Inhaltszusammenfassung:
Dieser Aufsatz beschreibt die Schwächen des Konzeptes des abweichenden Verhaltens, auf das sich die Soziologie der Devianz als Teilbereich der allgemeinen Soziologie stützt. Dagegen stellt der vorliegende Artikel die grundlegenden Züge eines Konzeptes der sozialen Zensur, das, so wird argumentiert, eine bessere Basis für die soziologische Arbeit auf diesem Gebiet zur Verfügung stellt. Um dieses neue Konzept zu illustrieren, wird die Zensur der „Prostitution“ als ein Beispiel ausführlich diskutiert. Der Aufsatz greift die orthodoxen Konzepte der Kriminalität und der Abweichung in ihren Grundfesten an, weil sie auf einem unhaltbaren Behaviorismus beharren und den historischen Charakter von Gesetz und Moral ignorieren. Existierende liberale und radikale Labeling-Perspektiven werden insbesondere wegen ihres Nominalismus und Ökonomismus kritisiert. In Anlehnung an eine gegenwärtige Version neo-marxistischer Ideologietheorie, die versucht, die Fallen sowohl des Behaviorismus als auch des Relativismus zu vermeiden, wird das Konzept sozialer Zensuren entwickelt.