Zusammenhang zwischen arbeitsbedingter Stehexposition und Varikoserisiko – Querschnittliche Validierung bestehender Risikobeurteilungsansätze im Deutschen Arbeitsschutz

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Zitierfähiger Link (URI): http://hdl.handle.net/10900/175840
http://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-1758404
Dokumentart: Dissertation
Erscheinungsdatum: 2026-02-17
Sprache: Deutsch
Fakultät: 4 Medizinische Fakultät
Fachbereich: Medizin
Gutachter: Steinhilber, Benjamin (Prof. Dr.)
Tag der mündl. Prüfung: 2025-07-16
DDC-Klassifikation: 610 - Medizin, Gesundheit
Schlagworte: Arbeitsschutz , Stehen , Varikose
Lizenz: http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/doku/lic_ohne_pod.php?la=de http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/doku/lic_ohne_pod.php?la=en
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Inhaltszusammenfassung:

Hintergrund und Fragestellung: Andauernde Steharbeit kann das Auftreten gesundheitlicher Folgen wie chronischen Venenkrankheiten begünstigen. Aus diesem Grund erarbeiteten verschiedene Arbeitsschutzgremien Risikobeurteilungsansätze (Arbeitsmedizinische Regel Nr. 13.2 (AMR), Leitmerkmalmethode Körperzwangshaltung (LMM) und Länderausschuss für Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik (LASI)), welche das Stehen bei der Arbeit beurteilen. Zunächst wurde das Stehen definiert und in einem zweiten Schritt die Stehdauer der Risikobeurteilungsansätze in Risikokategorien 1-4 mit verschiedenen Graden an Stehbelastung eingeteilt. Ziel der Dissertation: Das Ziel dieser Dissertation ist die Validierung der Risikobeurteilungsansätze AMR, LASI und LMM sowie ihrer Risikokategorisierung für Gesundheitsrisiken durch Steharbeit am Beispiel von Venenkrankheiten. Es wird untersucht, ob die Stehdauer der Ansätze miteinander korreliert und ob ein Zusammenhang zwischen der Prävalenz/Ausprägung der Varikose und den Stehdauer-Risikokategorien sowie anderen Risikofaktoren besteht. Zudem wird geprüft, welcher Ansatz am besten geeignet ist, den Zusammenhang zwischen langandauernder Steharbeit und Varikose zu beschreiben. Methodik: In dieser Querschnittsstudie wurden 125 von 138 Beschäftigten mit unterschiedlicher arbeitsbedingter Stehexposition eingeschlossen. An zwei Versuchstagen wurden Daten erfasst: Am ersten Tag das Aktivitätsprofil während der Arbeit mittels Aktigraphen, am zweiten Tag eine Inspektion der unteren Extremität mit CEAP-Klassifikation zur Bestimmung des Venenstatus. Die Aktigraph-Daten wurden mit MATLAB gemäß den Risikobeurteilungsansätzen AMR, LMM und LASI in Risikokategorien 1-4 eingeteilt. Es wurden fünf Versionen der Ansätze geprüft: AMR_Stehdauer_max, LASI_Stehdauer_max, AMR_Stehdauer_kumulativ, LASI_Stehdauer_kumulativ und LMM_Stehdauer_ kumulativ (nach Ausschluss der „max“-Versionen nur noch als AMR/LMM betitelt). Die „max“-Versionen berücksichtigten die längste ununterbrochene 82 mit Stehdauer, die „kumulativ“-Version die Gesamtstehdauer. Die Auswertung erfolgte SPSS und Excel, wobei lineare Korrelationen und Regressionsanalysen verwendet wurden. Ergebnisse: Die Stehdauer am Stück der „AMR Stehdauer max“ (0,25 ± 0,24 Stunden) und der „LASI Stehdauer max“ (0,08 ± 0,06 Stunden) sind unrealistisch für eine Gesundheitsrisikobewertung aufgrund von langem Stehen und wurden aus den Analysen ausgeschlossen. Weitere Berechnungen wurden nur mit den kumulativen Stehdefinitionen LASI, AMR und LMM durchgeführt. Es zeigte sich ein starker Zusammenhang zwischen diesen Stehdauern (AMR/LMM: 0,89; AMR/LASI: 0,97; LMM/LASI: 0,97). Es gab einen schwachen bis mittelstarken Zusammenhang zwischen den Risikokategorien der drei Ansätze und der Prävalenz sowie Ausprägung der Varikose. Besonders die Stehdauer bei LASI war in der Risikokategorie 2 signifikant (Faktor 5,57; Prävalenz der Varikose). Bei LMM wurde ein erhöhtes Risiko für Varikose in den Risikokategorien 3+4 festgestellt (Faktor 4,87; Ausprägung der Varikose). Neben der Stehdauer wurde zudem das Alter als signifikanter Risikofaktor identifiziert. Es zeigte sich weiterhin, dass alle Risikobeurteilungsansätze geeignet sind, den Zusammenhang zwischen den Risikokategorien zur Stehdauer und der Varikose aufzuzeigen. Es wurde ein signifikanter Unterschied zwischen LASI und AMR festgestellt, wobei LASI besser mit der Varikose korrelierte. Diskussion: Die Studie verdeutlicht, dass eine einheitliche Definition des Stehens sowie eine standardisierte Kalibrierung der Aktigraphen erforderlich sind, um vergleichbare Ergebnisse zu gewährleisten. Sowohl das Alter als auch teilweise andauerndes Stehen konnten als Risikofaktoren identifiziert werden. Obwohl alle drei Ansätze den Zusammenhang zwischen Steharbeit und Venenstatus beschreiben, deutet die Auswertung darauf hin, dass der LASI Risikobeurteilungsansatz dem AMR überlegen ist. Mit diesen Erkenntnissen sollten in Zukunft präventive Maßnahmen ergriffen werden, um die Auswirkungen der Risikofaktoren auf die Venen zu reduzieren und Beschäftigte vor den gesundheitlichen Folgen wie chronischen Venenkrankheiten zu schützen.

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