Inhaltszusammenfassung:
Jugendgewalt ist ein periodisch wiederkehrendes Thema in der Öffentlichkeit. Umfassende Erklärungsansätze spielen dabei eine wesentliche Rolle. An den populären Ansätzen von Heitmeyer und von Gottfredson/Hirschi wird gezeigt, daß diese im Wesentlichen, ganz in der Tradition von Hobbes, die Ausgrenzung der Barbaren vorantreiben. Nicht in Erkenntnissen über Gewalttäter liegt ihr Nutzen, sondern in der Bestimmung des Limes zwischen Barbarei und Gesellschaft. Anhand dieser Grenze wird um den als allgemeingültig erklärten Maßstab der Gesellschaft gestritten. Die „Hallesche Biographiestudie zur Jugendgewalt" untersucht die Personenim Gegensatz zu den genannten Autoren nicht als defizitäre Andere, sondern versucht, den gesamten Biographien gerecht zu werden. Gerade so zeigt sich, daß die Verarbeitung der erwähnten Ausgrenzungsprozesse einen wichtigen Stellenwert in den Biographien einnimmt.