Inhaltszusammenfassung:
Die Lebensstile homosexueller Männer in der BRD als einer „permissiven“ Sozialordnung lassen sich nach drei Typen sozialer Organisation unterscheiden, die zugleich einer historischen Entwicklung entsprechen: (1) Die etablierte Subkultur, ehedem eine Reaktion auf die Unterdrückung und Verfolgung der Homosexuellen, dient in ihren heute ausgeprägten Serviceleistungen vor allem der Regulierung sexueller Bedürfnisse. Hierdurch liegt ihre Funktion in der gegenwärtigen Gesellschaft in der Kasernierung homosexuellen Verhaltens. (2) In dem Maße als die Homosexuellen zu einer Selbstakzeptierung ihrer Homosexualität finden, bilden sich homosexuelle Selbstorganisationen, „Emanzipations- und Selbsterfahrungsgruppen“ aus, die für die einzelnen Mitglieder identitätsstabilisierend wirken. Mit diesem Typus geht auch die bewußte Pflege einer eigenen Lebensform in Sprache und Verhalten einher. (3) Um eine „Veralltäglichung“, d. h. eine Selbstverständlichkeit homosexueller Lebensform zu erreichen, die diese als Möglichkeit sozialer Lebensstile gegenüber der Umwelt auszuweisen vermag, bedarf es der Organisationsform der „sozialen Bewegung“, wobei an eine Übernahme der „gay movements“ in den USA aufgrund der unterschiedlichen politischen Kulturen nicht zu denken ist. Die „Schwulenbewegung“, so sie in der BRD sich verständlich machen möchte, muß hierzu eigene Wege suchen.