Gastrointestinale Beteiligung bei systemischer Sklerose, Patientenbefragung

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Zitierfähiger Link (URI): http://hdl.handle.net/10900/173925
http://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-1739256
http://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-1739256
http://dx.doi.org/10.15496/publikation-115250
Dokumentart: Dissertation
Erscheinungsdatum: 2026-01-13
Sprache: Deutsch
Fakultät: 4 Medizinische Fakultät
Fachbereich: Medizin
Gutachter: Henes, Jörg (Prof. Dr.)
Tag der mündl. Prüfung: 2025-12-16
Freie Schlagwörter: Systemische Sklerose
Gastrointestinale Beteiligung
Lizenz: http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/doku/lic_ohne_pod.php?la=de http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/doku/lic_ohne_pod.php?la=en
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Inhaltszusammenfassung:

Daten zur gastrointestinalen Beteiligung bei Systemischer Sklerose (SSc) sind selten obwohl sie eine der häufigsten Manifesationsform der Erkrankung darstellt. Insgesamt wurden zwischen 2019 und 2021 148 SSc-Patienten mittels eines Fragebogens nach gastrointestinalen Beschwerden befragt. Von den befragten Patienten waren 75% weiblich und 25% männlich. Das Durchschnittsalter aller Probanden lag bei 53,1 (± 14,0) Jahren. Der Krankheitsbeginn bei Frauen war 3,9 Jahre früher als bei Männern. Das Verhältnis zwischen der lcSSc und der dcSSc betrug 1,5 zu 1. Scl-70-AK kam signifikant häufiger bei der dcSSc-Gruppe vor, wohingegen ACA häufiger bei lcSSc-Gruppe zu beobachten war. Die Mehrheit der SSc-Patienten, d.h. 91,2%, klagten über gastrointestinale Beschwerden. Die Beschwerden traten unabhängig vom Alter, dem Geschlecht oder dem Vorliegen eines der SSc-Subtypen auf. Mit zunehmendem Alter steigt der Anteil der Patienten mit gastrointestinalen Beschwerden. Patienten mit Raucher-Anamnese berichteten über häufigere Appetitsänderung (p-Wert= 0.04). Gastrointestinale Beschwerden kamen insgesamt häufiger bei Patienten mit regelmäßigem Alkoholkonsum vor (p-Wert= 0.01). Zudem treten bei Patienten mit Alkoholkonsum Symptome wie Dysphagie (p-Wert= 0,03), Vermeidung von bestimmten Speisen (p-Wert= 0.05), Zwangspausen beim Essen sowie langsameres Essen, signifikant häufiger auf (p-Wert= 0.006). Mundtrockenheit wurde von 41,9% unserer Patienten berichtet. Bei diesen Patienten kamen auch die ösophagealen Symptome wie Dysphagie, Regurgitation und Reflux (p-Wert <0.001) häufiger vor. Im Verlauf verschlechtert sich die Mundtrockenheit bei 32,4% der Patienten, vor allem bei denjenigen aus der dcSSc-Gruppe. Oropharyngeale Dysphagie wurde von insgesamt 68,2% der Patienten berichtet. Bei diesen Patienten lagen häufig gleichzeitig andere ösophageale Beschwerden wie Reflux (p-Wert= 0.012) und Regurgitation vor (p-Wert <0.001). Insgesamt berichteten 71,6% der Patienten über Reflux und 59,5% über Regurgitation. Patienten, die nie Alkohol getrunken hatten, klagten mehr über Reflux-Beschwerden (p-Wert= 0.045). Patienten, die nie geraucht hatten klagten hingegen mehr über Regurgitations-Beschwerden (p-Wert= 0.01). Ein Viertel der Befragten, vor allem aus der dcSSc-Gruppe (p-Wert= 0.02) berichteten über nächtliches Aufwachen mit Regurgitation bis hin zu Erstickungsgefühlen. Probleme im Alltag, wie beispielsweise beim Essen von belegten Brötchen, wurden von 59,4% berichtet. Dies betraf häufiger Patienten innerhalb der dcSSc-Gruppe (p-Wert <0.001). Langsameres Essen, sowie Zwangspausen beim Essvorgang wurden vom 52,7%, vor allem weibliche Probanden berichtet, davon mussten 62,8% bestimmte Speisen meiden. Dies betraft insbesondere saure, scharfe, fettige, süße und schwer verdauliche Speisen, sowie große Stücke an Nahrungsmitteln. Die gastrointestinalen Beschwerden führten bei 20,9% der untersuchten Patienten zu vermindertem Appetit und bei 38,5% der Patienten zu Gewichtsabnahme. Insgesamt war der Anteil an Untergewichtigen in unserer Kohorte mit 6,8 % deutlich höher als der Anteil in der Normalbevölkerung mit 1,8%. Die Patienten der dcSSc-Gruppe klagten insgesamt häufiger über gastrointestinale Beschwerden als diejenigen aus der lcSSc-Gruppe. Die dcSSc-Patienten litten auch häufiger unter Mundtrockenheit (p-Wert= 0.01), unter Dysphagie (p-Wert= 0.014), unter Gewichtsänderung (p-Wert <0.001), unter Appetitsänderung (p-Wert <0.001), unter Problemen beim Essen eines belegten Brötchens (p-Wert <0.001) und nächtlichem Aufwachen (p-Wert= 0.02) Es wurde zudem festgestellt, dass der Nachweis von Scl-70-AK mit einem 1,4-mal häufigerem trockenen Gefühl beim Essen (p-Wert= 0.02), 1,7-mal häufigerer Appetitsänderung (p-Wert= 0.012) und 1,6-mal häufigeren Problemen beim Essen von belegten Brötchen einher ging (p-Wert= 0.03). PPIs zählen zu den am häufigsten eingenommenen Medikamenten innerhalb der letzten 12 Monate (54,7%). Insgesamt klagten 19,8% unserer Patienten trotz PPI-Einnahme über Schluckschwierigkeiten, 9,9% über Regurgitation und 30,9% über Reflux. MCP wurde von 4,7% eingenommen. Unter MCP-Einnahme klagten die Patienten weniger über Reflux (p-Wert= 0.047), Regurgitation (p-Wert= 0.048) und Unterbrechung des Essvorgangs (p-Wert= 0.041). Eigene Therapiestrategien zur Linderung gastrointestinaler Symptome wie kleinere aber häufigere Mahlzeiten, Erhöhung des Oberkörpers beim Liegen, früherem Abendessen, der Konsum von Tee und stillem Wasser sowie Milch, wurde von den Patienten berichtet. Als wesentliche Erkenntnis der Arbeit lässt sich festhalten, dass die gastrointestinale Manifestation fast alle SSc-Patienten betrifft und alle Abschnitte des Gastrointestinaltraktes befallen kann. Gastrointestinaler Befall kann früher als die mit der Krankheit einhergehende Hautveränderung vorkommen. Er kann asymptomatisch sein aber auch schwerwiegende Krankheitsverläufe mit vielfältigen Symptomen verursachen. Im fortgeschrittenen Verlauf führen diese Beschwerden zu Gewichtsverlust, Malabsorption, Malnutrition und erhebliche Einschränkung der Lebensqualität.

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