Migration in biographischer Perspektive am Beispiel von Migrations- und Integrationsverständnis der in den Städten Reutlingen und Tübingen ansässigen iranischen Migranten

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Zitierfähiger Link (URI): http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:21-opus-52841
http://hdl.handle.net/10900/47783
Dokumentart: Dissertation
Erscheinungsdatum: 2009
Sprache: Deutsch
Fakultät: 6 Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät
Fachbereich: Erziehungswissenschaft
Gutachter: Heiner, Maja (Prof. Dr.)
Tag der mündl. Prüfung: 2010-07-06
DDC-Klassifikation: 370 - Erziehung, Schul- und Bildungswesen
Schlagworte: Integration <Politik> , Iranischer Einwanderer , Reultingen , Tübingen
Freie Schlagwörter: Migration , Integration , Migrationsbiographie , Soziales Kapital
Migration Biography , Biographical background
Lizenz: http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/doku/lic_mit_pod.php?la=de http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/doku/lic_mit_pod.php?la=en
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Inhaltszusammenfassung:

Die Auseinandersetzung mit den empirischen Forschungen zur Integration der (iranischen) Migranten in Deutschland führte zum Ergebnis, dass die Integrationsleistungen und die Bewältigungsfähigkeiten der Iraner unzureichend berücksichtigt werden. Demzufolge wurde das Untersuchungsdesign der vorliegenden Studie gezielt darauf angelegt, die Verläufe und Ursachen gelungener Integration zu verdeutlichen. Die hiermit vorgelegte Untersuchung bietet vor diesem Hintergrund zunächst eine konzeptionelle Klärung des Begriffs der Integration auf der Grundlage der dazu einschlägigen soziologischen Theorien und Konzepte. Danach werden durch eine stärkere Akzentuierung der Differenzen grundlegende Unterschiede einiger Modelle verdeutlicht. Das „biographische Kapital“ wird dabei als spezielle Ressource der Migranten und Ausdifferenzierung ihres sozialen und kulturellen Kapitals begriffen, das sie möglicherweise in besonderem Maße befähigt, sich in der Wirklichkeit globalisierter Gesellschaften zurechtzufinden. Inwiefern lebensgeschichtliche Prägungen bereits vor der Migration bestanden und die unterschiedlichen Migrationsbiographien erklären, war im Rahmen dieser Dissertation nicht zu klären, da sie nur auf die Rekonstruktion der Migrationsbiographie, nicht der gesamten Biographie angelegt ist. Den Abschluss bildet der Bezug der empirischen Ergebnisse zum vierdimensionalen Integrationsmodell. Die strukturelle Integration (Bildung, Beruf, Erwerbseinkommen, Einbürgerung) ist erstaunlicherweise auch der Flüchtlingsmigrantin gelungen. Im Bereich der kulturellen Integration (Sprachkompetenz/ Familienbild/ Geschlechterrollen), lässt sich eine sehr starke Angleichung (mit assimilativen Tendenzen) bei den in Deutschland geborenen oder aufgewachsenen Kindern feststellen. Bezogen auf die Soziale Integration (Primärkontakte, soziale Netzwerke) war keine Tendenz zur Ghettoisierung, Kolonienbildung oder zum Aufbau von Parallelgesellschaften festzustellen. Die Einschätzungen der Interviewten hinsichtlich der Integrationsbereitschaft weisen bezogen auf Privatpersonen einen hohen Differenzierungsgrad auf, Pauschalisierungen fehlen, negativ beurteilt werden eher die öffentlichen Institutionen. Bezogen auf die Dimension der identifikatorischen Integration besteht (von einer Person abgesehen) ein eindeutiges Heimatgefühl weder bezogen auf den Iran noch auf Deutschland – obwohl die meisten Interviewpartner angaben, sich in Deutschland wohl oder sogar sehr wohl zu fühlen. Zutreffender ist das Konzept der „zweiten Sozialisation“, bei der die erste Sozialisation nicht abgelegt wird, sondern Werte und Normen beider Kulturen im Prozess der Annäherung an die Aufnahmegesellschaft integriert werden. Die Untersuchung zeigt sehr deutlich, dass eine identifikative Integration (und ein entsprechendes Gefühl der Zugehörigkeit) längere Zeiträume, zumeist mehr als eine Generation und entsprechende Erfahrungen mit Identifizierungsangeboten der Aufnahmegesellschaft benötigt.

Abstract:

The discussion about the empirical research on the integration of the (Iranian) immigrants in Germany led to the conclusion that the efforts of the Iranian migrants towards integration and their management capabilities are not taken into account sufficiently. Consequently, the research design of the present study was created specifically to illustrate the patterns and causes of successful integration. Against this background the study presented here offers a conceptual clarification of the term integration on the basis of the relevant sociological theories and concepts. Subsequently the fundamental differences of some models will be illustrated by a stronger accentuation of these differences . The “biographical background” of the migrants is understood as a special resource, which broadens their social and cultural resources and might make migrants more capable in coping with the challenging realities of globalised societies. It is not clarified in this thesis to what extent the impressions caused by life histories existing before the migration contribute to explaining the different migration biographies, since these only apply to the reconstruction of the migration biography, not the entire web it created. Finally there is the relation of the empirical results to the four-dimensional integration model. Surprisingly, refugee migrants also proved to be capable of achieving structural integration (integration in the fields of education, profession, income and naturalization). In the field of cultural integration (integration in the fields of language skills, models of family life and gender roles) a tendency towards assimilation is visible among children who were born or grew up in Germany. Concerning the social integration (primary social contacts, social networks) no tendency to live in colonies or ghettos among their distinctive migrant groups or to build a so called “parallel society” could be seen. The assessments of the interviewees based on the readiness towards integration of private individuals show a high degree of differentiation. Generalizations are missing, it is rather public institutions which are judged negatively. A clear sense of home, is neither apparent towards Iran nor Germany in relation to the dimension of identificatory integration (apart from one single person) - even though most interviewees specified, that they feel comfortable or very comfortable living in Germany. Much more likely is the concept of "second socialization", in which the first socialization is not abandoned, but the values and norms of both cultures can be integrated within the host society in a process of convergence. The investigation shows very clearly that an identificational integration (and a corresponding sense of belonging) requires longer periods of time, usually more than a generation, and also adequate experience of the offers of identification coming from the host society.

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