Die Dissertation ist gesperrt bis zum 08. Juli 2028 !
5 Zusammenfassung
Ein vermehrter Anstieg an Kopf-Hals-Tumoren, insbesondere
Plattenepithelkarzinome im Oropharynx wird mit dem Vorkommen einer oralen
HPV-Infektion assoziiert. Vor allem immunsupprimierte Menschen, wie zum
Beispiel Organtransplantatempfänger sind anfällig für Virusreaktivierungen oder
protrahierte Virusinfektionen und es konnte auch ein erhöhtes Risiko für HPV-
assoziierte Oropharynxkarzinome gezeigt werden.
In der vorliegenden Studie wurden 1005 bukkale Abstriche von 259 Tx-Patienten
der DZIF-Tx-Kohorte auf das Vorkommen von oraler HPV-DNA untersucht und
deren klinische Daten bezüglich einer möglichen Assoziation als Risikofaktor
untersucht. Die DZIF-Tx-Kohorte ist eine prospektive Studie, die an vier Orten in
Deutschland longitudinale Daten und biologische Proben von Tx Patienten
sammelt, um die Therapie von Tx-Patienten zu verbessern. Die bukkalen
Abstriche wurden zum Zeitpunkt der BL, 6 Monate, 12 Monate und bis zu 5
Jahren nach Tx gesammelt und stammten von Nieren-, Leber-, Pankreas-, und
hämatopoetischen Stammzell-Tx-Patienten. Zusätzlich konnten 65 bukkale
Abstriche von Organspendern auf ihren HPV-Status überprüft werden.
Die HPV-Prävalenz und Verteilung der HPV-Genotypen wurde durch eine HPV-
spezifischen Line Probe Assay (LiPA) ermittelt, der sehr sensitiv HPV-DNA
detektiert. Es wurden High- und Low-Risk-HPV-Typen des Genus alpha, sowie
β- und γ-HPV gefunden. Für die HPV-positiven Abstriche ohne genaue Typ-
Zuordnung wurde zusätzlich die Sanger Sequenzierung durchgeführt. Eine
qPCR für das zelluläre Referenzgen PGK 1 wurde bei allen Abstrichen
durchgeführt, um die Qualität (=Zellgehalt) der Proben zu evaluieren. HPV-
negative Proben mit unzureichendem Zellgehalt wurden aus der weiteren
Auswertung ausgeschlossen.
Nach Ausschluss von Proben mit niedriger Abstrichqualität konnte bei 29
Patienten HPV-DNA nach Tx (ohne Baseline) detektiert werden und die
Prävalenz (mindestens eine positive Probe) ergab 12,9%.
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Die Punktprävalenzen, d.h. die Rate der bukkalen Abstriche mit positivem HPV-
Status pro Zeitpunkt betrugen zum Zeitpunkt der BL 5,8%, nach 6 Monaten 5,4%,
nach einem Jahr 6,7%, nach 2 Jahren 6%, nach 3 Jahren 3,4%, nach 4 Jahren
7,7% und nach 5 Jahren 5,1%.
Ein drastischer Anstieg oraler HPV-Infektionen/-reaktivierungen in den ersten 5
Jahren nach Tx scheint trotz der andauernden immunsuppressiven Therapie
nicht aufzutreten.
Die Untersuchung der klinischen Daten der Tx-Patienten zeigte eine Tendenz für
mehr orale HPV-Infektionen nach Tx bei männlichen Studienteilnehmern und Tx-
Patienten im erhöhten Alter, während der Zusammenhang zwischen einer oralen
HPV-Infektion und dem Organtyp und einer Abstoßungsreaktion statistisch nicht
signifikant war. Mittels Logistischer Regression wurde eine Tendenz für
vermehrtes Vorkommen von oraler HPV-DNA bei Leber-Tx-Patienten ermittelt.
Bei den Tx-Patienten mit HR-HPV-Infektionen konnte keine signifikante
Assoziation mit den Risikofaktoren gefunden werden.
Zwei Leber-Tx-Patienten zeigten vermutlich eine persistente orale HPV-Infektion
mit den HR-HPV-Typen-51 und-59.
Zusammenfassend wurde keine stark erhöhte Prävalenz an oralen HPV-
Infektionen in den ersten 5 Jahren nach Tx in der vorliegenden Studie festgestellt
und auch die Persistenz dieser konnte nur selten beobachtet werden. Da
eventuell der Effekt einer immunsuppressiven Therapie bezüglich oraler HPV-
Infektionen bei Tx-Patienten erst nach vielen Jahren sichtbar wird, wäre es
sinnvoll, die Untersuchung zu einem späteren Zeitpunkt zu erweitern.