien, Malediven, Nepal, Pakistan, Sri Lanka werden zur Region gerechnet. Inhaltliche Schwerpunkte der Sammlung liegen in den Bereichen Sprache und Literatur, Geschichte, Politik und Verwaltung, Länder- und Völkerkunde, Kunst, Bildungswesen, Informationswesen, Religion und Philosophie. Die Bereiche Naturwissenschaften, Life Sciences, Recht und Wirtschaft werden nur insoweit abgedeckt, als ein Bezug zu einheimischen Traditionen hergestellt wird. Eingeschränkt gehört außerdem Tibet dazu. Hierzu umfasst der Sammelauftrag vor allem Sprache, Literatur, Religion, Volkskunde und Geschichte vor 1950.

    Wie kam das SSG nach Heidelberg?
    Bis Ende Dezember 2004 wurde das SSG von der Universitätsbibliothek Tübingen betreut. Die dort vorhandenen rund 250.000 Bände und 2.200 Zeitschriften und alle Serviceangebote werden den Benutzern auch weiterhin zur Verfügung stehen (http://www.ub.uni-tuebingen.de/pro/fach/ssgsued/ssgsued.php)
    Nachdem die Universität Tübingen beschlossen hatte, das SSG nicht weiter an der eigenen UB betreuen zu lassen, schrieb die DFG, verbunden mit der Einrichtung einer Virtuellen Fachbibliothek, dieses im März aus. Im Südasien-Institut war man sich schnell klar, dass hier der geeignete Ort sei. Nach intensiven Überlegungen, welche Grundlage geschaffen werden müsste, um das SSG gut betreuen zu können, wurde unter maßgeblicher Leitung und Beteiligung von Dr. Achim Bonte ein Antrag gestellt. Um die Antragstellung überhaupt zu ermöglichen, hatten sich SAI, UB und Universitätsleitung zusammengesetzt.
    Dabei wurde hauptsächlich eine Aufstockung der personellen Ausstattung der Bibliothek vereinbart. Im Oktober stellten schließlich der Leitende Direktor der UB, Dr. Veit Probst, und als Vertreterin des Direktoriums des Südasien-Instituts, Prof. Dr. Gita Dharampal-Frick, das Projekt dem Bibliotheksausschuss der DFG in Bonn vor. Schon bald danach signalisierte die DFG, dass das SSG nach Heidelberg kommen würde - und sofort wurden erste Schritte unternommen.
    Eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Mitarbeitern des SAI, dessen Bibliothek und der UB erstellte einen Arbeitsplan.

    Was haben wir vor? Was haben wir bereits gemacht?
    Für die Bibliothek des Südasien-Instituts sind mit der Übernahme des SSG umfangreiche Veränderungen in allen Arbeitsbereichen verbunden. Doch auch für die UB bringt dieses Projekt eine neue Dimension und Qualität in der Zusammenarbeit im Bibliothekssystem mit sich. An vielen Stellen müssen die Geschäftsgänge aneinander angepasst werden [ 2 ], damit die reibungslose Übergabe oder Zusammenarbeit klappt. Daher hat die DFG eine zweijährige Projektphase mit zusätzlichen Personal- und Sachmitteln zur Implementierung gewährt.
    Völlig neu organisiert werden müssen in der Bibliothek des SAI nicht nur alle Geschäftsgänge der Erwerbung, Buchbearbeitung und Sacherschließung, sondern auch die Ausleihe mit Fernleihe und Dokumentlieferung.
    Sacherschließung
    Seit Januar werden alle Medien nach den RSWK erschlossen. Bisher basierte die Sacherschließung auf einem im SAI entwickelten Thesaurus. Dieses System wurde aber nirgends sonst angewendet; außerdem sind die Schlagwörter im Lokalsatz untergebracht und so zwar in HEIDI, aber nicht überregional suchbar. Alles zusammen machte den Wechsel zu den RSWK notwendig.
    Ausleihe
    Seit Mitte März können die Bestände des SAI nicht nur vor Ort entliehen werden, sondern sind an alle Ausleihstellen und in den Lesesaal der UB bestellbar. Der Status der in HEIDI elektronisch nachgewiesenen Bestände, ist dort jederzeit einsehbar, die Bücher sind aus HEIDI heraus bestellbar. Jeder, der aus den Beständen der Bibliothek des SAI ausleihen will, muss als Nutzer bei der UB angemeldet sein. Es gelten zugleich auch die gleichen Benutzungsbedingungen wie in der UB.
    Fernleihe / Dokumentlieferung
    Da zur Zielgruppe eines SSG besonders auch die Interessenten von außerhalb zählen, muss das Angebot von Fernleihe und Dokumentlieferung wesentlich umfänglicher werden. Bislang wurde auf die Bestände des SAI nur im Ausnahmefall zurückgegriffen, doch jetzt wird diese Bibliothek die erste Adresse für Material aus und zu Südasien sein. Die direkte Lieferung von Aufsätzen und Büchern wird zunächst im Rahmen von SSG-S (http://www.ub.uni-heidelberg.de/helios/ssgs/Welcome.html), später über "subito" erfolgen.
    Neuerwerbungslisten, Anschaffungsvorschläge
    Nicht ganz neu, aber neu strukturiert, sind monatliche Neuerwerbungslisten, die per Mail abonniert, Anschaffungsvorschläge, die elektronisch, Volltexte, die elektronisch eingesehen oder publiziert werden können (Kontakt:Nicole Merkel, Tel.: 06221-548927; EMail:merkel@sai.uni-heidelberg.de).
    Aufsatzerschießung
    Bald sollen auch Zeitschriftenaufsätze über die Aufsatzdatenbank "OLC-SSG Südasien" recherchierbar werden, und der OPAC wird durch ToCs angereichert werden. Andere Dienstleistungen werden folgen, besonders im Rahmen der Virtuellen Fachbibliothek.
    Virtuelle Fachbibliothek
    Neben den bereits bestehenden regionalen Virtuellen Fachbibliotheken, wie z.B. der "Virtual Library of Anglo-American Culture", der "vifaOst", "cibera" oder "menalib" wird auch die virtuelle Fachbibliothek Südasien unter dem Dach von "vascoda" (http://www.vascoda.de) zu erreichen sein. Sie soll zum maßgeblichen Informationsportal für die Südasienforschung in Deutschland werden: Neben den einschlägigen Bibliothekskatalogen - für die SSG-Bestände mit Dokumentlieferung - werden z.B. Online-Contents-Dienste für Zeitschriften (OLC-SSG), Neuerwerbungslisten des SSG und gescannte Inhaltsverzeichnisse von Aufsatzsammlungen (an die Katalogisate im Verbundkatalog angebunden) angeboten.
    Weiterer Kernpunkt dieser Bibliothek sind die qualitativ bewerteten Internetressourcen, die in den kommenden zwei bis drei Jahren der Projektphase zu allen für das SSG relevanten Themen zusammengetragen werden. Diese gilt es dann aktuell zu halten und fortlaufend zu ergänzen.
    Auf dem Volltextserver der UB besteht unter "HeiDok-SSG Südasien" (http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/volltextserver/portal/sa) die Möglichkeit, elektronische Dokumente zu publizieren - sie werden hier nicht nur dauerhaft archiviert, sondern auch bibliothekarisch erschlossen und so auch über die traditionellen Wege auffindbar.

    Personell wurde das Bibliotheksteam am 1. Januar durch Dipl.-Bibl. Dorothee Becker, M.A., am 16. Februar durch Dipl.-Bibl. Alexander Weimar und Thomas Vogel,M.A. sowie ab 1. März durch Robby Geyer, M.A. verstärkt. Nicole Merkel, M.A., die bisher in der Medienbearbeitung tätig war, übernimmt neben Dr. Sonja Stark-Wild und Dr. Eleonore Schmitt Fachreferate und Leitungsaufgaben. In der UB wird demnächst ein zusätzlicher Informatiker mitarbeiten, denn die Abteilung IT ist neben der Benutzungsabteilung und der Sachkatalogisierung die Abteilung der UB, die mit dem neuen SSG besonders viel Arbeit hat.

    Unsere Adressen und Zuständigkeiten:
    Dr. Eleonore Schmitt: Leitung; Fachreferate: Ethnologie, Geographie, Medizin, Naturwissenschaften, Politik, Recht, Technik, Wirtschaftswissenschaften
    Dr. Sonja Stark-Wild: Stellvertretende Leitung; Sacherschließung; Fachreferate Klassische Indologie einschließlich der zugehörigen Aspekte in Film, Fernsehen und Theater, Religion(swissenschaft), Pädagogik, Musik und Tanz
    Nicole Merkel, M.A., M.A. (LIS): Virtuelle Fachbibliothek; Fachreferate Moderne Indologie einschließlich der zugehörigen Aspekte in Film, Fernsehen und Theater, Geschichte, Publizistik, Kunst

    Kontakt: Eleonore Schmitt, Tel. 06221 / 54-8902
    Leiterin der Bibliothek des Südasien-Instituts
    Im Neuenheimer Feld 330 - D-69120 Heidelberg
    http://www.sai.uni-heidelberg.de/abt/BIBLIO/index.html

    Fußnote:
    [ 1 ]
    z.B.. der Medien, die in die Fernleihe gehen oder der Rechnungen zum Bezahlen (die DFG-Mittel werden in der UB verwaltet, die Anteile des SAI weiterhin von der dortigen Geschäftsstelle).

    Der Beitrag erschien ursprünglich in 'Theke aktuell' 12.1 (2005):12-15 und wurde für TBI leicht verändert.



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    Neue Heimstätte für das Sondersammelgebiet Südasien in Heidelberg: Der Aufbau von

    Robby Geyer, UB Heidelberg

    Seit dem 1. Januar 2005 betreut die Bibliothek des Südasien-Instituts (SAI) gemeinsam mit der Universitätsbibliothek das von der DFG geförderte Sondersammelgebiet "Südasien" (SSG). Ganz neu wird "savifa", das deutsche Fachportal zu Südasien aufgebaut.

    Mit ihren 260.000 Medieneinheiten gehört die Bibliothek des SAI bereits heute zu den großen Südasien-Sammlungen. Durch das zuvor von der UB Tübingen betreute SSG "Südasien" wird die SAI-Bibliothek ihr Profil als bedeutende Spezialsammlung weiter schärfen. Dem neuen Sondersammelgebiet "Südasien" kommen dabei die Erfahrungen der UB Heidelberg zu Gute, die bereits mehrere Sondersammelgebiete (Ägyptologie, Archäologie und Kunstgeschichte) erfolgreich betreut. Gemäß dem Konzept der regional studies ist das Sammelprofil auf die Region Südasien ausgerichtet. Diese umfasst die Länder Bangladesh, Bhutan, Indien, Malediven, Nepal, Pakistan und Sri Lanka sowie die Region Tibet. Die Themen der Südasienwissenschaften erstrecken sich von der Indus-Kultur über die Erforschung alter und moderner indischer Sprachen und Literaturen sowie Hinduismus und Buddhismus bis hin zur Konfliktforschung am Beispiel des Kaschmir-Konflikts, um nur einige wenige Forschungsfelder anzureißen.
    Die überregionale Informations- und Literaturversorgung ist das Hauptziel des Sondersammelgebiets. Im Mittelpunkt steht dabei "savifa", das Informationsportal für Südasien. Voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte wird "savifa" mit einem eigenen Internetauftritt vertreten sein, über den dann die verschiedenen Serviceangebote genutzt werden können.
    Zur Zeit ist der Fachinformationsführer Südasien im Aufbau, mit dessen Hilfe gezielt nach Internetressourcen gesucht werden kann. Ein professionelles Qualitätsmanagement garantiert die wissenschaftliche Relevanz der Informationsquellen, die nach bibliothekarischen Standards erschlossen werden. Die Installation einer Metasuchmaschine wird die Recherche für die Benutzer vereinfachen, weil somit gleichzeitig in verschiedenen Bibliothekskatalogen und Datenbanken gesucht werden kann.
    Weiterhin bietet die Virtuelle Fachbibliothek einen Online Contents-Service an. Damit kann gezielt nach Aufsätzen in fachrelevanten Zeitschriften recherchiert werden. Wer dann gleich noch den gesuchten Aufsatz zum Lesen haben möchte, kann ihn über den SSG-Dokumentenlieferdienst direkt an den Arbeitsplatz bestellen. Gerade für auswärtige Interessenten ist dies eine qualitative Verbesserung der Bibliotheksdienstleistungen. Zusätzlich gibt es den Service, monatlich per E-Mail über die Neuerwerbungen informiert zu werden, aber auch selbst über ein HTML-Formular Bücher zur Anschaffung in der Bibliothek vorzuschlagen. Geplant ist außerdem ein regelmäßig erscheinender Newsletter, der die fachbezogene Scientific Community mit wichtigen Informationen versorgen wird. Die Kontinuität des SSG Südasien wird trotz seines Umzugs nach Heidelberg gewahrt. Die SAI-Bibliothek bietet somit - auch virtuell gesehen - beste Voraussetzungen für das wissenschaftliche Arbeiten zu südasiatischen Themen.

    Die vorübergehende Website der Virtuelle Fachbibliothek Südasien ist unter folgendem Link zu erreichen:
    http://www.ub.uni-heidelberg.de/helios/fachinfo/www/suedasien/Welcome.html

    Homepage Virtuelle Fachbibliothek Südasien

    Kontakt: R. Geyer, UB Heidelberg

    Der Beitrag erschien zuerst in: 'Unispiegel' 37.3 (2005) der Universität Heidelberg und wurde für TBI ganz leicht verändert.

    Neueste Meldung aus Heidelberg vom 10. August 2005:
    Sowohl der Online-Contents Dienst als auch der Dokumentschnelllieferdienst ist inzwischen betriebsbereit. Die Datenbank für die Erschließung der Internetquellen (zum Einsatz kommt die kostenfreie DBClear Datenbank, die am IZ in Bonn entwickelt wurde) zieht in den nächsten Tagen vom Server in Bonn nach Heidelberg, d.h. die Testphase ist abgeschlossen. Layout-Anpassungen müssen allerdings noch vorgenommen werden.
    Katalogisiert sind ca. 220 Internetquellen, also vornehmlich Websites aber auch Online-Publikationen. Parallel arbeiten wir an einem Konzept für den Internetauftritt der ViFa und wenn in DBClear mal um die 500 Quellen erfasst sind, wollen wir online gehen. Anvisierter Termin ist Jahresende 2005 oder Anfang 2006.



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    Impressionen aus Finnland

    Eindrücke eines dreiwöchigen Auslandspraktikums in Helsinki, gefördert durch ein Auslandsstipendium von "Bibliothek & Information International"

    Simon Xalter, UB Tübingen, Bibliotheksreferendar


    das finnische Nationalprojekt im Bereich Informationskompetenz

    Inhaltlicher Schwerpunkt des Praktikums: das finnische Nationalprojekt im Bereich Informationskompetenz


    Dreistufiges System zur Implementierung von Informationskompetenz in die neuen Bachelor-/Masterstudiengänge an allen finnischen Universitäten


    Unterkunft im "students' residence" von CIMO (Centre for International Mobility) in Helsinki


    Besuch der Bibliothek der "Swedish School of Economics and Business Administration" (Hanken), Helsinki


    Kurs zur Informationskompetenz für Studierende an der "Undergraduate Library", Helsinki


    "Learning Centre Aleksandria", direkt im Gebäude der Undergraduate Library, mit Anzeige der freien Arbeitsplätze in den jeweiligen Stockwerken


    Seminar zur Informationskompetenz an der Universität von Tampere (ca. 150 km nordwestlich von Helsinki)


    Viikki Science Library (Helsinki)


    Durchgang von der Universitätsbibliothek auf dem Viikki Campus (Helsinki) in die öffentliche Stadtteilbibliothek


    Aralis - Library and Information Centre (University of Art and Design, Helsinki)


    National Library of Health Sciences, Helsinki


    Helsinki University Library - The National Library of Finland


    Library of Parliament (Helsinki) mit einer Fortbildung für BibliothekarInnen im Bereich Informationskompetenz


    Sommerfeier aller BibliothekarInnen an Bibliotheken der Universität Helsinki


    Ausführlicherer Bericht (englisch) über die Erfahrungen in Finnland unter
    http://www.helsinki.fi/kirjastot/verkkari/2005/05/xalter.html

    Kontakt: S. Xalter, Tel. 29 - 77838, simon.xalter@ub.uni-tuebingen.de



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    Projekt "Rettungsring"

    Margit Wünsch und Beate Luik, HdM Stuttgart, Studium

    Im September 2004 sind wir hier angetreten, um im Rahmen unseres Studiums an der Hochschule der Medien einen Eindruck vom praktischen Bibliotheksalltag zu bekommen. Jetzt ein halbes Jahr später können wir auf ein interessantes und ereignisreiches Praxissemester zurückblicken. Wir haben alle Abteilungen besucht, viele Kollegen kennen gelernt und unser Projekt erfolgreich zu Ende geführt!
    Die Bibliotheksarbeit kennen Sie ja schon. Aber haben Sie schon von unserem Projekt gehört? Nein? Dann stellen wir es Ihnen jetzt vor:

    Ziel unseres Projektes war die Erstellung einer Offline-CD für Studienanfänger. Diese CD soll den Tübinger Studenten einen Überblick über die Universitätsbibliothek und ihre Dienstleistungen geben.
    Die CD haben wir mit Hilfe mit der Beschreibungssprache HTML gestaltet.
    Dazu mussten wir uns zuerst in die Materie einarbeiten. Wichtig dabei war uns die Frage: was können wir technisch innerhalb von 6 Monaten leisten ohne große Vorkenntnisse in HTML zu haben?
    Erster inhaltlicher Anhaltspunkt war für uns die CD "UB Starter Kit" der Universitätsbibliothek Freiburg.
    Ein erster Vergleich zwischen der Freiburger CD und dem Internetauftritt der UB Tübingen zeigte uns, dass bereits viele Elemente vorhanden sind.
    Wir haben Teile von der Homepage wie z.B. den virtuellen Rundgang, die Tutorien sowie Textbausteine übernommen und sie den Anforderungen unserer CD angepasst. Darüber hinaus haben wir uns weitere Bausteine überlegt, z.B. ein Bibliothekswörterbuch und den Weg des Buches.
    Unser Ergebnis: der "Rettungsring":

    Die gesammelten Elemente haben wir in 3 große Bereiche aufgeteilt: Bibliothek kennen lernen (Virtuelle Führung, Bibliothekssystem, Weg des Buches, Übersichtspläne,...), Bibliothek benutzen (Informationszentrum, Ausleihe, Lesesaal, ...) und Informationskompetenz (Tutorien, Wörterbuch).
    Vorangestellt haben wir einen Schnellüberblick über die Benutzung namens "Schwimmkurs".
    Kurz eingehen möchten wir auf den "Weg des Buches".
    Dabei haben wir den Geschäftsgang eines Buches nachgezeichnet um den Studenten zu zeigen, wie viel Arbeit nötig ist bis ein Buch ausleihbereit im Regal steht.
    Der logische und übersichtliche Aufbau der CD ist die Grundlage zur schnellen Orientierung. Beachtet haben wir dabei auch eine sinnvolle Vernetzung der einzelnen Seiten untereinander. Eine weitere Navigationshilfe stellen kleine bunte Rettungsringe dar, die jeweils eine spezielle Bedeutung besitzen. So gelangt man z.B. durch einen Klick auf den orangefarbenen Rettungsring immer wieder auf die Übersichtsseite zurück.
    Ein Blick in das Impressum unseres Rettungsringes lohnt sich auf jeden Fall. Dafür haben wir den alten Bandkatalog fotografiert.

    Zum Abschluss möchten wir uns noch bedanken.
    Ohne kontroverse Diskussion, z.B. mit der Projektgruppe "Virtuelle Führung" wäre unser Rettungsring in dieser Form nicht zustande gekommen.
    Damit inhaltlich auch alles seine Richtigkeit hatte, haben die jeweiligen Abteilungen unsere Texte Korrektur gelesen. Maßgeblich daran beteiligt war dabei das Infoteam.
    Vielen Dank!
    Wir hatten eine schöne Zeit in Tübingen.

    M. Wünsch und B. Luik

    Der Beitrag erschien bereits in ub-info 2005/3



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    Bücher verwalten - Kulturgut erhalten

    25 Jahre Buchrestaurierung an der Universitätsbibliothek Tübingen

    (Ausstellung im Bonatzbau vom 21. Januar bis 18. März und 2. bis 23. September 2005)

    Gerd Brinkhus, UB, Fachreferat

    Die Restaurierungswerkstatt der Universitätsbibliothek Tübingen ist Teil eines Gesamtkonzeptes für die Erhaltung von Archiv- und Bibliotheksgut in Bibliotheken und Archiven des Landes Baden Württemberg. Das 1986 verabschiedete Landesrestaurierungsprogramm für Archive und Bibliotheken hat auch einige Wurzeln in Tübingen, und das Institut für Erhaltung von Archiv- und Bibliotheksgut, jetzt Abteilung des Landesarchivs Baden-Württemberg, hat mehr als acht Jahre in fruchtbarer Symbiose mit der Tübinger Werkstatt gelebt und gearbeitet.
    Die Ausstellung stellt die konservatorische Betreuung des Historischen Altbestandes der Universitätsbibliothek in den Mittelpunkt, die zur Zeit Arbeitsschwerpunkt in der Restaurierungswerkstatt ist. Konservatorische Betreuung bedeutet Werterhalt, wobei es weniger um den realen Geldwert als vielmehr um den wissenschaftlichen, historischen und intrinsischen Wert der Einzelobjekte ebenso wie der Ensemble geht, die im Laufe der Jahrhunderte in der Universitätsbibliothek zusammengekommen sind.
    Die Bestandserhaltung und Erschließung gehen Hand in Hand, denn es geht um die Erhaltung von Informationen, die über den Text hinaus in den Büchern vorhanden sind.
    Es ist unmöglich, in der Ausstellung die ganze Problematik der Bestandserhaltung darzustellen. Viele Problemkreise sind nur kurz angesprochen, und es werden Beispiele von erfolgreichen Restaurierungen oder Wege zur Lösung von Problemen gezeigt. Vor allem aber sollen die Vielfältigkeit und auch die Besonderheiten des historischen Bestandes der Universitätsbibliothek vorgestellt werden, ein kaum überschaubares Tätigkeitsfeld für die Restauratorin und ihre gelegentlichen Hilfskräfte für viele weitere Jahrzehnte.
    Ein Vierteljahrhundert ist im Vergleich zur 500-jährigen Geschichte der Bibliothek der Universität Tübingen nur eine relativ kurze Episode, da aber in diesen 25 Jahren wichtige Impulse von Tübingen ausgingen und weil für die Erhaltung des unersetzlichen historischen Altbestandes in diesen 25 Jahren viel getan werden konnte, soll mit dieser Ausstellung an die Einrichtung der Restaurierungswerkstatt im Jahr 1980 erinnert werden.
    1979 bewilligte die Volkswagen-Stiftung im Rahmen des Schwerpunkts "Erfassen, Erschließen, Erhalten von Kulturgut als Aufgabe der Wissenschaft" der Universitätsbibliothek Tübingen 516 000 DM zur völligen Neueinrichtung einer Restaurierungswerkstatt; die Förderung umfasste auch zwei Restauratorenstellen, die auf drei bzw. fünf Jahre befristet waren und dann in den ordentlichen Haushalt übernommen werden sollten. Die Restauratorenstellen konnten 1980 besetzt werden, und neben der Einrichtung der Werkstatt wurden die ersten Restaurierungsarbeiten durchgeführt. Der wissenschaftliche Leiter der Werkstatt, Dr. Gerd Brinkhus, und der Restaurator, Alfred Wellhäuser, wurden nicht müde, die Bedeutung einer fachgerechten konservatorischen und restauratorischen Betreuung für die Erhaltung des unersetzlichen Kulturgutes immer wieder herauszustellen. Gemeinsam mit den Archiven des Landes Baden-Württemberg wurde eine Vorlage erarbeitet, die schließlich 1986 als "Landesrestaurierungsprogramm" im Kabinett verabschiedet wurde und der fachgerechten Betreuung des Kulturgutes in Archiven und Bibliotheken des Landes einen gewaltigen Schub gegeben hat. Kernstück des Landesrestaurierungsprogramms war die Einrichtung des Instituts für Erhaltung von Archiv- und Bibliotheksgut, für das auch bereits im Haushalt 1987 Restauratorenstellen ausgebracht wurden. Da der geplante Umbau der Arsenalkaserne in Ludwigsburg einige Jahre in Anspruch nehmen würde, war es wichtig, möglichst umgehend eine provisorische Werkstatt für die neu einzustellenden Restauratoren einzurichten. Tübingen mit seiner damals sehr modernen von der VW-Stiftung finanzierten Einrichtung bot sich an, weil dort auch für die in den kommenden Jahren neu einzustellenden Restauratoren Platz vorhanden war und weil mit Alfred Wellhäuser ein hervorragender Werkstattleiter zur Verfügung stand. Bibliothek und Universität gingen bereitwillig auf den Vorschlag ein, eine der Landesarchivdirektion zugeordnete Zentrale Einrichtung in Räumen der Universitätsbibliothek unterzubringen, den bibliothekseigenen Restaurator für den Aufbau der Zentralwerkstatt zur Verfügung zu stellen und die eigene Werkstatt zunächst in der zentralen Restaurierungswerkstatt aufgehen zu lassen. Keiner konnte damals ahnen, dass dieses Provisorium, das auf drei Jahre berechnet war, fast acht Jahre dauern würde. Es wurde am Ende schon etwas eng, als zeitweise bis zu zehn Mitarbeiter im "Provisorium Derendingen" tätig waren. Natürlich war es auch kein Schaden für die Universitätsbibliothek, denn es wurden viele Objekte aus dem Tübinger Bestand restauratorisch behandelt. 1995 näherte sich der Umbau in Ludwigsburg dem Abschluss, es erfolgte der Umzug nach Ludwigsburg und die IADA (Internationale Arbeitsgemeinschaft der Archiv-, Bibliotheks- und Graphikrestauratoren) hielt vom 19. bis 23. September 1995 ihren 8. Internationalen Kongress in Tübingen ab, zu dem mehr als 400 Teilnehmer aus aller Welt kamen. Natürlich stieß vor allem die neue Ludwigsburger Werkstatt auf das besondere Interesse der Kongressteilnehmer, aber auch für die nun wieder auf normale Größe "geschrumpfte" Tübinger Werkstatt war dies eine wichtige Veranstaltung, auf der viele Kontakte auf internationaler Ebene erneuert und vertieft werden konnten.
    Ein Erweiterungsbau für die Universitätsbibliothek, der auch Räume für die Restaurierungswerkstatt erhalten sollte, war bereits im Gespräch, als am 31.1.1998 Alfred Wellhäuser in den wohlverdienten Ruhestand ging. Es bedeutete schon einen tiefen Einschnitt, dass der Mann der ersten Stunde und ein wesentlicher Motor der Tübinger Restaurierungswerkstatt nun nicht mehr ständig erreichbar war, auch wenn er weiterhin gerne mit Rat zur Verfügung stand, wenn er gebraucht wurde. Frau Scheiber, die als Nachfolgerin für Herrn Wellhäuser übernommen wurde, hat viele Jahre mit Herrn Wellhäuser in der Restaurierungswerkstatt zusammengearbeitet und viel von ihm gelernt, so dass die Kontinuität der Arbeit voll erhalten geblieben ist. Im April 2002 konnte die Restaurierungswerkstatt aus dem immer bücher- und menschenleerer werdenden Ausweichmagazin Derendingen in die neuen Räumlichkeiten im Ammerbau umziehen. Die Restaurierungswerkstatt ist heute in unmittelbarer Nachbarschaft der Bestände, um deren Erhaltung es geht.
    Von der Fläche her ist die Restaurierungswerkstatt im Ammerbau kleiner als die Räume am Dahlienweg, und es bedurfte einiger Planungs- und Umzugskünste, um alles unterzubringen, was für die unterschiedlichen Arbeiten bei der Konservierung und Restaurierung gebraucht wird.
    Herzstück der Werkstatt ist - wie schon in Derendingen- der Bereich, in dem die restauratorischen Arbeiten "handwerklicher Art" durchgeführt werden, es folgen der "Nassraum", in dem neben dem Chemieabzug und der Wasseraufbereitungsanlage die etwas verkleinerte Beckenanlage zur rationellen Nassbehandlung von Papier, d.h. Reinigung, Entsäuerung und Pufferung steht. Auch der große Wässerungstisch zur Behandlung von überformatigen graphischen Blättern ist hier aufgestellt, ebenso das Anfaserungsgerät, mit dem Fehlstellen in Einzelblättern ergänzt werden können. Im benachbarten Trockenraum sind die Trockengestelle, der große Saugtisch, auf dem Pläne und Karten durch leichten Unterdruck zur Behandlung plan gelegt werden können, und entsprechende Arbeitstische zur Behandlung von Einzelblättern untergebracht. Der Reinraum-Arbeitsplatz, in dem zum Beispiel schimmelbefallene Bände trocken gereinigt werden, steht separat in einem kleinen Raum. Schließlich gibt es noch die Holz- und Metallwerkstatt, in der alle Arbeiten an Holzdeckeln und Schließen durchgeführt werden können.
    Die Konservierung ist eine Maßnahme, bei der der durch nichts zu ersetzende originale Bestand eines Kunstwerks gesichert wird. Mit der Konservierung verbunden sind in der Regel auch vorbeugende Maßnahmen. Konservierungs- und Vorsorgemaßnahmen haben immer absoluten Vorrang, weil durch sie Substanzverluste verhindert werden können.
    Zu den allgemein konservatorischen Maßnahmen bei Büchern und Archivalien zählt z. B. auch die Schutzverfilmung, die es möglich macht, die Benutzungshäufigkeit eines Objektes stark einzuschränken. Zu den konservatorischen Maßnahmen bei Einbänden zählen: Reinigungs- und Pflegearbeiten (Lederpflege, Festigung, Beseitigung früherer Eingriffe, wenn sie substanzgefährdend sind, und das Anfertigen von Kassetten und Schubern. Ziel der Konservierung ist die Bewahrung des originalen Erscheinungsbildes zum Zeitpunkt der Behandlung.
    Restaurieren heißt, einem Objekt die ursprüngliche Festigkeit und Gebrauchsfähigkeit wiederzugeben, wobei die kostbare originale Substanz erhalten werden muss. Eine Restaurierung hat die charakteristischen Alterungsspuren zu erhalten und muss unter Umständen auch im Laufe der Geschichte eingetretene Veränderungen berücksichtigen.
    Zu den restauratorischen Eingriffen bei Einbänden zählen z.B.: Ergänzen von Fehlstellen, Befestigung von losem Einbandmaterial, Festigung von zerbrochenen Holzdeckeln.

    Kontakt: G. Brinkhus, Tel. 29 - 72585, gerd.brinkhus@ub.uni-tuebingen.de

    Der Beitrag erschien bereits in ub-info 2005/1-2



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    Ein Jahr an der Bayerischen Bibliotheksschule

    Joachim Eberhardt, UB Erlangen, Fachreferat

    Liebe Kollegen, einige von Ihnen mögen sich längst gefragt haben, wie es mir denn in München in der Bayerischen Bibliotheksschule ergangen ist. Die Ausgangsbedingungen: Die Schulen in Köln und Frankfurt haben zugemacht, die Bibliotheksschule München sich modernisiert: Als Anbieter von Ausbildung ist man nun überregional tätig und im Konkurrenzkampf mit dem Institut für Bibliothekswesen der Humboldt-Uni.
    Mein Jahrgang wurde als letzter noch nach der alten ZAPO, der Zentralen Ausbildungs- und PrüfungsOrdnung in der Fassung von 1982, behandelt. Die lässt sich, zeigte bald die Erfahrung, nicht so recht vereinbaren mit den "neuen Inhalten". Gemäß der Berufsbilddiskussion für den höheren Dienst der letzten, sagen wir, acht Jahre, sind darunter solche Themen wie "Management", "Informationskompetenzvermittlung", "ViFa" oder "Open Access" zu verstehen. Diese Themen sind an der Schule ganz neu, während die Zeit für das Unterrichtspensum die alte bleibt und die alten Inhalte nur zeitlich gekürzt wurden. Daraus ergeben sich Verzerrungen. Weniger als ein Fünfundzwanzigstel des Unterrichts gilt nunmehr dem 'Alten Buch'. Laut Prüfungsordnung hatten wir darüber eine von 6 Klausuren zu schreiben und 1/7 der mündlichen Prüfung abzulegen. Das heißt rechnerisch: von 4% des Unterrichts hängen knapp 15% der Note ab. Die gleiche Rechnung lässt sich für RAK aufmachen, wo wir ebenfalls eine eigene Klausur schrieben, aber noch weniger Unterricht hatten.

    Plus aus der Praxis
    Das Wesentliche der Lehre in der Bibliotheksschule ist, dass der Unterricht von Leuten "aus der Praxis" erteilt wird, nicht von hauptamtlichen Dozenten. Das ist gut so und einer der großen Pluspunkte. Als einer der Höhepunkte sind die Lehrveranstaltungen zum Urheberrecht von Frau Beger (ZLB Berlin) und zum Erwerbungsrecht von Herrn Müller (MPI Heidelberg) in Erinnerung. (Herr Müller gab als Kern seiner didaktischen Begabung an, er habe mal als Skilehrer gearbeitet, und da müsse man den Leuten was bieten.) Gut war z.B. auch der Unterricht der Kollegen der BSB, die mit Anschauungsmaterial aufwarten konnten, so etwa in der schon erwähnten Buchgeschichte oder in der Öffentlichkeitsarbeit. Und dass wir "Führen und Leiten" durch eine Woche intensives Kommunikationstraining lernen würden, hätte ich nicht erwartet.
    Bei einigen Dozenten hätte man sich mehr didaktische Raffinesse und weniger Powerpoint gewünscht, aber das wird in Frankfurt und Köln nur zu den Zeiten anders gewesen sein, als es noch kein Powerpoint gab...

    Die Perspektive der Großen
    Die Bayerische Bibliotheksschule profitiert in gewisser Weise von der Nähe zur großen BSB. Ebenso gewiss ist, dass der Unterricht darunter auch leidet. Zum Thema Bestandserhaltung etwa hatten wir die Experten der BSB da. Die haben im Jahr 300.000 Euro für bestandserhaltende Maßnahmen (das ist deutlich mehr, als z.B. die UB Stuttgart für Monographienerwerbung ausgeben kann) und ein eigenes Institut für Buchrestaurierung: Wie erhält man den Bestand ohne so viel Geld? - Überhaupt kam die Perspektive einer, sagen wir, mittelgroßen UB ein wenig zu kurz. Die Themen "Kontakt zu den Fakultäten" oder Einschichtigkeit / Zweischichtigkeit und der Umwandlungsprozess wurden nur kurz im Management-Unterricht gestreift. In der Erwerbung nahmen Pflicht und Geschenk mehr Raum als nötig ein, und es wäre auch interessant gewesen, etwas über den Einsatz von Outsourcing oder Approval Plans bei weniger umfassendem Erwerbungsprofil als dem der BSB zu erfahren.
    Eine Anekdote zu den Schizophrenien einer großen Bibliothek. Es gibt ein großes modernes Ausweichmagazin im Münchener Vorort Garching. Dort fanden wir beim Besuch auch einen Raum voll mit Umzugskartons, in denen Buchumschläge lagen. Die kamen aus der Erwerbungsabteilung, wo man der Meinung war, sie seien zu schade zum Wegwerfen. Da aber niemand bisher entschied, was stattdessen damit zu geschehen habe, stehen sie nun einfach so herum - bis an der Welt Ende vermutlich.

    Exkursionen, und was man dort so lernt
    Wir haben uns vom Unterricht auf einigen Exkursionen erholt. Die mehrtägige Kursfahrt ging nach Wien und Bratislava. In Wien sahen wir mit der ÖNB (nur der Wiener vermutet hinter dem Kürzel die Österreichische NationalBank) eine Bibliothek, die sich des Besitzes von 8 Millionen Medieneinheiten rühmt; für diese Zahl muss man jedes Foto einzeln zählen. In Bratislava waren wir zu Gast in der sogenannten Universitätsbibliothek, die aber de facto Aufgaben einer Nationalbibliothek hat und zudem nicht zur Universität Bratislava gehört. Weil die Bibliothek wichtiger war als erwartet, wurden auch wir wichtiger genommen als erwartet und - drei Tage vor der EU-Erweiterung - mit einem vom Slowakischen Kulturministerium gestifteten Essen geehrt!
    Zahlreiche kleinere Exkursionen führten z.B. nach Eichstätt, Regensburg oder Weihenstephan - klingt alles sehr katholisch, gell? Der Höhepunkt war aber für mich die Dombibliothek in Freising im Norden Münchens. Der Leiter erklärte uns, es kämen viele Nutzer, die in den großen Münchener Bibliotheken mit den Computerkatalogen nicht zurecht kämen, was er gut verstünde, er käme auch nicht damit zurecht. Stolz zeigte er uns seinen Zettelkatalog mit etwa 300.000 Nachweisen. Ein Besucher habe zu ihm gesagt: "So lange es in Freising noch einen Zettelkatalog gibt, ist die Welt noch in Ordnung." Das Besondere dieses Katalogs ist, dass er den Bestand nach einheitlichen Regeln nachweist. Dreimal dürfen Sie raten, welches Regelwerk in Frage kommt, wenn man schon seit etwa 1820 damit katalogisiert: die Münchener Katalogisierungsordnung (Vorläufer der Preußischen Instruktionen). Die Sachkatalogisierung geschieht ebenso einheitlich, nämlich nach dem Geschmack des Leiters, "wie wir es eben so brauchen", Begründung: Regelwerke sind zu formalistisch.

    Prüfungen und Platzziffern
    Das Jahr endete mit dem letzten Abschnitt der "Laufbahnprüfung". In Bayern gibt es die Institution der Platzziffer: Ein Zusatzblatt zum Abschlusszeugnis, auf dem steht, der wievielte von wievielen im Kurs man gewesen ist. Für die zighundert Lehrer im Jahr, die das zweite Staatsexamen ablegen, ist die Platzziffer wichtig, weil sie darüber entscheidet, ob sie sich ihre Schule aussuchen können, oder in Posemuckl unterrichten müssen. Aber für die zehn bayerischen Kollegen? Ein Kollege, der seine Stelle schon sicher hatte, ist aufgefordert worden, möglichst schlechte Klausuren zu schreiben, damit im Vergleich die Bayern besser dastünden, die schließlich auf eine gute Platzziffer angewiesen wären. Die Platzziffer spielte dann tatsächlich eine Rolle, stellte sich nach Zeugnisvergabe heraus, sie entscheidet nämlich darüber, welche beiden der vier Referendare von der BSB, die alle übernommen worden sind, zuerst verbeamtet werden.
    Die UB Tübingen braucht sich übrigens ihres Referendars nicht zu schämen - eine Bemerkung, die not tut, da ein Kollege aus Baden-Württemberg durchgefallen ist, und man den jeweiligen Bibliotheken die Leistung ihrer Referendare zuzurechnen scheint.

    Neue Aufgaben in Erlangen
    Nach ein paar Monaten Arbeitslosigkeit, in denen ich auf unsere kleine Tochter aufpassen und so meiner Frau ein recht ungestörtes Weiterschreiben an ihrer Dissertation ermöglichen konnte, entschied sich schließlich eine bayerische Bibliothek für meine Bewerbung - so dass mir die Bayernlastigkeit des Unterrichts doch wieder zustatten kommen wird. Ab Mitte März bin ich an der UB Erlangen-Nürnberg mit einem schon tätigen Kollegen für die Sondersammelgebiete Philosophie und Bildungsforschung zuständig und soll mich um den Aufbau einer virtuellen Fachbibliothek Philosophie kümmern. Die Erfahrungen aus Tübingen werden mir dabei sicher helfen!

    Kontakt: J. Eberhardt, Tel. 09131 / 29324, Joachim.Eberhardt@bib.uni-erlangen.de

    Der Beitrag erschien bereits in ub-info 2004/8. Die Redaktion bedankt sich beim Autor für die Erlaubnis zum Abdruck in TBI.



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    Rekordverdächtig - Die Revision 2005

    Andrea Krug, UB, Allgemeiner Lesesaal

    Schneller, höher, weiter - und kürzer: Fallen bei Olympia die Rekorde unter die ersten drei Kategorien, so ist es bei der UB die vierte Kategorie. Dabei sprechen wir hier nicht von den Kürzungen bei Personal und Etat, sondern von den Tagen, die für die diesjährige Revision zur Verfügung standen: Ganze drei Tage sollten ausreichen, um den Freihand-Ausleihbestand Monographien (ca. 300.000 Bände) und den Ausleihbestand Zeitschriften im Ammerbau ("WZ-Bestand" Alte Signaturen, ca. 65.000 Bände) durchzuordnen, parallel dazu den Präsenzbestand im Allgemeinen Lesesaal (ca. 40.000 Bände) sowohl durchzuordnen als auch zu revidieren, nicht zu vergessen, den Bestand der Lehrbuchsammlung mit ca. 60.000 Bänden zu ordnen.
    Keine leichte Aufgabe. Da hieß es zunächst einmal tief Luft holen - und dann die Ärmel hochkrempeln. Die betroffenen Abteilungen setzten sich zusammen und erarbeiteten einen regelrechten Schlachtplan. Das Ganze war natürlich nicht allein mit den Abteilungsmitarbeitern zu schaffen, zumal ein großer Anteil Kollegen in Teilzeit arbeitet. Ein Aufruf von Dr. Schapka erging an das ganze Haus, um die MitarbeiterInnen um Mithilfe zu bitten, und auch die studentischen Hilfskräfte wurden in die Planung einbezogen.
    Pünktlich am Montagmorgen standen die Hilfstruppen parat: 25 Personen zum Durchordnen des Freihand-Ausleihbestandes, 17 für den Lesesaalbestand. Im Lesesaal war ein Teil des Bestandes - kleinere Fächer - von Studenten bereits am Samstag zuvor bei laufendem Betrieb durchgeordnet worden, so dass dort zeitgleich mit der Revision durch das LS-Team begonnen werden konnte. An den Regalen des FA-Bestandes waren Zettel mit den betreffenden Signaturbereichen ausgehängt worden, die vom "Ordner" nach getaner Arbeit abgezeichnet und abgehängt wurden. So war sofort ersichtlich, welche Bereiche schon fertig waren bzw. noch geordnet werden mussten. Im Lesesaal lagen Fächerlisten aus, die entsprechend abgehakt wurden. An den darauffolgenden Tagen waren nochmals 27 bzw. 17 und 35 bzw. 11 Mitarbeiter den ganzen Tag mit Durchordnen beschäftigt. In der Lehrbuchsammlung waren drei Tage lang acht MitarbeiterInnen mit den Ordnungsarbeiten beschäftigt.
    Das Ergebnis für den Freihand-Ausleihbestand: Es wurden 1501 verstellte Bücher gefunden und wieder an ihren richtigen Platz gestellt. Bei den ausleihbaren Zeitschriften (WZ-Bestand) waren es 296 Bände. Es hat sich also wieder einmal gelohnt!
    Im Lesesaal waren fünf Sturzpaare mit der Revision beschäftigt, vier ganztags, eines halbtags. Am Ende war alles geschafft: die Revision, die Mitarbeiter und die Stimmbänder. 57 Titel wurden am Ende vermisst - weniger als in den Jahren zuvor. Erfreulich, dass vor allem bei den Juristen offenbar das Rechtsempfinden zugenommen hat, hier war der größte Rückgang an Verlusten zu verzeichnen. Erfahrungsgemäß tauchen ja im Laufe der nachfolgenden Wochen zunächst vermisste Bücher auch immer mal wieder auf, so dass eine endgültige Anzahl der vermissten Bände hier nicht genannt werden kann.

    Fazit:
    Jährliches Ordnen des FA-, WZ und LBS-Bestandes und Lesesaal-Revision sind unabdingbar, innerhalb von drei Tagen jedoch sehr anstrengend, nicht nur körperlich (Nackenmuskulatur, Augen), sondern auch psychisch - nur nicht schwächeln! Wer einmal einen ganzen Tag lang Signaturen gelesen hat, kann das nachvollziehen. Dennoch war die Stimmung insgesamt relativ locker, was mit Sicherheit daran lag, dass wir eine so große Unterstützung aus dem Haus erfahren haben. Lesesaal und Ausleihzentrum sagen also an alle, die sich bei dieser "konzertierten Aktion" beteiligt haben, ein ganz großes Danke!

    Kontakt: A. Krug, Tel. 29 - 72849, andrea.krug@ub.uni-tuebingen.de

    Der Beitrag erschien bereits in ub-info 2005/4-5



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    Neue UB-Bereichsbibliothek Biologie

    Klaus-Rainer Brintzinger, UB, Leitung

    Rückwirkend zum 1. Januar 2005 wird die bisherige Fakultätsbibliothek Biologie eine Bereichsbibliothek der Universitätsbibliothek. Eine entsprechende Vereinbarung wurde im letzten Monat vom Dekan der Fakultät für Biologie, Prof. Dr. Friedrich Schöffl, und dem Direktor der Universitätsbibliothek, Dr. Ulrich Schapka, unterzeichnet. Die Vereinbarung kam auf Anregung der Fakultät für Biologie zustande. In den vorbereitenden Gesprächen konnte in allen Punkten Übereinstimmung erzielt werden. Demnach bringen UB und die ehemalige Fakultätsbibliothek ihre Bestände in die gemeinsame Bibliothek ein - die Lozierung erfolgt je nach Benutzungsintensität: Häufig genutzte Zeitschriften und Monographien werden wie bisher in den Räumen der Biologie-Bibliothek stehen, ausleihbare Lehrbücher in der Bereichsbibliothek Morgenstelle, seltener genutzte Zeitschriften und Monographien im Hauptgebäude der Universitätsbibliothek. Für die Benutzer verändert sich daher zunächst nur wenig - auch das bisherige Personal der Biologiebibliothek wird zunächst unverändert bleiben. Allerdings fällt ab nächstem Jahr eine der beiden Stellen in den Solidarpakt, die Geschäftsgänge und die Arbeitsteilung zwischen Bereichsbibliothek und zentraler Bibliothek müssen dann neu geordnet werden. Vorteile für die Benutzer ergeben sich aus der Zusammenlegung der bisher getrennten Etats. UB und Fakultät hoffen, damit die Abbestellung von teueren Zeitschriften zumindest teilweise abwenden zu können. Außerdem können für die Bereichsbibliothek zusätzlich Lehrbücher erworben werden, für die bisher nur wenig Mittel zur Verfügung standen. Für die Erwerbungsentscheidungen im Fach Biologie ist künftig ein neu gebildeter Koordinierungsausschuss zuständig, dem der Direktor der UB, der zuständige Fachreferent sowie der Bibliotheksbeauftragte und die Institutsdirektoren der Fakultät für Biologie angehören.

    Kontakt: K.-R. Brintzinger, Tel. 29 - 72584, klaus-rainer.brintzinger@ub.uni-tuebingen.de

    Der Beitrag erschien bereits in ub-info 2004/4-5



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    Katalogisieren im Verbund : Erste Erfahrungen mit einer neuen Dimension

    Jürgen Plieninger, Institut für Politikwissenschaft, Bibliothek

    Im letzten Heft schrieb ich über den Abschied von Mikromarc. [ 1 ] Was liegt näher, als den Einstieg in das neue System zu beschreiben? (Geneigte Tübinger Leser/innen werden problemlos in dieser Abfolge die Drohung sehen, dass im übernächsten Heft dann eine Beschreibung der Erfahrungen der Migration auf PICA folgen wird ... Aber vielleicht fühlen sich einmal andere berufen?) Manches, was ich zu erzählen hätte, versteht sich eigentlich von selbst. Hierzu gehört beispielsweise die Erfahrung, auch nach der kompetenten Schulung durch die Institutsstelle der UB bei jeder Kleinigkeit, die vom Üblichen abweicht, zum Skript greifen zu müssen. Wie hängt man noch einmal einen Band an die Hauptaufnahme? Wie war das mit einer ungezählten Reihe? - Alles, was früher in den Fingern war und den Kopf frei ließ, war jetzt ein Problem, nicht nur für die Finger, sondern gerade auch für den Kopf. Lieb gewordene Selbstverständlichkeiten, zu Automatismen gewordene Arbeitsabläufe und Erfahrungen - alles perdu! Aber das ist ja immer so, wenn man sich in neue Abläufe einfinden muss, wenn es auch schwer fällt. Eigentlich könnte ich an dieser Stelle tröstlich darauf verweisen, dass mit der Zeit die Routine wiederkommt, wenn da nicht die Umstellung auf PICA ins Haus stünde. So verzögert sich das etwas. Sei's drum!
    Sehr nett war vor diesem Hintergrund die Erfahrung, dass bei zwei Dritteln der Neuerwerbungen keine Titelaufnahme mehr vonnöten ist, sondern lediglich die Lokal- und Exemplarsätze anhängt werden müssen und fertig! Bleibt leider das letzte Drittel, das dann umso mehr Aufwand verursacht. Nun, oft findet man Titelaufnahmen im Fremddatenbereich, dann hat man mit Hilfe der Dublettenkontrolle leichtes Spiel, doch frage ich mich in solchen Fällen immer, ob das Buch denn noch irgendwann den Weg in eine freundliche Hand findet, welche eine inhaltliche Erschließung anfügt oder ob die Aufnahmen, welche ich mache, unerschlossene Schätze bleiben werden. Es ist leider nicht selten, dass man im Verbund auf nicht verschlagwortete Titelaufnahmen stösst. Nun, für den Rest, den man im Fremddatenbereich nicht findet, muss man selbst Titelaufnahmen anfertigen. Meist kein Hexenwerk, doch oft macht es auch richtig Arbeit, denn in dieser Kategorie häufen sich die Sonderfälle, welche eigentlich nach einer Spezialistin in einer Katalogisierungsabteilung und nicht nach einem Allrounder in einer OPL rufen: Working Papers, Sonderdrucke, Reader, alles wirklich allerliebst! Weiter positiv bei der Konversion durch den Verbund war die Tatsache, dass die alten Schlagwortketten mit übernommen werden konnten, also bei der Suche nach lokalen Schlagworten weiter recherchierbar sind. Und ein weiterer Vorteil bei der Verschlagwortung ist die Möglichkeit, verschiedene Ansetzungen zu berücksichtigen. Bisher waren unsere Benutzer gezwungen gewesen, veraltete Ansetzungen (beispielsweise "Deutschland(BRD)" für Deutschland) ganz korrekt einzugeben, jetzt kann man andere Formen im Schlagwortsatz berücksichtigen, so dass man auch mit anderen Ansetzungen zu einem Ergebnis kommt.
    Sehr hilfreich bei der ganzen Angelegenheit ist die Tatsache, dass man von einem DOS- zu einem Windowsprogramm gewechselt ist und man sich in Folge dessen Strukturelles kein zweites Mal erarbeiten muss, vorausgesetzt, man hat sich eine richtige Ablage gebastelt, wo man Schwieriges ablegt, damit dokumentiert und dann den Schatz auch wieder heben und erneut verwenden kann. Es lebe die "Copy and Paste"-Routine! Die Struktur eines Working Paper, von dem man bereits ein Exemplar eingearbeitet hat? Ist abgelegt und kann somit mit ein paar Shortcuts (fest abgelegten Tastenkombinationen) erneut verwendet werden. Ein neuer Band eines Werkes? Schwuppdich! ist ein älterer Band aufgesucht, kopiert und wird als Vorlage für die Angleichung der neuen Bandaufnahme verwendet. Lokalstammsatz anhängen? Hinüber mit der längst abgelegten Struktur! Das ist alles sehr praktisch und zeitsparend. Dass man trotzdem geneigt ist, vor manchem Angst zu hegen und es in Folge dessen erst einmal liegen zu lassen: Decken wir gnädig ein Handtuch des Vergessens auf diese menschliche Schwäche!
    Kommen wir zur zweiten großen Anforderung, welche durch die Umstellung bedingt ist und gemeinhin mit Retrokatalogisierung umschrieben wird. Bei der Migration unserer Titelaufnahmen in den Verbund konnten zwei Drittel automatisch konvertiert werden. Die Institutsstelle gab die Auskunft, dass dies ein guter Schnitt sei, also freuten wir uns erst einmal. Blieb freilich noch ein Drittel übrig. Kennen Sie das Bild vom halb vollen und halb leeren Glas Wasser? So ist das. Aber wer wird denn hier pessimistisch sein wollen?! Jedenfalls bleibt erklecklich viel zu tun. Sehr erfreulich ist, dass "Retro" in diesem Fall nicht mehr das bedeutet, was sie im Falle des DOS-Programmes Mikromarc bedeutete, nämlich das Abtippen von ganzen Titelaufnahmen aus dem Standortkatalog und im Zweifelsfalle Neuerstellung per Autopsie, sondern es erschöpft sich in diesem Durchlauf meist im Recherchieren nach einer entsprechenden Titelaufnahme im Verbundkatalog und dem Anhängen der Lokaldaten. Das ist nicht ganz so aufwändig, will aber trotzdem erledigt sein. Da wir hier von Größenordnungen von ca. 13.000 Titelaufnahmen sprechen, wird dies ein Weilchen dauern ... So lange bleibt für die Benutzer der missliche Tatbestand bestehen, dass sie im Zweifelsfalle zwei Kataloge für die Recherche verwenden müssen. Entweder verzichten sie auf ein Drittel der älteren Literatur oder sie verzichten auf die Neuerwerbungen seit Sommer 2004. Eine gruselige Vorstellung! Insofern wird es darum gehen, die fehlenden Titelaufnahmen so rasch wie möglich zu ergänzen. Natürlich haben wir damit dort angefangen, wo der Nutzen für die Benutzer am größten ist, nämlich bei jenen Systematikgruppen, welche am meisten von den Benutzern frequentiert werden, also den "Kernbereichen" des Faches. Hier hat man in einer Institutsbibliothek dank der systematischen Aufstellung der Bestände an Hand des Standortkataloges die Retrokatalogisierung optimierend zu planen.
    Aber vielleicht sollte ich noch von jenen Vorteilen des neuen Systems berichten, die vor der Umstellung gar nicht bedacht wurden. Für die Benutzer ist es sicherlich von Nutzen, dass jetzt Fortsetzungen und Monographien in einem Katalog zu recherchieren sind! Haben Sie das Benutzern im Rahmen von Einführungen und Schulungen erfolgreich begreiflich machen können, dass Jahrbücher als Fortsetzungen anzusehen sind und deshalb im Zeitschriftenkatalog gesucht werden müssen? Ich nicht. Ich denke, dass dieser Vorteil den Nachteil aufwiegen wird, für eine unbestimmte Zeit in zwei Online-Katalogen suchen zu müssen. Dieser Effekt wird sich mindern, je mehr relevante Systematikgruppen vollständig im Verbund nachgewiesen sind!
    Etwas anderes, was ich sehr schätze, sind die schnelleren Katalog-Aktualisierungen und die automatisch erstellten Neuerwerbungslisten. Dank der EDV-Abteilung, dass die Bastelei ein Ende hat! Es war zwar immer nett, aus dem DOS-Programm zu exportieren und durch mehrere Suchen&Ersetzen-Routinen dann eine angemessen gelayoutete Neuerwerbungsliste händisch herzustellen, aber ich kann gut darauf verzichten. Und - um auch dies anzuführen - auch die Zeit der Sicherungskopien hat ein Ende, dem BSZ sei Dank!
    Einen Vorteil, den wir mit der Migration unserer Titelaufnahmen in den Verbund wahrnehmen wollten, war eine gemeinsame Erwerbungsdatenbank mit der UB, um Doppelkäufe zu vermeiden und bei der Beschaffung gegenseitig Transparenz zu schaffen. Es zeigte sich bei der Erstellung von Titelaufnahmen leider doch, dass es gar nicht so selten ist, dass ein Werk, welches man gerade einarbeitet, auch in der UB bereits eingearbeitet wurde. Durch die Bestellkatalogisierung der UB im Verbund ist jetzt diese Transparenz endlich gegeben.

    Kontakt: J. Plieninger, Tel. 29 - 76141, juergen.plieninger@uni-tuebingen.de

    Fußnote:
    [ 1 ]
    Jürgen Plieninger: Abschied von einem guten alten Freund : Ein Abgesang auf Mikromarc. TBI 26.2004, H. 2.



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    Verschiedenes




    http://www.spareninbibliotheken.de/

    Ein wunderschönes Haus von Hundertwasser steht als Rahmen für ein ernstes Thema bereit: Sparen. Die vielfältigen Ergebnisse einer Veranstaltung der HdM Stuttgart zur Haushaltskonsolidierung wird als studentisches Projekt der Fachöffentlichkeit eindrucksvoll präsentiert.


     


    Tipps zur Erstellung von Homepages

    Über sieben Jahre ist es her, dass in der UB eine Fortbildung zur Erstellung von Homepages stattfand. Das Skript kann man immer noch im Skriptarchiv auf der Homepage der UB nachlesen.
    Wer konzeptionelle Überlegungen zum Aufbau und zur Pflege einer Homepage sich zu Gemüte führen will, die/der findet auf TOBIAS-Lib eine Checkliste der OPL-Kommission des BIB zum Thema Eine Homepage erstellen.
    Wer übrigens die Checkliste als gedrucktes Heft in den Händen haben möchte: Hier bietet Tobias-lib einen Print on Demand-Knopf, mit dem man es sich (kostenpflichtig) bestellen kann!


     


    Wie werbe ich für die von der Bibliothek angebotenen Dienste?

    Die neueste Liste der Kommission für One-Person Librarians des BIB behandelt das Thema Marketing einzelner Dienste der OPL, behandelt die Suche nach Zielgrupppen, die Konzeption von Diensten und Kommunikationskanälen und geht zum Schluß auf Werbemaßnahmen ein. Sie kann von der Homepage der Kommission heruntergeladen werden.


     


    An diesem Computer nur Katalogsuche!

    Es kann auch nach hinten losgehen, wenn man das Bibliothekars-Denglisch vermeiden möchte und Anleitungen auf Deutsch schreibt. In der Bibliothek des Instituts für Politikwissenschaft ist letzt Folgendes passiert: An den drei Computern, welche für die OPAC-Recherche reserviert sind, steht jeweils, dass sie vordringlich für die Katalogsuche reserviert sind. Letzt wollte ein Magistrand recherchieren, alle drei Geräte waren besetzt. Bei einer Kommilitonin sah er bunte Bilder statt des gewohnten Menüs des Tübinger Online-Katalogs, also forderte er sie auf, den Platz zu räumen. Sie jedoch meinte im Recht zu sein, blätterte sie doch gerade im Katalog des Otto-Versandes ...



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