Inhaltszusammenfassung:
Gonarthrose ist eine weltweit verbreitete degenerative Gelenkerkrankung, die mit Schmerzen, Einschränkungen der körperlichen Funktion und einer verminderten Lebensqualität einhergeht. In internationalen klinischen Leitlinien werden Bewegung und Edukation als primäre Behandlungsoptionen bei Gonarthrose empfohlen und dennoch ist die Versorgungspraxis hinsichtlich dieser konservativen Therapieoptionen unzureichend. In diesem Kontext kann die Implementation alternativer Versorgungsmodelle, wie beispielsweise digitale Gesundheitstechnologien, eine Möglichkeit darstellen, diese Versorgungsdefizite zu adressieren. Ein wesentlicher Vorteil dieses Ansatzes liegt in seiner einfachen Zugänglichkeit und hohen Flexibilität. Darüber hinaus unterstützen verschiedene Funktionen (z.B. Übungsvideos, Feedback-Mechanismen) der digitalen Programme die korrekte Ausführung von Übungen ohne menschliche Supervision und fördern die Adhärenz (z.B. Erinnerungsfunktionen, Monitoring). Aktuelle Meta-Analysen deuten bereits darauf hin, dass digitale Trainingsinterventionen bei Patienten mit Gonarthrose vergleichbare positive Effekte auf die Schmerzreduktion haben wie nicht-digitale Trainingsinterventionen und dabei sogar der Regelversorgung überlegen sind. Generell bevorzugen Patienten mit Gonarthrose ein unterschiedliches Ausmaß an menschlicher Unterstützung. Dennoch wird in den systematischen Übersichtsarbeiten bisher nur in Subgruppenanalysen mit einer geringen Anzahl von Studien zwischen den verschiedenen digitalen Darreichungsformen (überwacht vs. selbstgesteuert) differenziert. Dabei wurde eine erhebliche Heterogenität zwischen den Studien sowie eine geringe Qualität der Evidenz festgestellt. Das übergeordnete Ziel des Dissertationsvorhabens ist demnach, Teile der Forschungslücke zu schließen, indem zusätzliche Daten zur Subgruppe der selbstgesteuerten m-Health-Trainingsinterventionen bereitgestellt werden. In einem kombinierten Ansatz aus quantitativen und qualitativen Forschungsmethoden werden in vier wissenschaftlichen Beiträgen die Machbarkeit, Wirksamkeit und Sicherheit der re.flex Intervention im Hinblick auf klinische Outcomes, Adhärenz, Nutzerfreundlichkeit und Zufriedenheit untersucht. Gleichzeitig sollten die durchgeführten Studien bewerten, ob re.flex im Rahmen eines Antrags auf Aufnahme in das vom BfArM geführte DiGA-Verzeichnis einen klinisch relevanten, positiven Versorgungseffekt nachweisen kann und damit den Zugang zu einer wirksamen und sicheren Behandlungsoption im Kontext der Bewegungstherapie verbessert.