Übergänge im MINT-Lehramtsstudium: Eine empirische Analyse bildungsbezogener Entscheidungsprozesse

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Zitierfähiger Link (URI): http://hdl.handle.net/10900/181645
http://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-1816451
http://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-1816451
http://dx.doi.org/10.15496/publikation-122967
Dokumentart: Dissertation
Erscheinungsdatum: 2026-07-16
Sprache: Deutsch
Englisch
Fakultät: 6 Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät
Fachbereich: Erziehungswissenschaft
Gutachter: Kelava, Augustin (Prof. Dr.)
Tag der mündl. Prüfung: 26-01-26
DDC-Klassifikation: 370 - Erziehung, Schul- und Bildungswesen
Schlagworte: Studienabbruch , MINT-Fächer , Lehramt , Mathematiklehrer
Lizenz: http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/doku/lic_ohne_pod.php?la=de http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/doku/lic_ohne_pod.php?la=en
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Inhaltszusammenfassung:

Der anhaltende Lehrkräftemangel im MINT-Bereich, insbesondere im Fach Mathematik, stellt das deutsche Bildungssystem vor erhebliche Herausforderungen. In diesem Kontext sind Prozesse der beruflichen Umorientierung, die sich vor allem entlang zentraler Übergänge im Lehramtsstudium vollziehen, von zentraler Bedeutung. Ziel dieser Dissertation ist es, bildungs- und berufsbezogene Entscheidungsprozesse im MINT-Lehramtsstudium systematisch zu analysieren und Faktoren zu identifizieren, die zu einem Überdenken der ursprünglichen Berufswahl beitragen. Die Arbeit verbindet das Konzept der doppelten Diskontinuität im Mathematiklehramt mit theoretischen Ansätzen der Person-Umwelt-Passung. Ergänzend werden Erwartungs-Wert-Modelle, berufliche Interessen sowie Persönlichkeitsmerkmale als erklärende Faktoren herangezogen. Die Dissertation setzt sich aus drei empirischen Teilstudien zusammen, die sich jeweils einer spezifischen Übergangssituation im MINT-Lehramt widmen. Studie 1 untersucht frühe Studienabbruchintentionen im Mathematiklehramt (B.Ed.) im Vergleich zum fachwissenschaftlichen Mathematikstudium (B.Sc.) anhand eines dynamischen Strukturgleichungsmodells unter Verwendung hochfrequenter Längsschnittdaten. Die Ergebnisse zeigen deutliche Gruppenunterschiede im Hinblick auf zeitlich stabile kognitive (z.B. mathematische Vorkenntnisse) und motivationale (z.B. berufliche Interessen) Variablen auf. Zudem ergeben sich Unterschiede hinsichtlich des intraindividuellen Einflusses zeitlich veränderlicher, motivationaler Zustände. In Studie 2 wird der Übergang von der Universität an die Schule im Rahmen des Schulpraxissemesters mittels qualitativer Interviews untersucht. Entgegen theoretischer Annahmen erweist sich dieser Übergang als vergleichsweise wenig problematisch. Die praktischen Erfahrungen tragen in erster Linie zur Stabilisierung der Berufswahl bei, während Herausforderungen haupsächlich im Bereich der Klassenführung sowie im Zweitfach auftreten. Studie 3 untersucht mögliche Prädiktoren für den Übergang in den Vorbereitungsdienst auf Basis von NEPS-Daten und vergleicht hierbei MINT- und Nicht-MINT-Lehramtsabsolvent:innen. Während sich für Nicht-MINT-Absolvent:innen klare Prädiktoren für den Übergang in den Vorbereitungsdienst identifizieren lassen, zeigen sich für MINT-Absolvent:innen keine konsistenten Erklärungsmuster, was auf zusätzliche arbeitsmarktbezogene oder biografische Einflussfaktoren hindeutet. In der Gesamtschau verdeutlichen die Befunde, dass berufliche Umorientierungen im MINT-Lehramt weniger als singuläre Entscheidungen, sondern als Ergebnis wiederholter Passungsirritationen an verschiedenen Übergängen zu verstehen sind. Aufbauend auf den empirischen Ergebnissen wird ein integratives Modell zur Erklärung von Umorientierungsprozessen im MINT-Lehramt entwickelt. Die Arbeit leistet damit einen theoretischen und empirischen Beitrag zum Verständnis des Lehrkräftemangels und liefert Ansatzpunkte für die Weiterentwicklung der Lehrerbildung.

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