Inhaltszusammenfassung:
Die Etikettierungs-Perspektive wird als Rahmen für ein Forschungsprogramm über Verdinglichung als Herrschaftsform interpretiert. Ihr Potential besteht darin, daß sie auf die Details und Vertracktheiten von Herrschaft aufmerksam macht. Dieses Potential wird aber verspielt durch die verbreitete psychologistische Vereinseitigung der Perspektive, durch die sich in der Rezeption durchsetzende Reduktion auf Stigma-Theorie und die Beschränkung auf Verdinglichungen zum Zweck des sozialen Ausschlusses. Dagegen wird an Beispielen argumentiert, daß aus dieser Perspektive die gesellschaftliche Herstellung von Zwangs-Identität, die Bedeutung gesellschaftlicher Vokabulare für das, was fälschlicherweise als „primäre Abweichung“ unterschieden und beiseite gelassen wird, und die sozialstrukturellen Grundlagen solcher Vokabulare in der Zurichtung der Arbeitskraft untersucht werden können. Abschließend werden einige Überlegungen angestellt, warum dieses Potential der Etikettierungs-Perspektive nicht realisiert wurde.