Inhaltszusammenfassung:
Zielsetzung:
In der vorliegenden Arbeit wurde der Behandlungserfolg einer Parodontitistherapie
retrospektiv anhand des Zahnverlustes untersucht. Dabei wurde analysiert, welcher
Langzeiterfolg zum Erhalt von parodontal geschädigten Zähnen unter Berücksichtigung
der unterschiedlichen Einflussfaktoren mit einer nicht-chirurgischen Therapie erzielt
werden kann.
Material und Methoden:
In die Studie wurden alle Patienten eingeschlossen, welche von 1994 bis 2018 aufgrund
einer Parodontitis behandelt wurden und innerhalb des ersten Jahres nach Therapiebeginn
an einer Reevaluation und über mindestens fünf Jahre an einer unterstützenden
Parodontitistherapie teilnahmen. Die aktive Parodontitistherapie musste abgeschlossen
sein und es durften keine parodontalchirurgischen Maßnahmen stattgefunden haben.
Anhand der Patientenakten wurden die folgenden Parameter erfasst: durchschnittliche
Sondierungstiefe und CAL, Versorgungsstatus, Furkationsbeteiligung, Lockerungsgrad,
Geschlecht, Alter, Raucherstatus, Diabetes mellitus, Compliance, Parodontitisstadium
sowie -grad, maximaler Knochenverlust, BOP sowie die Anzahl der Behandlungstermine.
Außerdem wurde sowohl der gesamte Zahnverlust als auch der Verlust aus parodontalem
Grund ermittelt.
Ergebnisse:
Von den insgesamt 145 selektierten Patientenakten wurden 115 statistisch ausgewertet.
Während eines durchschnittlichen Zeitraums von 9,0 ± 2,4 Jahren gingen insgesamt 201
Zähne verloren, wovon zwischen T1 und T2 bei 118 Zähnen eine parodontale Ursache
dafür festgestellt wurde. Dies entspricht während der UPT einem jährlichen parodontalen
Zahnverlust von 0,13 ± 0,26 Zähnen pro Patient. Zum Zeitpunkt T0 und T1 korrelierten
für den insgesamten Zahnverlust ein Lockerungsgrad I-III, ein Furkationsgrad I-III, ein
Parodontitisstadium IV, ein festsitzender Zahnersatz sowie die durchschnittliche
Sondierungstiefe statistisch signifikant. Bis auf die durchschnittliche Sondierungstiefe
konnten zum Zeitpunkt T0 dieselben Risikofaktoren mit einem Verlust aus parodontalem
Grund in Zusammenhang gebracht werden. Dagegen konnte zum Zeitpunkt T1 zwischen
dem parodontalen Zahnverlust und Zähnen mit Furkationsgrad I sowie festsitzender
prothetischer Versorgung keine statistisch signifikante Korrelation festgestellt werden.
Die mittlere Sondierungstiefe konnte allerdings zum Zeitpunkt T1 als Risikofaktor für
einen parodontalen Zahnverlust statistisch nachgewiesen werden. Weiterhin lagen keine
statistisch signifikanten Zusammenhänge bei Rauchern, Diabetikern, dem BOP, dem
maximalen Knochenverlust und der Compliance sowie dem initial diagnostizierten Grad
der Parodontitis vor. Teile dieser Ergebnisse wurden bereits am 27.03.2025 im Dentistry
Journal publiziert (DOI: 10.3390/dj13040146.).
Diskussion:
Die Ergebnisse der vorliegenden Studie decken sich in weiten Teilen mit anderen Studien.
Da jedoch nur wenige Studien eine rein nicht-chirurgische Therapie untersuchten und
Auswertungen der einzelnen Lockerungs- und Furkationsgrade unter dieser Therapieart
selten sind, erscheinen die Ergebnisse der vorliegenden Studie interessant. Mögliche
Unstimmigkeiten können aufgrund des retrospektiven Studiendesigns und der eher
kleinen Kohorte sowie durch eine stellenweise unterschiedliche Definition einiger
Parameter, im Vergleich zu anderen Studien, vermutet werden.
Schlussfolgerung:
In dieser Studie stieg mit zunehmendem Lockerungsgrad das Verlustrisiko von Zähnen.
Besonders Zähne mit einem Lockerungsgrad III hatten sowohl zum Zeitpunkt T0 als auch
T1 die schlechteste Prognose. Konnte bei einem mehrwurzligen Zahn eine
Furkationsbeteiligung gemessen werden, so stieg dessen Verlustrisiko mit zunehmendem
Furkationsgrad. Weiterhin ist die durchschnittliche Sondierungstiefe vor allem zum
Zeitpunkt T1 als Risikofaktor für einen Zahnverlust anzusehen. Besonders Patienten mit
einem Parodontitisstadium IV korrelierten bei nicht-chirurgischer Therapie mit einem
Zahnverlust. Der Erhalt parodontal geschädigter Zähne als Pfeiler für einen festsitzenden
Zahnersatz ist unter nicht-chirurgischen Therapiemaßnahmen zum Zeitpunkt T0
schlechter möglich als bei einer herausnehmbaren Versorgung.
Die alleinige Parodontitisbehandlung mittels nicht-chirurgischer Maßnahmen sollte
deswegen eher kritisch hinterfragt werden und im Hinblick auf einen Therapieerfolg ggf.
durch chirurgische Interventionen ergänzt werden.