Inhaltszusammenfassung:
Das Auftreten nicht-instrumenteller physischer Gewalt, die in der Literatur häufig mit Etiketten wie „sinnlos“, „destruktiv“ und „irrational“ belegt wird, ist ein Prüfstein jeder allgemeinen Theorie physischer Gewaltanwendung. Entgegen einer Reihe von trieb- und lerntheoretischen Konzepten, bei denen der Rückgriff auf „Triebe“ und „Instinkte“ zunehmend an Bedeutung gewinnt, eröffnet die Phänomenologie eine Möglichkeit alternativer, „Kultur“ und „Handeln“ in ihr theoretisches Recht einsetzender Erklärungen. Nichtinstrumentelle Gewaltsamkeit wird dann zum Ausdruck existentieller Auflehnung gegen einen Zustand, in dem durch das Versagen der Kultur, den Menschen in das ihm entsprechende Verhältnis zu seiner Umwelt zu setzen, kein hoch intensives Erlebnis menschlicher Lebenstätigkeit mehr möglich ist, sich also Langeweile ausbreitet. Je intensiver der Zustand der Langeweile und damit auch die Trennung von der Welt, desto größer der Druck in Richtung auf ein Handeln, das es ermöglicht, sich in der Aufhebung dieser Trennung wiederzufinden.
Abstract:
The phenomenon of „senseless“, „destructive“, „irrational“ physical violence is being explained within the theoretical framework of existential philosophy and phenomenology. Where traditional cultural forms fail to relate human existence to a human environment, boredom spreads. The more intensive boredom, and with it the rupture between individual and world, the higher the pressure on bored individuate and collectives to use non-instrumental physical violence as a means of overcoming this rupture.