Inhaltszusammenfassung:
Einleitung und Fragestellung
Die transgingivale Oberfläche dentaler Abutments stellt eine zentrale Schnittstelle zwischen Implantat und periimplantärem Weichgewebe dar und ist wesentlich an der Ausbildung einer biologischen Barriere gegen bakterielle Infiltration beteiligt. Im Gegensatz zu enossalen Implantatoberflächen ist die transgingivale Zone bislang nur unzureichend systematisch untersucht. Ziel dieser Studie war es, die Oberflächentopografie handelsüblicher Abutments zu charakterisieren und den Einfluss des klinischen Workflows wie Sondieren oder Polieren auf die biologische Effektivität der Oberflächen zu diskutieren.
Material und Methoden
Untersucht wurden 125 handelsübliche Abutments verteilt auf 25 Gruppen verschiedener Hersteller (Straumann, Medentika, Neodent, Camlog, Dentsply Sirona), Materialien (Titan, Zirkonoxid, PEEK, Edelmetall) und Abutmenttypen (temporär, definitiv). Die Analyse erfolgte im unbehandelten Zustand, nach Politur sowie nach simuliertem klinischem Sondieren. Die Oberflächenmorphologie wurde mittels Rasterelektronenmikroskopie (REM) untersucht. Quantitative Rauheitsparameter (Sa, Sdr, Ssk, Sku, Str, Vvv) wurden mit konfokaler Mikroskopie nach ISO 25178-2 erfasst. Die statistische Auswertung erfolgte mittels Wilcoxon-Tests und ANOVA (Signifikanzniveau p < 0,05).
Ergebnisse
Die transgingivalen Abutmentoberflächen zeigten trotz optischer Glätte eine ausgeprägte topografische Heterogenität. Die Sa-Werte lagen vielfach über dem in der Literatur beschriebenen kritischen Schwellenwert von 0,2 µm. Rasterelektronenmikroskopisch konnten differenzierte Mikro- und Nanostrukturen nachgewiesen werden. Zwischen Materialien, Herstellern und Abutmenttypen bestanden signifikante Unterschiede in allen untersuchten Parametern. Polieren reduzierte die Rauheit signifikant, führte jedoch zu einer Auflösung geordneter Mikrostrukturen. Sondieren verursachte hingegen optisch und mikroskopisch sichtbare Kratzspuren und eine signifikante Erhöhung der Sa- und Str-Werte.
Diskussion
Die Ergebnisse aus den REM-Aufnahmen und der Rauheitsanalyse verdeutlichen, dass die transgingivale Oberflächenbeschaffenheit handelsüblicher Abutments keinem standardisierten Herstellungsverfahren unterliegt, sondern erheblich variiert. Neben material- und herstellerabhängigen Unterschieden beeinflussen insbesondere zahntechnische Bearbeitungsschritte und der klinische Umgang die Oberflächentopografie. Während eine Politur die Rauheit reduzieren und potenziell die bakterielle Adhärenz senken kann, besteht gleichzeitig das Risiko, biologisch relevante Mikro- und Nanostrukturen zu entfernen, die für die Zelladhäsion und -orientierung von Bedeutung sind. Mechanische Manipulationen im Rahmen der Nachsorge, insbesondere durch metallische Instrumente, führen zu lokalen Rauheitszunahmen und Oberflächenschäden, weswegen sie kritisch zu bewerten sind. Für individuell gefertigte Abutments gewinnt die Verantwortung der Bearbeitung im Dentallabor gegenüber der industriellen Oberflächenqualität zunehmend an Bedeutung.
Schlussfolgerung
Transgingivale Abutmentoberflächen zeigen eine erhebliche Variabilität auf dem Markt und sind gleichzeitig empfindlich gegenüber klinischen Manipulationen. Klinisch relevant sind laborseitig sparsame Polituren sowie ein vorsichtiger Umgang bei der klinischen Kontrolle. Wünschenswert wäre zudem, von Herstellerseite eine stärkere Standardisierung der transgingivalen Oberflächentopografie anzustreben und diese gezielt im Hinblick auf die bisherige Studienlage zur Weichgewebsintegration und bakteriellen Kontrolle zu optimieren. Besonders für die im Dentallabor individuell hergestellten Abutmentoberflächen scheinen aber standardisierte Bearbeitungsrichtlinien notwendig, um die Gesundheit des periimplantären Weichgewebes zu unterstützen.