Die Dissertation ist gesperrt bis zum 26. Juni 2028 !
Die Dissertation untersucht Aristoteles' Theorie des Tastsinns und bietet eine systematische Rekonstruktion dieses bislang nur punktuell erforschten Bereichs seiner Wahrnehmungslehre. Sie zeigt, dass Aristoteles den Tastsinn als eine eigenständige und einheitliche Sinnesmodalität versteht, deren Einheit trotz der Vielfalt der Tastqualitäten gewahrt bleibt, da diese letztlich auf die fundamentalen Gegensätze warm–kalt und trocken–feucht zurückgeführt werden können. Darüber hinaus wird argumentiert, dass das eigentliche Tastorgan nicht das Herz selbst, sondern ein dem Herzen unmittelbar anliegender innerer Körperteil ist. Auf dieser Grundlage lassen sich die unterschiedlichen Aussagen des Aristoteles über das Fleisch als Medium oder Organ des Tastsinns miteinander vereinbaren. Schließlich zeigt die Arbeit, dass der Tastsinn bei Aristoteles keine definitorische Vorrangstellung gegenüber den übrigen Sinnesmodalitäten besitzt. Seine besondere Bedeutung beruht vielmehr auf seiner Unentbehrlichkeit für das Leben der Tiere. Als Voraussetzung für die Wahrnehmung grundlegender Qualitäten ermöglicht der Tastsinn die Unterscheidung von Nahrung und Schädlichem sowie die unmittelbare Erfahrung des eigenen Körpers. Damit leistet die Dissertation einen Beitrag zum Verständnis der aristotelischen Wahrnehmungslehre, Tierpsychologie und Biologie.